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Landsberg

05.05.2020

Prozess in Landsberg: Geldbußen nach tödlichem Arbeitsunfall

Ein tödlicher Arbeitsunfall wurde jetzt vor dem Amtsgericht in Landsberg verhandelt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Beim Fensterputzen in Landsberg stürzt ein Arbeiter fünf Meter in die Tiefe. Weil er nicht ausreichend geschützt war, landet der Fall vor Gericht.

Es war ein tragischer Arbeitsunfall, der sich Ende August 2018 in Landsberg ereignet hat. Bei der Reinigung eines Fensters im Außenbereich eines Firmengebäudes stürzte ein 45-jähriger Mitarbeiter eines Unternehmens aus München aus über fünf Meter Höhe in die Tiefe. Zwei Tage später erlag er in der Unfallklinik in Murnau seinen Verletzungen. Jetzt wurde der Fall vor dem Amtsgericht in Landsberg verhandelt. Wegen fahrlässiger Tötung waren der 47 Jahre alte Geschäftsführer und ein 64-jähriger Mitarbeiter der Reinigungsfirma aus München angeklagt.

Vor Gericht wurde der Unfallhergang geschildert. Beim Saubermachen einer Außenseite eines Fensters sei der 45-Jährige in über fünf Meter Höhe wohl ausgerutscht, habe ein Plexiglas-Dachelement durchgebrochen und war zunächst auf einen Kunststoffbehälter und schließlich mit dem Kopf voraus auf den Boden gestürzt. Wenn eine konkrete objektbezogene Gefährdungsanalyse erstellt worden wäre, hätte der Mann nicht sterben müssen, sagte Richter Michael Eberle. Und wenn alle im Arbeitsschutzgesetz vorgegebenen Sicherungsmaßnahmen getroffen worden wären. Das dies nicht erfolgt sei, sagte eine Beamter der Kriminalpolizei bei der Beweisaufnahme vor Gericht.

In einem Rechtsgespräch wird man sich einig

Die beiden Angeklagten kamen mit drei Anwälten nach Landsberg, sagten aber in der Sache nicht aus. Trotzdem wurde viel gesprochen. Zunächst allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn kaum hatte Staatsanwalt Benjamin Junghans die Anklage verlesen, bat Rechtsanwalt Werner Kränzlein – er verteidigte den 47-Jährigen – um ein Rechtsgespräch. Das dauerte 45 Minuten. Beteiligt waren Richter Michael Eberle, die drei Rechtsanwälte, der Staatsanwalt und mitunter auch die beiden Angeklagten. Die Einigung unterschied sich vom Strafbefehl, der den beiden Angeklagten zugegangen war.

Richter Eberle sprach von unterschiedlichen Interessen, die bei dem Unfall aufeinander getroffen seien. Zum einen die wirtschaftliche Seite aus Sicht des Unternehmens, zum anderen der Arbeitsschutz, der in diesem Fall wohl ziemlich vernachlässigt wurde. Der Vorsitzende sagte, er gehe davon aus, dass das Unternehmen mittlerweile alles in die Wege geleitet hat, um ein solches Unglück künftig zu vermeiden. Eberle zufolge habe die Firma, auf deren Gelände der tödliche Unfall sich ereignet hatte, den Angehörigen des Verunglückten von sich aus 10.000 Euro übergeben.

Beide Angeklagte räumen eine gewisse Schuld ein

Weitere 20.000 Euro wird der Geschäftsführer der Reinigungsfirma bis Ende Mai überweisen. Zusätzlich muss er 5000 Euro, so die Auflage des Gerichts, in die Staatskasse einzahlen. Dabei handelt es sich um eine Einstellung des Verfahrens mit einer Geldbuße. Der Mitangeklagte, der sich mittlerweile in der Rente befindet, wurde zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Die Kosten des Verfahrens muss er ebenfalls übernehmen. Beide Männer haben, so die Meinung des Gerichts und des Staatsanwalts, eine gewisse Schuld eingeräumt. Das Urteil haben sie jedenfalls angenommen.

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