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Landkreis Landsberg

14.06.2018

Quertreiber oder Opfer eines Komplotts?

Was vor fast sieben Jahren an einem Stammtisch in einer Sportgaststätte im Landkreis passierte, beschäftigt momentan das Landgericht in Augsburg. Ein Mann kämpft dabei um seinen Ruf.
Bild: Matthias Becker/Archiv

Vor dem Landgericht in Augsburg kämpft ein Mann aus dem Landkreis Landsberg um seinen guten Ruf. Anlass ist ein Rauswurf aus einem Sportheim.

Der Angeklagte sieht sich als Opfer eines großen Komplotts, andere sehen in ihm einen notorischen Quertreiber. Mit allen juristischen Mitteln will ein mittlerweile 63-jähriger Mann aus dem Landkreis Landsberg seinen guten Ruf retten. Derzeit sitzt die Strafkammer des Augsburger Landgerichts über seinen Fall zur Beratung – es ist nicht das erste Verfahren in dieser Sache. Weil der Angeklagte mit einer Vorverurteilung des Augsburger Amtsgerichtes wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 50 Euro nicht einverstanden war, ging es jetzt in die nächste Instanz. Hier strebt der Mann einen Freispruch an.

Der Vereinsvorsitzende hatte ein Hausverbot erteilt

Seit über 20 Jahren, das zeigte bereits der erste Prozesstag vor der Strafkammer von Richterin Maiko Hartmann, liegt etwas im Verhältnis des 63-Jährigen zu seiner Heimatgemeinde im Argen. Es begann mit Grundstücks- und Bauangelegenheiten. Der Gipfel der Unstimmigkeiten war ein Vorfall an einem Sonntagabend im Juli 2011. Wie für ihn üblich, ging da der 63-Jährige in die örtliche Sportgaststätte, um mit anderen Gästen am Stammtisch zu diskutieren. Dort angekommen, habe der Vereinsvorsitzende und damalige Gastwirt auf einem zuvor von ihm ausgesprochenen Hausverbot bestanden und den Angeklagten heimgeschickt. Weil der nicht ging, wurde die Polizei gerufen, die den Mann hinausbefördern sollte.

Was dabei genau passierte, ist einmal mehr Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Ein heute 39-jähriger Polizist habe ihm den Stuhl unter dem Hintern weggezogen, sodass er auf den Boden fiel und sich verletzte, schilderte der Angeklagte. Sodann habe ihn der Polizist am Hemdkragen gepackt, diesen umgedreht und ihn dadurch gewürgt. Rund drei Jahre später erhob er in dieser Angelegenheit eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizisten. Die Ermittlungen gegen den Beamten sind inzwischen eingestellt, allerdings folgte das noch laufende Verfahren wegen falscher Verdächtigung gegen den Angeklagten.

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Alle Zeugen und Beteiligten jenes Abends, die am ersten Verhandlungstag vernommen wurden, haben manches anders gesehen als der Angeklagte. Beginnend damit, dass alle Befragten von einem Einschreiten von zwei männlichen Polizisten sprachen. Der Angeklagte hingegen will neben dem Beamten, der ihn gepackt hatte, eine junge blonde Polizistin erlebt haben. Auch das Würgen mit dem Hemdkragen konnte keiner der Zeugen bestätigen.

Dinge, die nicht gesagt gehören...

Nicht bestätigt hat die Wahrnehmung des Angeklagten ein 79-jähriger Besucher des Stammtisches, der direkt neben dem Mann gesessen hatte. Der Zeuge berichtete dem Gericht, dass der Angeklagte aufgrund diverser öffentlicher Schreiben an den gemeindlichen Anschlagtafeln und später im Internet nicht beliebt sei im Ort. Wer Dinge falsch darstelle oder Dinge darstelle, die nicht gesagt gehörten, brauche sich nicht zu wundern, dass es kein Mitleid für ihn gab. Auch der damalige Vereinsvorsitzende wollte keine übertriebene Gewaltanwendung gegen den Angeklagten beobachtet haben. Der Zeuge attestierte seinem ehemaligen Klassenkameraden, seit Jahren ein „notorischer Quertreiber“ zu sein.

Der Angeklagte wollte die aus seiner Sicht gelogenen Aussagen der Zeugen überprüft wissen, indem er verlangte, diese unter Eid zu stellen. Das jedoch wies Richterin Hartmann ab, da die jeweiligen Aussagen nicht das einzige und allein entscheidende Beweismittel seien.

Die Verhandlung wird fortgesetzt

Die Verhandlung wird am Freitag, 22. Juni, fortgesetzt. Dann könnte laut Verteidigung unter anderem ein Zeuge zu Wort kommen, der möglicherweise die Version des Angeklagten von einer weiblichen Polizistin am Einsatzort bestätigt.

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