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Landkreis Landsberg

08.10.2019

Prämiensparern im Landkreis Landsberg droht die Kündigung

Fürs Ersparte gibt es bei Banken schon lange keine Zinsen mehr. Also doch wieder das Geld im Strumpf horten? Das LT hat vor dem Hintergrund der Diskussionen um Prämiensparverträgen bei örtlichen Bankhäusern nachgefragt.
Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Plus Auch die Sparkasse Landsberg will sich teurer Alt-Verträge entledigen. Etwas anders sieht die Lage bei den Genossenschaftsbanken aus. Was Banken verbindet und was Sparer wissen müssen.

Zinsen fürs Ersparte? Davon dürften die meisten Sparer schon lange nichts mehr gesehen haben. Aber einige Glückliche gibt es noch, die mit Spareinlagen eine Rendite erwirtschaften: Menschen, die Prämiensparverträge abgeschlossen haben. Für einige von ihnen wird es damit aber bald vorbei sein. Wie die Stadtsparkasse München will jetzt auch die Sparkasse Landsberg-Dießen alte Verträge kündigen. Besser dran sind hingegen Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken.

So läuft es mit dem Prämiensparen ab

Zur Erinnerung an die Zeiten, als es noch Zinsen für Sparer gab: Prämiensparverträge sind Anlagen, für die Sparer jeden Monat einen festen Geldbetrag zurücklegen. Zum jeweils aktuellen Zins geben die Banken und Sparkassen noch Prämien drauf – und die erhöhen sich in der Regel von Jahr zu Jahr. Wer beispielsweise 15 Jahre eingezahlt hat, kann sich nach dieser Zeit über eine maximale Prämie von 50 Prozent freuen. Werden jeden Monat 100 Euro, also im Jahr 1200 Euro, angespart, gibt es am Ende bis zu 600 Euro Prämie. Das macht bezogen auf die in 15 Jahren gesparten 18.000 Euro drei Prozent Rendite. Für eine Bank, die ihrerseits etwa bei Baudarlehen inzwischen dafür weniger als ein Prozent Zins verlangen kann und bei der Zentralbank Strafzinsen von 0,5 Prozent zahlen muss, ist das ein Verlustgeschäft.

Was ein Urteil des Bundesgerichtshofs besagt

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Mai ermöglicht es aber nun Banken, aus zahlreichen Prämiensparverträgen auszusteigen. Zwei Bedingungen müssen dafür erfüllt sein: Die Höchstprämie ist bereits erreicht und der Sparvertrag läuft unbefristet. Genau diese Verträge werde nun auch die Sparkasse Landsberg-Dießen zum 1. April kündigen, bestätigt Vorstand Thomas Krautwald. „Wir halten dabei alle Kriterien des BGH ein. Wir legen ganz großen Wert darauf, dass wir nichts Unrechtes tun“, versichert der Sparkassenchef. Rund 2000 Kunden werden betroffen sein. Die eingesparten Prämien würden in die Waagschale geworfen, „damit wir von unseren Privatkunden kein Verwahrentgelt verlangen müssen“, betont Krautwald.

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Bei den Genossenschaftsbanken laufen die Verträge 25 Jahre

Besser dran sind offenbar die Prämiensparer bei den Volks- und Raiffeisenbanken. Ihre Institute hätten keine unbefristeten Prämiensparverträge geschlossen, erklärten auf LT-Anfrage Stefan Jörg, der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Landsberg-Ammersee, und Johann Oberhofer, Prokurist der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg. „Alle Verträge haben eine feste Laufzeit von 25 Jahren“, erläutert Jörg. Sie sind damit – vergleichbar mit Kreditverträgen – nicht vorzeitig einseitig kündbar.

Lang laufende Prämiensparverträge waren einst für beide Seiten eine vorteilhafte Sache, erklärt Johann Oberhofer von der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg: Die Banken sicherten sich damit langfristig Kundeneinlagen, die sie für die Kreditvergabe benötigen. Die Kunden hatten eine sichere Geldanlage, die durch die steigenden Prämien im Laufe der Zeit immer besser rentierte.

Ändert sich die Situation für Sparer bald?

Sparkassenchef Thomas Krautwald formuliert es so: „In Zeiten, in denen Zinsen gezahlt worden sind, waren alle Banken darauf erpicht, Geld zu bekommen, mit dem sie arbeiten konnten.“ Inzwischen sind die damals entwickelten Prämiensparprodukte eine Last für die Banken geworden: Bei der VR-Bank Starnberg-Landsberg-Herrsching gebe es derzeit rund 8000 solcher Prämiensparverträge, mit denen im Monat durchschnittlich 80 Euro angespart werden, berichtet Prokurist Johann Oberhofer. Viele Kunden steckten ihre vermögenswirksamen Leistungen in solche Anlagen.

Um Kundengelder wird heute nicht mehr mit Zinsen und Prämien gebuhlt. Im Gegenteil: Geld, das Kunden aufs Konto legen und nicht ausgeliehen werden kann, belastet wegen der Negativzinsen die Bilanzen der Geldhäuser, zumindest solange diese Strafzinsen nicht an die Sparer weitergereicht werden. „Wir kriegen immer mehr Geld von unseren Kunden und können derartige Summen gar nicht mehr unterbringen“, beschreibt Sparkassenvorstand Krautwald die Situation. Strafzinsen wolle seine Bank aber so lange wie möglich vermeiden.

„Eine moralische Hürde“ lasse ihn als Bankchef aber vor Strafzinsen zurückschrecken, sagt Stefan Jörg von der VR-Bank Landsberg-Ammersee. Bevor man Strafzinsen verlange, müsse es darum gehen, andere Anlageformen zu finden. Und er denke, dass die Situation nicht so bleiben werde: „Die Zeiten werden sich wieder ändern, und da werden wir froh sein, wenn wir Sparer haben.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Die Geldwirtschaft steht kopf

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