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Landsberg

13.01.2020

Phantom der Oper: Ein ohrenbetäubendes Spektakel, das nicht begeistert

Das "Phantom der Oper" geisterte wieder einmal über die Bühne des Sportzentrums in Landsberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die Musical Company gastiert mit dem „Phantom der Oper“ im Sportzentrum in Landsberg. Warum ausgerechnet die teuren Plätze nicht die besten waren.

Als vor einigen Jahren das „Phantom der Oper“ in der Version des Librettisten Paul Wilhelm und des Komponisten Arndt Gerber auf der Bühne des Landsberger Sportzentrums sein Unwesen trieb, waren sie auch schon Teil des Ensembles: Stefanie Wesser als junge Chorsängerin Christine Daaé mit dem bezaubernd sanften Sopran, Hans-Jürgen Zander, der den überforderten Operndirektor Menarchim großartig mimte, und Jens Bogner als erfahrener Bühnenpförtner Monsieur Philipp, der die Hintergründe des Spektakels zuweilen philosophisch beleuchtete.

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Dennoch zeigten sich einige Besucher in der mehr als zur Hälfte besetzten Sporthalle bei ihrem erneuten Auftritt enttäuscht, weil sie die musikalische Umsetzung der Geschichte von Gaston Leroux erwarteten, die Andrew Lloyd Webber geschaffen hatte. Doch dem 15-köpfigen Orchester unter der Leitung des ungarischen Dirigenten Lajos Taligas gelang es, sich in die Herzen des Publikums zu spielen.

Die Liebe lässt die Situation eskalieren

In der Rolle des geheimnisvollen Phantoms, das in den Katakomben der alten Pariser Oper haust, überzeugte Martin Sommerlatte mit gefühlvollem Bariton in großartigen Soli und zauberhaften Duetten mit der jungen Chorsängerin Christine: „Die Nacht wird Raum, der Raum wird Klang, das Dunkel lebt mit dem Gesang." Die Situation eskaliert völlig, als sich der bislang Unsichtbare mit besitzergreifender Leidenschaft in Christine verliebt, die im Schatten der großen Diva Carlotta steht, stimmgewaltig interpretiert von Barbara Freitag, die als jahrelanges Mitglied der Staatsoperette Dresden große Erfahrung mitbringt.

Phantom der Oper: Ein ohrenbetäubendes Spektakel, das nicht begeistert

Nur schade, dass gerade auf den teuren Plätzen die viel zu hoch eingestellte Lautstärke fast unerträglich war und somit auch die feinen Nuancen in den Stimmen komplett überzeichnet wirkten. Dadurch entstand eine gewisse Unruhe, weil einige Besucherinnen in ihren Handtaschen nestelten, um das ohrenbetäubende Spektakel mit Einsatz von Ohropax genießen zu können. Das Phantom indes erscheint der Frau seines Begehrens in einem Spiegel. Es verspricht, sie „als Engel der Musik“ zu einem großen Star zu formen. Getrieben von tiefer Verzweiflung, Mitleid und Angst reißt sie ihm bei einer Umarmung die Maske vom Gesicht. Dabei erblickt sie seine verzerrte Fratze, die es ihm unmöglich macht, in der Welt da draußen zu leben.

Es passieren entsetzliche Dinge

Entsetzliche Vorfälle zwingen Carlotta zur Abreise: Ein Maschinenmeister wird erhängt in der dritten Versenkung aufgefunden. Als auch noch der große Kronleuchter während Bizets „Perlenfischer“ in den Zuschauerraum kracht, stellt der umtriebige Polizeikommissar Monsieur Fauve alias Chris Schulz ernsthafte Ermittlungen an. Ihn unterstützt Christines eifersüchtiger Freund Raoul de Chagny, verkörpert von Fabian Klatt. Das zwingt den Widersacher zum Handeln und er entführt die Angebetete während einer Opernaufführung. Doch die Befreiung gelingt und Christine haucht erleichtert „Es gibt kein Phantom mehr“.

Die wunderbare Stimme von Stefanie Wesser, die sich im Laufe der Vorstellung zu bestechender Klarheit steigerte, verdient großes Lob. Auch die schauspielerische Leistung von Nadine Pohl, als etwas verrückte Logenschließerin Madame Giry, die sich vom unsichtbaren Phantom zu kleinen Geschäften bewegen ließ, gab der in 16 Bildern gefassten Produktion einen gewissen Esprit. Auch die vier temperamentvollen Ballettmädchen sorgten mit ansprechendem Tanz und wechselndem Outfit für eine gewisse Noblesse. Zum Schluss gab es langen, artigen Applaus, doch Begeisterung sieht anders aus.

Wie das Phantom der Oper vor fünf Jahren in Landsberg ankam, lesen Sie hier: Das Phantom im Sportzentrum

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