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Prittriching

09.11.2019

Prittriching: Ein Meister am Barren und Mikrofon

Siegfried Christian aus Prittriching als aktiver Turner am Barren bei einem Wettbewerb in, Starnberg im Jahr 1965. Später wurde er als Musiker bekannt.
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Siegfried Christian aus Prittriching als aktiver Turner am Barren bei einem Wettbewerb in, Starnberg im Jahr 1965. Später wurde er als Musiker bekannt.
Bild: Christian

Plus Siegfried Christian ist in Prittriching als Turner bekannt geworden. In seinem heutigen Wohnort Merching überzeugt er aber durch ein anderes Talent.

In Burching kennt man Siegfried Christian, der kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, vor allem als Kunstturner und Trainer mit A-Lizenz. Er gehörte zu den besten Athleten im Freistaat. Am Ende seiner aktiven Karriere schaffte er es als Einziger, in einem Jahr die Gaumeisterschaft in Schwaben und Oberbayern zu gewinnen. Er arbeitete zudem bis 1985 als Kampfrichter mit.

In Merching hingegen kennt man ihn vor allem als Musiker. Wer in Merching den Familiennamen Christian hört, denkt sofort an Volksmusik, mit Siegfried Christian am Bass, vielleicht auch als Sänger in wechselnder Besetzung samt Gitarre mit seiner Frau Christa als Paartaler Zweigesang, mit Schwiegermutter als Paartaler Dreigesang oder seinen ebenso musikalischen Töchtern Ursula und Doris als Christian Dreigesang.

Aus der Tschechoslowakei gekommen

Dabei hatte Siegfried Christian, den es als Grundschüler mit seiner Mutter und zwei Brüdern aus Znaim, der damaligen Tschechoslowakei, nach Prittriching verschlug, als Schüler zunächst keine idealen Voraussetzungen, all das zu erreichen: Vor allem als seine Mitschüler mit Geigenkoffern zum Musikunterricht in die Schule kamen, hätte er das auch sehr gerne gemacht. Aber er hatte auch großes Glück: Seine Mutter hatte eine schöne Singstimme und sang viel mit den Kindern – so fiel der kleine Siegfried in der Schule schon positiv damit auf, dass er von selbst die dritte Stimme fand.

Prittriching: Ein Meister am Barren und Mikrofon

Im Turnverein begeisterte er alle sehr bald, weil er aus dem Stand einen Salto machen konnte. Einmal, erinnert er sich und lacht, musste er das zehn Mal hintereinander auf einem Fest zeigen, weil es allen so gut gefiel. Ganz schwindlig sei ihm danach gewesen. Das Talent wurde so weit wie möglich gefördert, er durfte auf Wettkämpfe mitfahren und sah sich viele Übungen auch von den anderen Turnern ab, weil ihn sein eigener Trainer zwar unterstützte, so gut es ging, aber selbst die Qualifikation gar nicht hatte.

Von der Gitarre fasziniert

Begeistert spielte er zudem nebenbei Fußball und Theater – und entdeckte eines Tages, bei einem Verwandtschaftsbesuch, die Leidenschaft für das Gitarrespielen: Sein Onkel sang gerne Wiener Lieder mit der Familie. Siegfried war fasziniert von dem Instrument und brachte sich mithilfe eines Gitarrenbuchs selbst die wichtigsten Griffe bei. In der Militärzeit traf er auf seinen Freund Manfred Hohenleitner, einen sehr guten Gitarristen, der täglich mit ihm übte und von dem er vieles lernte.

Seine große Leidenschaft allerdings blieb das Turnen. Sehr bald stellten sich auch die Erfolge ein: 1959 war er zum ersten Mal Gaumeister, mehrfach konnte er diesen Erfolg wiederholen, ebenso wie den des schwäbischen Bezirksmeisters. Auch seine spätere Frau Christa, selbst eine gute Turnerin, wurde dadurch auf ihn aufmerksam. Die beiden wurden ein Paar, musizierten sonntags gemeinsam mit Christas Mutter Therese Wenzl im Paartaler Dreigesang.

Deswegen hatte Siegfried Christian dann auch keine Zeit mehr für Fußball. Ein Glück, sagt er im Rückblick – denn Fußballspielen war von den Bewegungsabläufen her Gift fürs Turnen: „Fast vier Tage lang braucht es, bis der Körper wieder geschmeidig genug für die Bewegungen ist, wenn man vorher Fußball spielt“, sagt er. Intensiv stürzte er sich selbst ins Training, wurde A-Trainer und Kampfrichter im Verband. So sah er vor allem seine beiden Töchter Ursula und Doris, die wie er leidenschaftlich gerne turnte, einige Zeit nicht so oft, wie seine Frau bedauert.

Bei den Trachtlern und im Theaterverein aktiv

Doch die aktive Zeit als Turner brachte auch beruflich eine positive Veränderung: Er konnte durch einen Turnerkollegen zu den Lechwerken wechseln. Dort genoss er nicht nur die abwechslungsreiche Arbeit als Hochspannungstechniker, sondern bis heute die Kameradschaft mit den Kollegen. Als seine aktive Turnerzeit zu Ende ging, wurde sein Engagement bei den Bayermünchinger Trachtlern beim Theaterspielen und beim Volkstanz intensiver.

Mit seiner Familie reist er privat, wann immer es geht, im Sommer nach Griechenland und aus musikalischen Gründen ins europäische Ausland und sogar bis nach Japan. Mit 70 Jahren begann er noch das Spielen auf der Tuba zu erlernen. Um sich sportlich fit zu halten, kletterte er nach der aktiven Laufbahn in den Bayerischen Alpen, in Indien oder Frankreich.

In Merching sieht man ihn noch jede Woche beim Boccia-Spielen, er radelt nach wie vor bis in die Stauden oder auch mal mit Tochter Ursula den Jakobsweg. 107 Jahre will er einmal werden, sagt Siegfried Christian. Diese Zahl hat er sich irgendwann einmal in den Kopf gesetzt.

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