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Landsberg

29.04.2019

Psychiatrie: Die meisten kommen freiwillig

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Am Klinikum Landsberg ist eine psychiatrische Tagesklinik angesiedelt.
Bild: Thorsten Jordan

Zu Besuch in der Landsberger Psychiatrie: Acht Prozent der Patienten kommen zwangsweise in den vollstationären Bereich. Den Aufenthalt muss ein Gericht bestätigen.

Es geschieht immer wieder, dass die Psychiatrie in die Schlagzeilen gerät. Mal ist es der Fall Mollath – ein zu Unrecht in einer forensischen Anstalt Untergebrachter –, mal der Fall eines suizidalen German-Wings-Piloten, der 2015 sein Flugzeug samt 150 Passagieren an einem Berg zerschellen ließ. Oder der Undercover-Bericht von Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, der „Time-Out“-Räume, Zwangsmedikamentierung und Fixierung in verschiedenen Kliniken aufzeigte. Das LT hat sich mit der Leitung der kbo Lech-Mangfall-Klinik Landsberg (kbo–LMK), die sich beim Klinikum Landsberg befindet, unterhalten.

Der ärztliche Direktor, Dr. Robert Kuhlmann, thematisiert beim Pressetermin die sich widersprechenden Vorurteile gegenüber der Psychiatrie – mal wird Wegsperren und Ruhigstellen zum Vorwurf gemacht, mal der zu laxe Umgang mit psychisch Kranken, die gefährlich werden könnten. In Landsberg blickt die klinische Behandlung von psychisch Kranken auf ein 20-jähriges Bestehen zurück: 1999 wurde am Danziger Platz eine Tagesklinik eröffnet. Ein Anlass, die kbo-Lech-Mangfall-Klinik Landsberg und ihre Arbeit vorzustellen.

Es gibt zwei geschlossene Abteilungen

Eines ist Robert Kuhlmann und dem Geschäftsführer der kbo-LM-Kliniken, Gerald Niedermeier, wichtig: Es gibt zwar zwei geschlossene Abteilungen in der psychiatrischen Klinik im fünften Stock des Landsberger Klinikums. Die hiesige Einrichtung ist aber von einer Forensik zu unterscheiden, einer Klinik für psychisch oder suchtkranke Straftäter, die verurteilt wurden.

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Wer sich in Landsberg behandeln lässt, sucht ärztliche Hilfe in seiner Manie, Depression, Schizophrenie oder akuten Lebenskrise. „Wir sind eine Klinik für alle Diagnosen“, sagt Kuhlmann. Der Großteil kommt freiwillig und der therapeutische Ansatz ist zuerst, den Patienten ambulant oder in der Tagesklinik zu behandeln. Das heißt, es wird – wenn möglich – versucht, einen psychisch Kranken in seinem Umfeld zu belassen, es sei denn, dies ist kontraproduktiv für seine Genesung. Erst als letzter Schritt erfolgt die vollstationäre Aufnahme. Zwei Kriterien machen dies jedoch immer nötig, wie Kuhlmann erläutert: Selbst- und Fremdgefährdung. Anders als vielleicht in der Öffentlichkeit vermutet, kommen die meisten Patienten freiwillig auch in die vollstationäre Behandlung, beispielsweise auf Rat von Hausärzten oder Verwandten: „Nur acht Prozent kommen über einen richterlichen Beschluss oder mit der Polizei.“

Wer freiwillig kommt, darf auch freiwillig wieder gehen

Wer freiwillig komme, könne auch freiwillig wieder gehen, sagt Niedermeier. Nur wer psychisch so krank ist, dass keine Entscheidungsfähigkeit mehr vorliegt, kann laut Kuhlmann zwölf Stunden dabehalten werden, dann muss aber ein Gericht nach dem Bayerischem Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz oder das Betreuungsgericht entscheiden. Zur Therapie gehören neben Medikamenten auch Gespräche und andere Formen, wie Kunst-, Ergo- oder auch Musiktherapie. Eine Zwangsmedikamentierung sei nur über einen richterlichen Beschluss möglich, erläutern Niedermeier und Kuhlmann „Bei der Diagnose suizidal muss man aber eingreifen, um zu retten“, so Kuhlmann.

Manchmal müssen Patienten auch fixiert werden, als kurzfristige Notfallmaßnahme, „wenn Personal oder Mitpatienten gefährdet werden.“ Zumeist kommt es laut Kuhlmann dazu, wenn Alkohol und Drogen im Spiel sind. „Wir bemühen uns aber, dies durch Einzelbetreuung zu vermeiden“, sagt Kuhlman und Niedermeier fügt an, dass es der letzte Ausweg sei und geschultes Personal versuche, die Aggressivität runter zu bringen.

Den Kranken werden Bezugspersonen zugeteilt

Grundsätzlich spielen die Pflegekräfte eine wichtige Rolle, und zwar im Rahmen der sogenannten Bezugspflege: Jedem Kranken ist eine Pflegeperson zugeordnet. „Themen, die nicht akut sind, werden mit dieser Bezugsperson durchgesprochen“, erläutert Pflegedirektorin Heidi Damböck. Bei Patienten, die beispielsweise ein Problem damit hätten nach draußen zu gehen, übe dies die Pflegeperson mit dem Kranken. „Wir haben keinen Time-Out-Raum“, berichtet Heidi Damböck, also keine Zelle, in der Einzelne separiert werden, um runterzukommen.

Die Zwei-Bett-Zimmer mit einer Nasszelle und Fenster seien mit anderen Krankenhauszimmern vergleichbar. Hinsichtlich der Bettenzahl ist Kuhlmann zufrieden: „Wir haben 100 Prozent Belegung.“ Vereinzelt könne es auch zu einer Situation wie im Wallraff-Bericht kommen: zu Betten auf dem Gang. „Wir haben eine Aufnahmeverpflichtung für den Landkreis Landsberg und einen Teil des Landkreises Weilheim-Schongau.“

Wer selbst in der Psychiatrie in Landsberg war, ist offensichtlich zumeist zufrieden mit dem dort Geleisteten. „80 Prozent würden die kbo-LMK Landsberg weiterempfehlen“, zitiert Robert Kuhlmann aus einer Studie.

Lesen Sie auch den Kommentar: Psychische Krankheiten: Kein Stigma, sondern eine Krankheit wie viele andere

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