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Welttag

07.05.2018

Pressefreiheit: Ein heikles Thema?

Veranstaltung im DZG

„Journalisten sind in Afghanistan nirgendwo sicher“. In der Türkei sitzen 170 Journalisten im Gefängnis.“ Das sind Meldungen, die wir tagtäglich hören oder lesen. Wer nicht linientreu berichtet, wird in manchen Ländern inhaftiert oder umgebracht. Pressefreiheit ist ein Fremdwort – und wie ist es hier im westlichen Europa? Auf einer von „Reporter ohne Grenzen“ seit vielen Jahren herausgegebenen und stets aktualisierten „Rangliste der Pressefreiheit“ nimmt Deutschland aktuell Platz 15 unter 180 ausgewerteten Staaten ein.

Am 1994 eingeführten Internationalen Tag der Pressefreiheit bringen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen oder auch Ausbildungsstätten, wie die Deutsche Journalistenschule nicht nur solche Zahlen an die Öffentlichkeit. Im Landsberger Dominikus-Zimmermann-Gymnasium beispielsweise sprach der in Kaufering lebende freiberufliche Diplomjournalist Ulf Jochen Froitzheim vor und mit den Schülern der Q11 über dieses doch heikle Thema. „Die Pressefreiheit ist in Gefahr, sogar hier bei uns“, betonte Froitzheim und berichtete von Neonazi-Attacken auf Journalisten, aber auch von 32 getöteten Reportern weltweit allein im Jahr 2018.

„Pressefreiheit ist die Grundlage der Demokratie“, so der Journalist. Nicht passieren solle, was die Washington Post mit Blick auf Meister-Twitterer Donald Trump als „Democracy Dies in Darkness“ bezeichnete. Pressefreiheit bedeute aber nicht, dass alles erlaubt ist. Der Begriff dürfe nicht für die Verbreitung von Falschmeldungen missbraucht werden. Auch seien im Artikel 5 des Grundgesetzes Einschränkungen wie der Schutz der Jugend oder der persönlichen Ehre geregelt. Zum oft formulierten Vorwurf der Gleichschaltung führte Froitzheim aus, dass aufgrund knapper Finanzen der Zeitungsverlage nicht alle Ressorts besetzt seien und Informationen stattdessen von der dpa übernommen werden.

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Ein Lösungsversuch seien Verbünde wie SZ und NDR, die gemeinsam recherchieren. Ein weiterer Grund für diese gefühlte Gleichschaltung sei die Tatsache, dass immer mehr kleine Verlage von größeren geschluckt werden und so die Vielfalt verloren geht.

Was lesen nun Jugendliche und junge Erwachsene, was verfolgen sie, welche Interessen pflegen sie? Das Landsberger Tagblatt „ist gut für allgemeinen Überblick und lokale Informationen“, hieß es von Schülerseite. In der SZ werde die Politik gut beschrieben und erklärt. Auch die BILD wird gelesen, „im Urlaub vor allem, da gibt es oft nichts anderes“. Fernsehen wird genutzt für Nachrichten- und Sportsendungen, Talkshows und Ähnliches sind weniger gefragt. Bei der Internetkommunikation ist Instagram der Renner, das Portal nutzen fast alle Q11ler.

Spezielle Interessensgebiete scheint es nicht zu geben, die Schüler nannten bei einer Abfrage so gut wie alles, worüber berichtet werden kann, von Politik über Wirtschaft, Technik, Sport, Kultur bis Reisen, Regionales, Tierschutz und Promis. „Und was erfahrt ihr nicht?“ Auf diese Frage Froitzheims kam die prompte Antwort „Gutes“. Es werde stets nur über Unfälle, Kriege, Verbrechen berichtet. Dazu gebe es den Slogan „good News are no News“ sagte Froitzheim, allerdings finde nach seiner Beobachtung derzeit ein leichtes Umdenken statt. (löbh)

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