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Landsberg

08.07.2020

Prozess in Landsberg: Zeugin verschweigt wichtige Details

Ein 35 Jahre alter Mann soll seine Ehefrau zwei Mal verletzt haben. Deswegen muss er sich vor dem Amtsgericht in Landsberg verantworten.
Bild: Anne Wall (Symbolfoto)

Plus Vor dem Amtsgericht in Landsberg ist ein Mann angeklagt, der seine Frau zwei Mal verletzt haben soll. Im Gutachten einer Sozialpädagogin über die Familie steht davon nichts.

Hat eine Sozialpädagogin einem 35-jährigen Mann, der wegen zwei tätlichen Angriffen auf seine Ehefrau im November 2019 und Januar 2020 angeklagt war, ein Gefälligkeitsgutachten erstellt? Der Landsberger Amtsrichter Michael Eberle ist davon überzeugt. Denn in ihrer Stellungnahme zu den beiden Vorfällen für das Gericht im Juni dieses Jahres habe sie mit keinem einzigen Wort erwähnt, dass der Mann seine Frau geschlagen und ihr ein blaues Auge zugefügt habe.

„Warum haben Sie das verschwiegen und nicht in das Papier reingeschrieben?“, fragte der Vorsitzende die Zeugin. „Hat sie jemand aufgefordert, das anders zu schreiben?“ „Da muss ich nachdenken“, sagte die Sozialpädagogin, die sich zunächst etwas verlegen in der Runde umschaute. Und schließlich sagte, dass der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Helge Müller-Roden, auch eine Stellungnahme von ihr angefordert habe. Der Anwalt hält den Ausdruck „Gefälligkeitsgutachten“ für überzogen. Er wies darauf hin, dass sich das Ehepaar immer wieder mal gegenseitig beschuldigt habe.

Streit ums Haushaltsgeld

Was hat sich ereignet? Im Gegensatz zur Anklageschrift will der 35-jährige Mann aus Sierra Leone in einem Fall lediglich versucht haben, seine Frau zu beruhigen. Er habe sie nicht verletzen, sondern vielmehr besänftigen wollen. Versehentlich habe er ihr bei einem Gerangel dann ein blaues Auge zugefügt. Wesentlich heftiger seien die beiden ein paar Monate später aneinander geraten. Da habe es mehrere Streitpunkte gegeben: Er habe moniert, dass vom Haushaltsgeld, das er ihr gebe, schon zur Monatsmitte nichts mehr übrig sei. Das sei nicht wenig, sondern die gesamte Summe, die er als Haushaltshelfer verdiene.

Als weiteres Reizthema führte der Mann ins Feld, dass seine Frau drei Tage hintereinander ihn und die vier gemeinsamen Kinder im Alter von 15, zehn, sechs und vier Jahren alleine gelassen habe. Er wollte wissen, warum, habe aber keine Antwort bekommen. Diese Frage habe seine Frau auf die Palme gebracht. Es habe wieder Krach gegeben. Um zu verhindern, dass sich die Frau wieder aus dem Staub macht, habe er sie zu Hause eingeschlossen. Ungefähr eine halbe Stunde lang, wie der Mann vor Gericht sagte.

In den Arm gebissen

Noch am Abend des gleichen Tages soll die Ehefrau gar mit einer Eisenstange auf ihn losgegangen sein, und ihn in den Arm gebissen haben. Wo sie die Stange hergebracht habe, wusste der Mann nicht. Auch dieses Mal will er sich lediglich verteidigt und nicht angegriffen haben.

Und was meinte die Sozialpädagogin als Zeugin im Gerichtssaal dazu? Wörtlich sagte sie: „Das ist doch die harmonischste Familie, die es überhaupt gibt.“ Dabei geht das Ehepaar seit Februar getrennte Wege. Der Ehemann will nur wegen der Kinder weiterhin in Deutschland bleiben. Wie bekannt wurde, geht die Sozialpädagogin bei der Familie seit fünf Jahren ein und aus und betreut sie. Trotzdem will sie bis vor einigen Monaten nichts davon gewusst haben, dass das Zusammenleben der beiden hinten und vorne nicht mehr geklappt hat.

Die Verhandlung unterbrochen

Vermisst wurde in der Verhandlung vor dem Landsberger Amtsgericht die Frau des Angeklagten. Das Coronavirus hat ihr Kommen verhindert. Denn die Geschädigte befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Deswegen wurde die Hauptverhandlung unterbrochen. Und die Fortsetzung mit der Befragung der Frau und den beiden älteren Kindern auf Donnerstag, 16. Juli, festgesetzt.

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