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Landkreis Landsberg

25.09.2019

Rehkitze beim Mähen getötet - Strafe für Landwirt

Weil er zwei Rehkitze beim Mähen getötet hat, muss ein Landwirt aus dem Raum Ammersee eine Geldstrafe begleichen.
Bild: Peter Roth (Symbolbild)

Ein Spaziergänger entdeckt im Raum Ammersee zwei tote Rehkitze in einer frisch gemähten Wiese. Der Landwirt, der für den Tod der Tiere verantwortlich ist, landet jetzt vor Gericht.

Einen qualvollen Tod sind zwei Rehkitze im Mai dieses Jahres auf einer Wiese in einer Gemeinde am Ammersee gestorben: Die zwei bis drei Wochen alten Tiere wurden vom Mähwerk eines Traktors erfasst. Gefahren wurde die Zugmaschine von einem 35-jährigen Landwirt, der sich jetzt vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten musste.

Richter Michael Eberle verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe. Denn nach Meinung des Gerichts hatte dieser gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen und zwei Wirbeltiere ohne einen vernünftigen Grund getötet. Vorsätzlich sei das nicht geschehen, erklärte Eberle. Nach seinen Worten hätte der Landwirt aber viel zu wenig getan, um den Tod der Rehkitze zu verhindern. Vor allem habe er den zuständigen Jäger nicht informiert, dass er mähen wird. So wurde das Feld zuvor auch nicht abgesucht.

Ein Spaziergänger entdeckt die toten Kitze

Der Jagdaufseher, 68, der langjährige Erfahrungen mit der Suche und dem Auffinden von Rehkitzen hat, wurde danach von der Polizei eingeschaltet. Die Beamten waren von einem 70-jährigen Spaziergänger informiert worden, dass auf der frisch gemähten Wiese zwei tote Kitze liegen. Der Jagdaufseher machte sich sofort auf den Weg zu besagter Wiese, wie er vor Gericht sagte. Die getöteten Tiere beseitigte er nicht, sondern habe sie absichtlich liegenlassen: Damit der Bauer sehe, was er angerichtet habe. Allerdings markierte der Aufseher den Fundort mit einem langen Stecken.

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Die beiden toten Kitze wurden schließlich vom Landwirt beseitigt. Er legte sie am Waldrand ab – als Fressen für den Fuchs, wie er aussagte. Der 35-Jährige, der 70 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet sowie 60 Milchkühe im Stall stehen hat, hatte angenommen, dass der Jäger die beiden Jungrehe bereits entsorgt hätte. Vom Jagdaufseher wurde dem Mann bescheinigt, dass er sich in Sachen Schutz von Wildtieren in der Vergangenheit tadellos verhalten hätte – bis zu diesem Fall in 2019.

Der Landwirt konnte niemanden erreichen

Der 66-jährige Jagdpächter wiederum meinte, dass es die Problematik mit dem Vermähen von Rehkitzen schon immer gäbe. Der Angeklagte habe jetzt halt Pech gehabt, sagte er. Der Landwirt selbst bedauerte den Vorfall. Er kündigte an, dass er alles tun werde, um bei der Mahd Unfälle wie diesen vor vier Monaten zu vermeiden. Auch im Mai 2019 habe er sich bemüht, die zuständigen Leute über das Mähen der Wiese in Kenntnis zu setzen. Das soll aus verschiedenen Gründen – niemanden oder keinen erreicht – nicht geklappt haben.

Sein Rechtsanwalt Dominik Schletter sorgte schließlich beim Jagdaufseher für einige Aufregung: Mit dem Hinweis, dass die beiden toten Kitze möglicherweise von einer anderen Wiese auf der Wiese des Beschuldigen abgelegt worden sein könnten: „Ich glaube, Sie haben keine Ahnung von der Materie“, antwortete der Aufseher. Er sei sich 1000-prozentig sicher, dass der 35-Jährige die Kitze vermäht habe.

Jetzt ist der Landwirt vorsichtiger und setzt auf Spezialtechnik

Richter Michael Eberle verhängte eine Geldstrafe von 2400 Euro – und blieb damit um 1800 Euro unter der Summe von 4200 Euro, die der Angeklagte ursprünglich laut Strafbefehl bezahlen sollte. Die Vertreterin der Anklage sprach sich für 3000 Euro aus. Der Verteidiger hielt maximal 1500 Euro für angemessen.

Eine gute Nachricht gab es auch noch: Die Landwirte vor Ort haben mittlerweile über ein Dutzend elektronische „Kitz-Retter“ beschafft, die Wildtiere aus der Wiese verscheuchen sollen, wie es in der Verhandlung hieß. (eh)

Lesen Sie dazu auch:Das Leben der Rehkitze ist wieder in Gefahr

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02.10.2019

Landet vor Gericht und verlässt dieses wieder als freigesprochener Mann!

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