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Jazz

04.01.2016

Raus aus der Komfortzone

Das Kathrin Pechlof Trio aus Berlin sorgte für einen nicht ganz so entspannten Jazzabend im Stadttheater.
Bild: J. Leitenstorfer

Das Kathrin Pechlof Trio führt die Landsberger an ihre Grenzen

Einen entspannten Jazzabend hatte das Programm des Stadttheaters zur Eröffnung der Saison versprochen. Ganz so entspannt wurde er nicht. Zu groß war die Herausforderung, der Anspruch der Musikrichtung zu hoch, um sich entspannt zurückzulehnen. Das Kathrin Pechlof Trio aus Berlin hatte eine Musik mitgebracht, die sperrig und wenig gefällig ist. Die sich Melodie, Rhythmus und Harmonie größtenteils verweigert. Zum Zuhören ist das eher anstrengend als entspannend. Aber entspannen kann man sich in der Sauna.

Dass die drei Musiker ihre Instrumente meisterlich beherrschen, daran zweifelte wohl niemand im Theaterfoyer. Kathrin Pechlof an ihrer Harfe, die diatonisch gestimmt ist und bei der man mit Pedalen die Halbtöne einfügen muss, produzierte einen reduzierten, transparenten Klang. Robert Landfermann kann mit seinem Kontrabass die schrägsten Laute erzeugen und spielt mit irrer Geschwindigkeit die amelodiösen Läufe der Komponistin Pechlof. Und Christian Weidner scheint mit seinem heiseren Altsaxofon verwachsen, als ob das Instrument seine eigene Stimme sei. Diese drei sind in ihrer Musik miteinander verwoben wie Schlingpflanzen, bilden ein filigranes, durchscheinendes, organisches Ganzes mit einem eigenen Verständnis von Schönheit, das nicht vielen zugänglich ist.

Die drei Musiker machen eine Musik, die zumindest im Landsberger Theaterfoyer die Toleranz der Zuhörer strapaziert. Aber, Respekt: Die Zuhörer ließen sich darauf ein, blieben auch nach der Pause noch da, zumindest die meisten, und gaben diesen Klanglandschaften eine Chance. Dem kreischenden, fauchenden, quietschenden Saxofon. Den atonalen Harmonien und Tonfolgen der Harfe und den wilden Antworten und Einwürfen des Kontrabasses. Das Ohr sehnte sich verzweifelt nach Halt, nach einem durchgängigen Rhythmus, nach einer noch so schrägen Melodie, nach wiederkehrenden Harmonien.

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Vergeblich. Es war eine verdammt gute Übung in Offenheit, im Sich-Lösen von gewohnten, vertrauten Denkstrukturen, im Akzeptieren von etwas, das man nicht sofort versteht. Das sich nicht gleich erschließt. Im Stehenlassen von etwas, das man vielleicht auch später nicht begreifen wird. Und das seine eigene Ästhetik hat. Denn die Musiker, die diesen Jazz produzieren, lieben ihn ja offenbar. Und allein das gibt ihm schon seine Existenzberechtigung.

Das Publikum zollte dem Trio den nötigen Respekt und klatschte anerkennend. Sogar eine Zugabe gab es noch. Es ist ein großes Privileg für die kleine Stadt Landsberg, dass es auch hier, nicht nur in Berlin, solche besonderen Konzerte gibt.

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