1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Prozess in Landsberg: Prügel für Chat mit der Cousine

Landsberg

18.10.2019

Prozess in Landsberg: Prügel für Chat mit der Cousine

Amtsgericht Landsberg Symbolbild Gericht Landsberg
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Zwei Schläger müssen sich in Landsberg vor Gericht verantworten. Was im Dezember 2018 bei einer Sporthalle im westlichen Landkreis geschah.

Ein junger Mann unterhält sich per Whats-App mit einem Teenager – und kassiert dafür Prügel. So lässt sich vereinfacht darstellen, was vor dem Amtsgericht in Landsberg verhandelt wurde: Der 24-Jährige hatte mit einem damals 15-jährigen Mädchen über Wochen hinweg Whats-App-Nachrichten ausgetauscht. Das missfiel dem 27-jährigen Cousin des Mädchens.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Dieser rief den Jüngeren an und vereinbarte mit ihm spontan für den späten Abend des 1. Dezember 2018 ein Gespräch nahe einer Sporthalle in einer Gemeinde im südwestlichen Landkreis. Die beiden Männer kannten sich und der 24-Jährige folgte dieser Einladung. Statt eines Gesprächs wurde er jedoch verprügelt. Er kam mit erheblichen Verletzungen ins Klinikum und musste dort fünf Tage bleiben.

Sie kamen zu zweit

Wie in der Hauptverhandlung angesprochen wurde, hatte ihn der 27-Jährige ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Beteiligt an der Tat war auch ein 28-jähriger Mann. Er soll dem Opfer fünf Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn zwei Mal kräftig mit den Füßen getreten haben.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

In der Verhandlung räumten die zwei Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Taten ein – und entschuldigten sich bei den Opfern. Das waren zwei: Der erheblich geschädigte 24-Jährige, der als Nebenkläger auftrat, und von Rechtsanwalt Joachim Feller unterstützt wurde, sowie ein weiterer Zeuge der handfesten Auseinandersetzung, der dazwischen gegangen war. Und vom 27-Jährigen ein paar Schläge abbekam.

Im Wesentlichen hat es jedoch den 24-jährigen Chatter erwischt: Auf dem linken Auge konnte er monatelang nur noch verschwommen sehen. Bis vor Kurzem plagten ihn nach eigenen Angaben Schlafstörungen, Angstzustände und heftige Kopfschmerzen. Ein abgebrochener Backenzahn und eine Schädelprellung waren damals festgestellt worden.

Beide bekommen eine Bewährungsstrafe

Beide Schläger wurden von Richter Michael Eberle wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einem Jahr Haft verurteilt. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dass die beiden Angeklagten nicht geplant hatten, den Mann „plattzumachen“, das nahm ihnen der Vorsitzende nicht ab. Nach seinen Worten gab es überhaupt keinen Grund für eine solche „Überreaktion“. Denn der Inhalt der Chats sei harmlos gewesen, so Richter Eberle.

Der Hinweis, dass sich die zwei Männer nach der Tat beim Onkel des Hauptgeschädigten entschuldigen wollten, hielt der Richter für nicht glaubhaft. Im Gegenteil: Sie sollen davon gesprochen haben, dass der Mann die Schläge gebraucht habe. Bei dem Gespräch mit dem Onkel soll es ihnen darum gegangen sein, eine Strafanzeige bei der Polizei zu verhindern, so die Auffassung des Gerichts.

Nebenklagevertreter Feller brachte als Täter-Opfer-Ausgleich eine Summe von 4000 Euro ins Gespräch: Demnach haben beide je 2000 Euro in 200-Euro-Monatsraten zu entrichten. Allerdings muss diese Regelung nicht endgültig sein, wenn sich noch weitere Schmerzensgeld- beziehungsweise Schadenersatzforderungen ergeben sollten, hieß es.

„Wir sind keine Kriminellen“

Zur Bewährungsstrafe kommen bei den zwei Beschuldigten Auflagen hinzu: Beim 27-Jährigen sind das 2000 Euro an die Drogenhilfe Schwaben, beim Älteren der beiden 180 Sozialstunden. Die Vertreterin der Anklage hatte für den 28-jährigen Mittäter der Schlägerei ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung gefordert. Und für den Initiator ein Jahr und neun Monate mit Bewährung. Die Verteidiger plädierten für Bewährungsstrafen für ihre Mandanten.

Der 27-jährige Initiator der Schlägerei sprach bei seinem "letzten Wort", das ihm eingeräumt wurde, davon, dass der Mitangeklagte und er „keine Kriminellen und keine Verbrecher" seien. Für ihn seien es „unglückliche fünf Minuten“ in seinem Leben gewesen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren