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Landsberg

27.04.2015

Punk-Vivaldi bei Redl-Karton

Volles Haus bei Redl-Karton: Das Konzert in Landsberg war ausverkauft und die Stimmung hervorragend.
Bild: Julian Leitenstorfer

Alessandro Quarta sorgte für ein furioses Abschlusskonzert.

Es bedurfte gerade mal zehn Tage und vier Konzerte in Eresing, Bad Wörishofen sowie zwei Mal in Landsberg, dass der italienische Star-Violinist Alessandro Quarta die Herzen der Region erobert hat. Blicken wir zurück: Der Mann mit dem markanten Kahlkopf, den mächtigen Oberarmen und der stetig präsenten Guadagnini aus dem Jahr 1761, mit der Quarta bei jedem Gig lässig auf die Bühne stapft, hat vor Hunderten Besuchern bei seinen Konzerten für Begeisterungsstürme gesorgt. Er spielte, mal mit vierköpfiger Band, mal Solo, in so unterschiedlichen Lokalitäten wie dem rustikalen „Alten Wirt” in Eresing, der ehrwürdigen Landsberger „Christuskirche”, im schnieken „Kurtheater” in Bad Wörishofen und am Sonntag zu guter Letzt anlässlich der Aktion „Kunst trifft Karton” in der Fertigungshalle von „Karton Redl”, einem renommierten Mittelstands-Unternehmen, in der an Werktagen schnöde Kartons und Wellpappe verarbeitet werden.

Die Umgebung ist jedenfalls ungewöhnlich für das Konzert eines Mannes, der als „Punk-Vivaldi” ein Begriff ist, der fulminant – an jenem Sonntagabend mit gut eingespielter vierköpfiger Band, die aus Gitarrist, Bassist, Keyboarder und Schlagzeuger besteht – so unterschiedliche Stilrichtungen wie Tango, Zigeuner-Swing, Blues, Jazz, Rock und natürlich Klassik, die der Italiener studiert hat, virtuos zusammen bringt. Alessandro Quarta wirkt vollkommen entspannt, als er mit seiner geliebten Geige durch den Mittelgang der bestuhlten, voll besetzten Fabrikhalle schreitet, stur auf die Bühne zu, wo ganz offensichtlich sein Platz im Leben ist.

Im Vergleich zum Debüt-Auftritt in Eresing zehn Tage zuvor, stimmt dieses Mal die Akustik von Beginn an, der Klang ist satt. Und auch das Zusammenspiel der fünf Musiker auf der Bühne ist von einem derartigen Wohlklang beseelt, dass es den Zuhörer bei all der wuchtigen Harmonie gelegentlich erschaudern lässt. Herrliche Nostalgie macht sich auf den Rängen breit, wenn sich Quarta und Mitstreiter irgendwo zwischen Astor Piazzolla, Antonio Vivaldi, Led Zeppelin oder Django Reinhardt austoben und tummeln. Stets gekonnt, stets obsessiv. Und über all dem Geschehen erhebt sich die Zauber-Geige von Quarta, die einen gerne mal in ein wundersames Paradies entführen kann. Ausgerechnet in einer Lagerhalle erheben sich die Töne jenes Maestros aus Süditalien gen Himmel.

Im letzten Teil des insgesamt gut dreistündigen Auftritts legt Quarta richtig los, wie er es zuvor dem Publikum versprochen hatte (übrigens dank wiederkehrender Kurz-Interviews auf der Bühne, die von einer emsigen Übersetzerin aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen werden): „Jetzt wird gerockt”, sagt der Punk-Vivaldi schmunzelnd. Und so war es auch: heftiger Blues-Rock, wilde Improvisation, zusammengehalten von einer herrlich-wüst gespielten Geige. Es groovt mächtig, das Publikum gerät in Rage. Was für ein Sonntagabend mitten im Industrieviertel.

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