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Ammerseerenade

22.09.2018

Perfekt ab dem ersten Ton

Daniel Röhn (Violine) und Paul Rivinius (Klavier) präsentierten im Wohnstift Augustinum Ammersee in Dießen ein „Befreiungskonzert“. <b>Foto: Romi Löbhard</b>
Bild: Romi Löbhard

Das „Befreiungskonzert“ mit Daniel Röhn und Paul Rivinius wird zu einem Höhepunkt der Klassik-Reihe

Dießen Hervorragend herausgearbeitete technische Raffinessen, perfekte Übereinstimmung der Musiker ab dem ersten Ton bis zum Verklingen des letzten Akkords, Spielfreude und begeisternde Musikalität: „Das Befreiungskonzert“ mit Daniel Röhn (Violine) und Paul Rivinius (Klavier) im Konzertsaal des Wohnstifts Augustinum Ammersee in Dießen geriet zu einem der Höhepunkte der Ammerseerenade.

Zudem war das Programm ein perfekt durchdachtes und ausgewogenes. Zeitgenössisch, jedoch nicht zu progressiv, klassisch, aber doch nicht immer vorhersehbar – in schöner Abwechslung reihten sich Werke von Arvo Pärt, Ludwig van Beethoven und Ernest Bloch aneinander. Allen drei Komponisten ist eines gemeinsam: Sie durchbrachen zu ihrer Zeit festgelegte musikalische Regularien, befreiten Akkorde und Tonfolgen vom angesetzten Staub, ohne Angst vor Konfrontation und Ablehnung. Sie stillten ihre ganz persönliche Sehnsucht nach Freiheit mit Musik, die auf- und wachrüttelt, die aber auch bewegt.

Der Abend begann mit Arvo Pärt und dessen „Fratres“, und einer ersten Herausforderung für Daniel Röhn und seine Violine, quasi einer Generalauslotung aller Saiten und deren Möglichkeiten. Paul Rivinius am Flügel war im Verlauf ausgleichendes, beruhigendes Moment für die zunächst aufgebracht tönende Violine, die Röhn bändigte und ihr die Schönheit ihres Klangs offenbarte. Die folgende „Frühlingssonate“ von Ludwig van Beethoven war ihrer Zeit voraus und doch im Vergleich mit dem vorher Gehörten sehr ausgeglichen. Jetzt hatte eher das Klavier das Sagen. Bei Beethovens „Kreutzersonate“ war das nicht anders. Paul Rivinius und Daniel Röhn interpretierten beide Sonaten romantisierend, mit viel Dynamik und Tempowechseln – ganz im Sinn des Komponisten, der, gerade was die Kammermusik betraf, etliches für seine Zeit bahnbrechend Neues schuf.

Zwischen den beiden Violinsonaten des deutschen Klassikers begeisterte das Musikerduo mit „Bloch Nigun“ des Komponisten Ernest Bloch. Dieses Werk avancierte zum schier unbestrittenen Konzerthöhepunkt. Röhns Geige war hier der Star, er ließ sie dunkel-erotisch flüstern und im Flageolett singen. Es war der Ausbruch eines Instruments aus vorgegebenen Möglichkeiten ins scheinbar Unmögliche.

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