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Bodybuilding

26.12.2020

Prittriching: Wenn ein Basketballer zum Bodybuilder wird

Marius Geiger aus Prittriching hat jahrelang Basketball gespielt. Vor einigen Jahren wechselte er zum Bodybuilding und  feierte nun seinen bislang größten Erfolg.
Bild: charlysteiner.at

Plus Schon als Kind war Marius Geiger oft im Kraftraum. Nach einer Pause kehrt der 23-Jährige zum Kraftsport zurück und feiert große Erfolge – kämpft aber auch gegen Vorurteile.

„Bodybuilding ist ein Marathon, kein Sprint.“ Als Bodybuilder muss man Disziplin beweisen, immer wieder den inneren Schweinehund überwinden und nicht nur körperliche, sondern auch mentale Stärke mitbringen – denn sowohl Muskelaufbau als auch Fettabbau brauchen ihre Zeit. Das alles kann der 23-jährige Marius Geiger aus Prittriching. Aber er kennt auch die Vorurteile, die es gegenüber seiner Sportart gibt.

Der Bodybuilder schaffte in diesem Jahr den bisher größten Erfolg seiner Karriere: Bei den internationalen Meisterschaften in Österreich holte er drei Mal Gold bei den Junioren und ein Mal Silber. „Die Silbermedaille war mein größter Erfolg. Die habe ich in der offenen Klasse der Männer, also der höchsten Wettkampfklasse, die an diesem Tag angetreten ist, gewonnen“, blickt er zurück. Und den Erfolg feierte er, obwohl er eigentlich noch zu jung für die Klasse war. „Das war mein letztes Jahr als Junior, also gab es viele Teilnehmer mit mehr Muskeln, aber ich war fettfreier.“

Der Vater hat einen Kraftraum in Prittriching

Schon früh kam der 23-Jährige das erste Mal mit dem Sport in Berührung. „Mein Vater hat bei uns im Dorf selber einen Kraftraum geführt, mit ein paar Hanteln und Geräten. Schon als Kind hat er mich immer mitgenommen und auch selber – nicht wettkampfmäßig, aber als Hobby – Bodybuilding gemacht.“ Richtig mit dem Bodybuilding angefangen hat Geiger mit 19 Jahren. „Davor habe ich lange hochklassig Basketball gespielt. Dann hat sich das Team aufgelöst und ich habe einen anderen Sport gesucht.“

Aber von nichts kommt nichts, das zeigt das Bild des 23-Jährigen beim Training.
Bild: Geiger

Und so kam er zum Krafttraining. „Ich hatte sehr viel abgenommen, nachdem ich ein eher pummeliger Teenager war. Ich kam mir zu dünn vor und wollte Muskulatur aufbauen. So hab ich mich mehr mit dem Thema Bodybuilding befasst, also welche Übungen man machen kann und was man essen sollte, und hab mich im Fitnessstudio angemeldet.“

Sechs Mal in der Woche steht Krafttraining an

Und seitdem zieht er sein Training voll durch: sechs Mal die Woche Krafttraining, dazu kommt vor den Wettkämpfen noch Kardio, um die letzten Fettreserven loszuwerden. „Im Training mache ich eigentlich immer die gleichen Übungen und versuche mich bei denen zu steigern, also zum Beispiel eine Wiederholung mehr oder mehr Gewicht zu schaffen als in der Woche davor“, erklärt der 23-Jährige. „Die freien Kraftübungen sind am effektivsten, also Kniebeugen, Bankdrücken oder Kreuzheben zum Beispiel. Natürlich mit entsprechend viel Gewicht.“

Nach jedem dritten Trainingstag legt Geiger einen Tag Pause ein, denn „der Muskel wächst in der Ruhephase“, erklärt er. Normalerweise trainiert Geiger im cleverfit in Landsberg. Aufgrund des zweiten Lockdowns ist das aber derzeit nicht möglich. „Ein Freund von mir ist so nett und lässt mich bei sich trainieren. Der hat eine kleine Kraftstation im Keller, also eine Multipresse, an der man verschiedene Übungen machen kann. Man hat zwar keine so große Übungsvielfalt, aber kann trotzdem gute Erfolge erzielen.“

Trotz Lockdown geht das Training weiter

Auch sein Trainer Chris Ziller steht dem 23-Jährigen trotz Lockdowns weiter zur Seite. Er ist selbst Bodybuilder und betreibt das Gym26 in Dachau. „Vor Wettkämpfen schicke ich ihm jeden Tag ein Video mit meinen Posen und er gibt mir Feedback und passt eventuell meinen Ernährungsplan an.“

Und dieser Ernährungsplan hat es in sich. „Ab etwa 20 Wochen vor einem Wettkampf bin ich auf Diät. Dann nehme ich nur noch ungefähr 1800 Kalorien am Tag zu mir, also so viel wie eine durchschnittliche Frau.“ Sein Training zieht Geiger aber trotzdem ganz normal weiter durch, um nicht auch Muskelmasse zu verlieren. Erst nach der Wettkampfzeit ist dann auch mal eine Pizza drin.

Bei den Wettkämpfen müssen die Posen stimmen.
Bild: charlysteiner.at

Genau diese Disziplin, die Marius Geiger jeden Tag beweisen muss, fasziniert ihn so am Bodybuilding. „Es gibt keinen anderen Sport, der einen körperlich und geistig so an seine Grenzen bringt. Man lernt sich selbst besser kennen. Und das Tolle ist: Man hat alles selber in der Hand. Man bekommt immer das zurück, was man reinsteckt.“

Geigers sportliches Vorbild ist Chris Bumstead, ein kanadischer Bodybuilder. „Ich habe ein Video von ihm auf Youtube gesehen und mir gedacht: So will ich auch mal aussehen.“ Außerdem sei der Kraftsport für den 23-Jährigen der perfekte Ausgleich zu seinem Job. „Ich arbeite als Heil- und Erziehungspfleger im Behindertenheim in Landsberg. Der Job ist geistig sehr anstrengend und beim Bodybuilding habe ich Zeit für mich.“

Ein Bodybuilder ist nicht automatisch auch ein Macho

Doch das Bodybuilding hat auch manchmal seine Schattenseiten. „Man zweifelt oft an sich selbst. Aber wenn man daran denkt, wie weit man schon gekommen ist, macht man trotzdem weiter.“ Und auch mit Vorurteilen werde man als Bodybuilder häufig konfrontiert, erzählt der 23-Jährige. Wie zum Beispiel, dass alle Bodybuilder Steroide schlucken würden und nur deswegen so viel Muskelmasse aufbauen können. Oder dass alle Bodybuilder an einer Essstörung leiden würden. „Mit einem Bodybuilder wird auch immer ein Macho assoziiert, der sich für was Besseres hält. Wenn man ein bestimmtes Pensum an Muskelmasse erreicht, wird man nur noch darauf reduziert.“ Dabei gehe es Marius Geiger in der Öffentlichkeit nicht um Aufmerksamkeit. „Ich ziehe immer relativ weite Klamotten an, aber man wird trotzdem oft angesprochen“, erzählt er.

Und was macht der 23-Jährige, wenn er nicht gerade arbeitet oder trainiert? „Ich mache gerne was Gestalterisches oder Künstlerisches, also egal, ob das jetzt ein Bild malen oder ein Möbelstück verzieren ist. Nur leider fehlt dafür eben oft die Zeit.“

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