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Wiedervernässung Ampermoos

04.07.2013

„Rasso-Fälle“: Feuertaufe bestanden

Dieses Wasserbauwerk in der Amper in Grafrath, eine sogenannte Raue Sohlschwelle, soll dafür sorgen, dass der Wasserstand im Ampermoos angehoben wird. Am Mittwoch wurde die Sohlrampe eingeweiht.
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Dieses Wasserbauwerk in der Amper in Grafrath, eine sogenannte Raue Sohlschwelle, soll dafür sorgen, dass der Wasserstand im Ampermoos angehoben wird. Am Mittwoch wurde die Sohlrampe eingeweiht.
Bild: Stephanie Millonig

Sohlrampe in Grafrath eingeweiht. Kein Rückstau bei jüngstem Hochwasser

Viel Wasser ist die Amper herabgeflossen, bis ein Bauwerk zur Wiedervernässung des Ampermooses fertiggestellt wurde: Jetzt ist die Sohlrampe in der Amper in Grafrath eingeweiht worden. Schon in den 1980er Jahren hatten Naturschützer gefordert, dem Moor mehr Wasser zu lassen. Die bayerische Staatssekretärin für Umwelt und Gesundheit, Melanie Huml, bezeichnete das Ampermoor als „Schatzkästchen“, es sei mit 600 Hektar Fläche deutschlandweit eines der größten, fast intakten, unzerschnittenen Flusstalniedermoore mit entsprechender Flora und Fauna.

Die Staatssekretärin erläuterte, dass früher durch bauliche Eingriffe der Wasserstand der Amper um rund 1,20 Meter abgesenkt worden sei. Dies habe zu einer Moorsackung, stellenweise bis zu 80 Zentimetern geführt. Die oberste Torfschicht habe sich zersetzt und vererdet, was zu einer Veränderung der Vegetation und letztlich des gesamten Landschaftsbildes geführt habe.

In den 1980er Jahren hätten engagierte Bürger die Wiedervernässung gefordert – in einem Gutachten des Landesamtes für Umwelt sei der Einbau einer Sohlrampe vorgeschlagen worden. Das Projekt kam aber nicht voran und Huml zitierte eine Schlagzeile von 1990: „Das Ampermoos vertrocknet in den Ämtern.“

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Dr. Thomas Goppel, ab 1994 Umweltminister, machte die Wiedervernässung zur Chefsache. Huml führte die grundsätzliche Schwierigkeit des Projekts an: Im Naturschutzgebiet sollte der Wasserstand erhöht werden, aber außerhalb sollte niemand beeinträchtigt werden. Und es war ein Projekt an der Grenze, drei Landräte und unzählige Bürgermeister galt es, unter einen Hut zu bringen. „Es soll heiß diskutiert worden sein, die Ampermooskonferenzen gelten als legendär“, so Huml. Ihr gefalle es, wenn heftig argumentiert wird und man sich dann einige. Vor der Einigung standen freilich noch über 600 Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren und ein Gerichtsverfahren, das 2010 in einem Vergleich endete. Von September 2012 bis April 2013 wurde die Sohlrampe gebaut und laut Huml hat das Hochwasser kürzlich gezeigt, dass es keinen gefährlichen Rückstau gebe. „Sie hat ihre Feuertaufe bestanden und das Moor hat sich als Retentionsraum bewährt.

Die heftigen Diskussionen gehören der Vergangenheit an: Grafraths Bürgermeister Dr. Hartwig Hagenguth berichtet, dass die Mehrheit der Bürger die Sohlrampe lobe. Freilich müsse er jetzt wegen dieser „Rasso-Fälle“ seine Schwimmgewohnheiten ändern. „Man sieht bei Hochwasser fast nix, die Amper fließt ganz normal wie bisher.“

Auch der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Starnberg, Horst Guckelsberger, hob die Rolle von Goppel hervor, der Minister zeigte nach Guckelsbergers Ausführungen sowohl den Bauern als auch den Naturschützern ihre Grenzen auf. Letzter hätten eine Anstau um fast einen Meter gefordert. Durch die Reduktion auf 40 Zentimeter habe die Planfeststellung jedoch den Prozessen standgehalten. Lob gab es von Guckelsberger auch an den Projektleiter beimWasserwirtschaftsamt München, Dr. Richard Müller, für dessen Bekenntnis, dass ihm das Ampermoos eine Herzensangelegenheit sei.

Dass seine Initiative umgesetzt ist, dies konnte der ehemalige Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Fürstenfeldbruck, Dr. Paul-Eckhard Salzmann erleben, der sich vor Jahrzehnten dafür starkmachte. „Ich bin heilfroh, dass es jetzt geklappt hat“, sagte der 92-Jährige dem LT. Wie gut es geklappt hat, muss sich noch herausstellen. Wegen des Hochwassers kann Müller noch nichts über die neuen Wasserstände sagen.

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