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Landsberg

03.07.2020

Prozess in Landsberg: Hat der Sohn die Mutter überwacht?

Hat ein Mann seine Mutter mit einer Kamera überwacht? Darüber wurde jetzt am Amtsgericht in Landsberg verhandelt.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Plus Ein Familienstreit landet vor dem Landsberger Amtsgericht. Der Angeklagte darf das Haus der Mutter eigentlich nicht betreten. Dort soll er eine Videokamera installiert haben.

Ein 56-jähriger Mann soll in der Wohnung seiner fast 90-jährigen Mutter eine Überwachungskamera mit VAG-Anschluss eingebaut haben, mit der Videos und Gespräche aufgezeichnet werden können. Hierfür hatte er vonseiten der Familie, die mit ihm seit Langem im Clinch liegt, keine Erlaubnis. Jetzt musste sich der Mann vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten – wegen der „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“.

Vor allem störte sich das Gericht daran, dass der Mann ein Telefongespräch der schwerkranken Mutter – sie erlitt 2011 einen Schlaganfall – abgehört haben soll. Hierzu gibt es zwei Versionen: Eine vom Angeklagten, und eine zweite vom nahezu 81-jährigen Bruder der Frau. Auf einem Video, das dem Gericht in der Verhandlung nicht vorlag, ist eine der beiden Varianten festgehalten worden. Welche? Das wird sich am Montag, 20. Juli, um 15 Uhr zeigen: Da wird die unterbrochene Verhandlung mit dem von allen Beteiligten mit Spannung erwarteten Video fortgesetzt.

Spontan den Notrufknopf gedrückt

Folgendes steht im Raum: Der Neffe des Bruders will gehört haben, dass die Frau in ihrem Haus in Landsberg gestürzt sein und den Notruf betätigt haben soll. Deswegen sei er über ihr Grundstück in ihr Haus gelaufen und habe ihr aufgeholfen. Zusammen hätten sie auf den Pflegedienst gewartet. Richter Michael Eberle und Staatsanwältin Julia Ehlert sind jedoch anderer Meinung – aufgrund der Ermittlungen der Polizei, und anhand der Angaben des 80-Jährigen und seiner Schwester. Das Sprachvermögen der gesundheitlich schwer angeschlagenen Frau soll stark eingeschränkt gewesen sein. Bekannt wurde vor Gericht, dass sie wegen des überraschenden Besuchs derart erschrocken sein soll, dass sie spontan den Notrufknopf gedrückt habe.

Prozess in Landsberg: Hat der Sohn die Mutter überwacht?

Dem 56-Jährigen war lange vorher der Zutritt zu Grundstück und Haus der Mutter verboten worden, und zwar von ihrem Bruder. Dieser sagte als Zeuge und als Vorsorge-Bevollmächtigter sowie als Verfügungsberechtigter aus. Beide Aufgaben nimmt er nach seinen Worten seit 2002 wahr. Zur Verhandlung war er extra aus Darmstadt angereist. Seine Schwester befindet sich dort in einem Pflegeheim.

Ein langer Leidensweg

Einfühlsam beschrieb der Mann ihren Leidensweg. Dieser führte nach dem Schlaganfall 2011 vom Klinikum Landsberg in ein Klinikum nach München. Und dann über ein Pflegeheim in der Landeshauptstadt München wieder zurück in ihr Haus in Landsberg – bis Oktober 2019. Bei der Rückkehr habe sie kaum sprechen können, berichtete der Bruder. Er habe jedoch bemerkt, dass sie sich bei der Rückkehr in ihr vertrautes Haus sehr gefreut habe. Offen blieb, wann sein Neffe die Überwachungskamera installiert hat. Warum er das gemacht hat, blieb ebenfalls ein Rätsel.

Bekannt ist hingegen, dass der Mann am 3. Januar 2019 Grundstück und Haus seiner Mutter verbotenerweise betreten hat und deswegen vom Amtsgericht Landsberg wegen „Hausfriedensbruch“ zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Dagegen legte der 56-Jährige Berufung beim Landgericht Augsburg ein. Hängen blieb für ihn eine Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro. Anwalt Felix Dimpfl brachte für seinen Mandanten in der Verhandlung zwischenzeitlich eine Einstellung des Verfahrens ins Gespräch. Bei Richter und Staatsanwältin kam er damit nicht durch. Am 20. Juli wird weitverhandelt.

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