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Unteres Schloss

07.09.2011

Pralles Leben in Fläche und Raum

Ausstellung in Pähl: Links der Maler Ben Kamili, daneben der Bildhauer Raimund Göbner bei der Vernissage.
Bild: Foto: Alois Kramer

Donauwörther Bildhauer Raimund Göbner und der Berliner Maler Ben Kamili in Pähl

Pähl Recht lakonisch und mit einem Hauch Ironie sprach Kunsthistoriker Dr. Friedhelm Häring in seinen einführenden Worten zur Doppelausstellung von Malereien und Bildhauerarbeiten im Unteren Schloss in Pähl von doppelter Arbeit.

Sie sei aber auch doppelte Freude, ergänzte der Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen, weil die gezeigten Werke so gut zueinander passten. Der gebürtige Augsburger Bildhauer Raimund Göbner, Jahrgang 1969, Dozent für Bildhauerei an der Universität Augsburg, sowie der Berliner Maler Ben Kamili, ebenfalls 1969 geboren, stellen seit der Vernissage am Sonntag dort ihre Werke aus. Die Arbeiten des Malers stehen unter dem Motto „Auf dem Weg“, die des Bildhauers unter dem Titel „Dolce Vita“. Es sind nicht nur diese formalen Ähnlichkeiten wie gleiches Geburtsjahr, die beide Künstler verbinden. Die Werke, obwohl mit unterschiedlichen Materialien gearbeitet, ähneln sich in der Bearbeitung. Sie sind beide nicht zu fein ziseliert, nicht zu glatt, sondern eher roh. Aber auch – wie bei den Holzskulpturen – nicht mit der Kettensäge bearbeitet. Der Farbauftrag bei den Gemälden ist pastos, die Farbe emanzipiert sich bei Kamili vom Auftrag, die Wirklichkeit der Welt zu schildern und wird flächig.

Skulpturen brauchen die Farben

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Sowohl in der Malerei wie auch in den Holzskulpturen spiegelt sich das pralle Leben wider. Barocke Lebensfreude sei in den Arbeiten Göbners zu finden, sagt Häring. „Meine Skulpturen sind“, wie der Künstler gegenüber dem Landsberger Tagblatt feststellt, eher dreidimensionale Bilder. Sie brauchen die Farbe.“ Diese verdeckt aber nicht das Material, aus dem sie gearbeitet sind, sondern zeigt es. Sie sind wie die Skulpturen im Dießener Münster mit Eitempera, einer Eigelb-Öl-Farbe-Emulsion, gefasst, konstatiert der Gießener Kunsthistoriker.

Göbner, der über eine Steinmetzausbildung und den Umweg über ein Studium der Archäologie zur Bildhauerei kam, sieht sich selbst als einen Künstler an, der von der Malerei kommt. Seine Figuren tragen Bezeichnungen, die aus dem Leben stammen, wie zum Beispiel „Couch potato“.

Ein junges Paar ist abgebildet, das sich nicht von seinem Sofa entfernt. Eine Figur zeigt eine Vespafahrerin, deren Haar neckisch im Fahrtwind wedelt. Auf einer anderen kleinen Säule stehen Adam und Eva. Sie versucht den berühmten Apfel zu erlangen, während Adam ihr mit seinen Händen eine Leiter bereitet.

Rapsfeld bei Usedom

„So sesshaft Göbner ist“, erklärte Häring weiter, „so unstet ist Ben Kamili.“ Hier träfen Gegensätze aufeinander.

Zu Kamilis Vorbildern rechnet er Lovis Corinth und Max Liebermann, der mit dem Maler Wilhelm Leibl sehr vertrauten Umgang pflegte. „Eintauchen möchte man in das Rapsfeld“, gesteht Häring beim Blick auf das Bild „Rapsfeld bei Usedom“.

Die Motive Kamilis, der als Albaner in Mazedonien zur Welt kam, sind weitläufig. Sie beschränken sich nicht auf eine Region. „Hamburger Hafen“, ein Bauernhof bei Münster in Westfalen, der Ohrid-See in seiner mazedonischen Heimat gehören zu den Themen.

Aber auch ein „Garten in Pähl“ eine „Wiese in Dießen am Ammersee“ oder ein „Blick nach Dießen“ verraten Vertrautheit mit der Region um den Ammersee. „Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält von dem goldenen Überfluss der Welt“, charakterisierte Häring mit Worten Gottfried Kellers das Werk des Berliners.

Ausstellung Die Doppel-Ausstellung „Auf dem Weg“ und „Dolce Vita“ mit Werken von Ben Kamili und Raimund Göbner im Unteren Schloss in Pähl, Ammerseestraße 6, ist noch bis zum 16. Oktober 2011 zu besichtigen. Die Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 14 Uhr bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag von 11 Uhr bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon 08808/921427.

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