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Landsberg

12.09.2019

Prozess in Landsberg: Mann muss nach Alkoholfahrt hinter Gitter

Ein 56-Jähriger saß zum wiederholten Mal betrunken am Steuer. Jetzt muss er ein Jahr hinter Gitter. Sein Führerschein wird weiter einbehalten. 
Bild: Bernd Hohlen (Symbolfoto)

Der Angeklagte fährt in Schlangenlinien durch Geltendorf. Dabei richtet er einigen Schaden an. Warum er seinen Führerschein nicht so schnell wieder bekommt.

In Schlangenlinien ist ein alkoholisierter 56 Jahre alter Mann mit seinem Auto an einem April-Abend kreuz und quer durch Geltendorf gefahren. Dabei touchierte sein Wagen ein Auto, ein Mülltonnen-Häuschen und einen Zaun. Sachschaden: rund 7000 Euro. Vor dem Amtsgericht in Landsberg musste er sich jetzt wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs mit vorsätzlicher Trunkenheit und Unfallflucht verantworten. Das Urteil von Richter Alexander Kessler: Der Mann muss ein Jahr hinter Gitter und weitere 24 Monate auf seinen Führerschein verzichten.

Vor der Autofahrt gab es Streit

Bevor sich der Angeklagte betrunken ans Steuer gesetzt hatte, habe es zwischen den Eheleuten einen Streit gegeben, wie in der Verhandlung deutlich wurde: Die Frau sagte aus, geschlagen worden zu sein. Der Angeklagte gab an, dass er massiv provoziert worden sei. Die Frau holte damals einen 53-jährigen Nachbarn zur Hilfe. Ihr Mann verließ mit einem Rucksack auf dem Rücken das gemeinsame Heim. Als er gegen 19 Uhr zurückkehrte, soll er ziemlich betrunken gewesen sein, so der Eindruck des Nachbarn. Er sagte vor Gericht als Zeuge aus und berichtete, dass er den 56-Jährigen am Wegfahren hindern wollte. Das sei leider nicht gelungen.

Der Nachbar folgte dem Betrunkenen gemeinsam mit einem anderen Nachbarn, einem Polizisten, im eigenen Auto in einigem Abstand. Geschätzt seien es an die sechs Kilometer gewesen, so der Zeuge. In der Nähe des Bürgerhauses konnten die Verfolger den „Schlangenlinien-Kurs“ des Mannes stoppen: Sie parkten seinen Pkw geschickt zu. Trotzdem dauerte es geraume Zeit, bis er den Autoschlüssel heraus rückte, wie es in der Verhandlung hieß. Fast zeitgleich traf die zu Hilfe gerufene Polizeistreife ein.

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Das Alkoholproblem nicht ernsthaft bekämpft

Richter Alexander Kessler lobte die Courage der beiden Nachbarn, die durch ihren Einsatz möglicherweise verhindert hätten, dass Menschen zu Schaden kamen. Tadel gab es für den Angeklagten: Er habe es nicht für nötig gehalten, nach dem Vorfall sein „Riesenproblem“, den Alkohol, ernsthaft zu bekämpfen. Ein paar Gespräche bei der Caritas und zwei Wochen Entgiftung in der Klinik, die er ins Feld geführt hatte, waren für Kessler „lediglich etwas mehr als gar nichts“. Längst hätte der Angeklagte die Weichen für eine stationäre Therapie stellen müssen. Denn nur die könne ihm noch helfen, so der Richter. Er hatte den Mann im Februar vergangenen Jahres wegen eines ähnlich gelagerten Falls, zu einer mehrjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Am Nachmittag eine Flasche Whisky geleert?

Trotzdem bat der geständige Angeklagte um eine zweite Chance, sprich um eine zweite Bewährung. Vergebens: „Die werden Sie in dieser Situation von keinem einzigen Richter in Deutschland bekommen, auch von mir nicht“, sagte Alexander Kessler. Eine Bewährung kam auch für Staatsanwältin Gudrun Wagner nicht infrage. Sie geht davon aus, dass der Mann am Tattag bereits mittags stark angetrunken war, und nicht erst am Nachmittag eine Flasche Whiskey geleert habe, wie er aussagte. Am Tatabend waren bei dem Mann 56-Jährigen 1,87 Promille gemessen worden. Die Staatsanwältin beantragte ein Jahr und vier Monate Haft. Und plädierte dafür, die Fahrerlaubnis für weitere 24 Monate zu entziehen. Verteidigerin Rechtsanwältin Alexandra Fuchs meinte dagegen, dass Bemühungen ihres Mandanten, dem Alkohol abzuschwören, nicht so gering seien, wie im Sitzungssaal angesprochen worden war.

Bei dem Paar, das seit anderthalb Jahren einen Sohn hat, läuft die Scheidung: „Wir leben getrennt“, berichtete der Mann. Dies allerdings noch in einer gemeinsamen Dreizimmer-Wohnung. Er sei jedoch auf der Suche nach einem anderen Domizil, so der Angeklagte.

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