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Landsberg

22.07.2020

Prozess in Landsberg: Streit wegen lauter Koran-Verse

Weil sein Zimmernachbar zu laut Koran-Verse abgespielt hat, hat ihn ein 35-Jähriger aus Nigeria beleidigt, geschubst und getreten.
Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Plus Ein Asylbewerber geht in Landsberg auf seinen Zimmernachbarn los. Dafür wird er jetzt verurteilt.

„Nein. Das ist nicht richtig, was da vorgelesen wurde.“ Das sagte ein 35-jähriger Asylbewerber aus Nigeria, nachdem Staatsanwältin Julia Ehlert die Anklage in der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Landsberg vorgelesen hatte. Der vorsitzende Richter Michael Eberle glaubte der Anklageschrift weitgehend und verhängte eine Geldstrafe wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung.

Die Straftaten hatten sich im Mai in einer Asylbewerberunterkunft in Landsberg ereignet. Dort teilte sich der Angeklagte mit einem anderen Mann ein Zimmer. Die Männer gerieten in Streit. Nicht nur verbal. Den Angeklagten, der am Morgen gerne länger schläft, störte das Verhalten seines 26-jährigen Mitbewohners aus Sierra Leone. Nach seinen Worten soll er beim Waschen der Füße Koran-Verse abgespielt haben. Dem Zimmerkollegen war das zu laut. Er beschwerte sich bei ihm. Der wiederum kritisierte, dass er mit der „amerikanischen Sex-Musik“, die der 35-Jährige sich anhöre, überhaupt nichts anfangen könne. Im Übrigen halte er sich an die „Regeln“, die im Fastenmonat Ramadan gelten würden.

Geschubst und getreten

Bei dem Hin und Her kamen die beiden Männer auf keinen „grünen Zweig“. Im Gegenteil: Die Auseinandersetzung eskalierte. Dabei soll der Angeklagte den anderen Mann mit deftigen Ausdrücken und Drohungen beleidigt haben: „Du Bastard“ und „Ich werde dich abstechen“ sollen unter anderem gefallen sein. Er soll ihn schließlich mehrmals geschubst und gegen die Beine getreten haben. Verletzungen habe es nicht gegeben. Aber Schmerzen, die der Zimmernachbar eine Zeit lang aushalten musste.

Telefonisch habe er versucht, Hilfe zu holen, sagte der Zeuge. Beim Landratsamt, und dann noch bei der Polizei. Einer der Polizisten, die vor Ort waren, sagte als Zeuge vor Gericht aus. Demnach soll sich der Angeklagte bei seinem Eintreffen ziemlich aggressiv verhalten haben. Ein vernünftiges Gespräch mit ihm sei nicht möglich gewesen.

Antrag auf Asyl wurde abgelehnt

Bekannt wurde vor Gericht, dass der 35-Jährige seit 2016 in Deutschland lebt. Im Bundeszentralregister wurden bisher drei Straftaten von ihm festgeschrieben: ein Diebstahl, eine versuchte Erpressung und einmal das Erschleichen von Leistungen. Sein Antrag auf Asyl ist abgelehnt worden. Er klagt dagegen. Richter Michael Eberle verurteilte den Mann wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung – die versuchte Nötigung wurde fallengelassen – zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die Staatsanwältin hatte die gleiche Summe beantragt.

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