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Landkreis Landsberg

24.05.2020

Reisebüros bekommen keine Erholung

Franz Fischer und Simone Preradovic vom „sonnenklar.TV Reisebüro by fischerreisen“ in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Reisewarnungen und dichte Grenzen: Die Tourismusbranche wird von der Corona-Krise hart getroffen. Wie Reisebüros im Landkreis Landsberg mit der Situation umgehen und was sie Kunden raten.

Anstatt nach Ägypten, Griechenland oder in die Türkei zu fliegen, gibt es dieses Jahr Urlaub für die meisten nur im eigenen Land. Seit der weltweiten Reisewarnung fallen innerdeutsche Reiseziele wieder ins Visier der Urlauber. Unsere Zeitung hat bei Reisebüros im Landkreis nachgefragt, wie sie mit der Krise umgehen.

Das Tagesgeschäft des Tui-Reise-Centers von Inhaberin Tatjana Hylla in Dießen besteht aktuell vor allem aus Umbuchungen. „Viele kennen jedes kleine Gässchen in Asien, aber Deutschland ist ein weißer Fleck“, berichtet Tatjana Hylla und schmunzelt. Sie sieht daher die Corona-Pandemie als perfekte Möglichkeit, das eigene Land in seiner Vielfalt zu entdecken. Auslandsreisen werden durch Ziele innerhalb Deutschlands getauscht. „Auf das Risiko sich im Ausland zu infizieren, habe keiner Lust“, sagt Hylla. Nur wenige Kunden stornieren ihren Urlaub, die meisten nutzen die Frist bis zum 30. Juni, um ihre Reise kostenfrei umzubuchen. Reiseanbieter zeigen dafür eine große Bereitschaft. Wer eine Reise zum Gardasee gebucht hatte, verbringt den Urlaub, diesen Sommer an Nord- oder Ostsee.

Der letzte Urlauber wurde vor zwei Wochen heimgeholt

Auch vereinzelte Rückholaktionen von deutschen Touristen, die immer noch im Ausland festsaßen, standen bis zuletzt auf der Agenda: „Der letzte Betroffene wurde vor zwei Wochen von den Kanaren nach Hause geholt“, sagt Tatjana Hylla.

Insgesamt sieht sie den Urlaubsdrang ihrer Kunden durch Corona nicht gebremst: „Der Urlaub ist nach wie vor das Ein und Alles der Deutschen.“ Dieses Jahr sei man mit einem Urlaub in der Heimat gut aufgehoben, für 2021 läge der Fokus bereits wieder auf dem Mittelmeerraum.

Diese Entwicklung sagt auch Franz Fischer, Inhaber vom Reisebüro „sonnenklar.TV by fischerreisen“ in Landsberg, voraus. Er ist davon überzeugt, dass sich das Reiseverhalten durch die Coronakrise langfristig nicht stark verändere. Nach wie vor gehörten die Deutschen international zu den reisefreudigsten Nationen. „Das bleibt auch so“, glaubt Fischer. Von der Sehnsucht nach der Ferne profitieren die Reisebüros allerdings aktuell wenig. „Wir sind als Erste in die Krise gegangen und kommen als Letzte wieder raus.“

Provisionen müssen zurückbezahlt werden

Die Arbeit seiner Mitarbeiter in den vergangenen Monaten sei durch Corona schlagartig hinfällig geworden. Besonders die Rückzahlungen der bereits erzielten Provisionen beuteln das Reisebüro. „Je nach Größe des Reisebüros sind das Kosten von 10.000 bis 30.000 Euro“, sagt Fischer. Auf den Kosten blieben die Reisebüros sitzen. Deshalb hoffe er, dass der Staat für den Ausfall der Provisionen hafte. Aktuell arbeite eine Notbesetzung in seinem Reisebüro ohne einen Cent Gewinn am Tag. Bis ein Zustand wie vor den Covid-19-Infektionen erreicht sei, werde es noch eine Weile dauern. Nur vereinzelt kämen Besucher in seinen Laden, um sich einen Prospekt mitzunehmen.

Eine gewisse Normalität würde sich auch Michael Vivell, Inhaber des Derpart Reisebüros in Landsberg, wünschen. Für viele sei das Reisebüro vor Ort in der aktuellen Situation der Retter in der Not. Mit seinem Team beantwortet er ununterbrochen Anrufe von verunsicherten Kunden. „Jeden Tag verwirren neue Information der Landesregierung die Urlauber zusätzlich“, bedauert Michael Vivell. Wenn eine Reise nicht wie geplant durchgeführt werden kann und sie vom Veranstalter abgesagt werde, bekomme der Urlauber sein Geld zurück.

Kehrt die Reiselust zurück?

Das Reisebüro am Hauptplatz hilft nicht nur eigenen Kunden weiter, sondern auch Urlaubern, die ihre Reise über Online-Portale gebucht haben, und nicht wissen, wie sie ihr Geld zurückbekommen. „Wir werden selbstbewusst aus dieser Zeit hervorgehen, denn Corona hat gezeigt, wie wichtig ein lokaler Ansprechpartner ist“, so Vivell. Ob die Reiselust bestehen bleibe oder erlischt, wird die Zukunft zeigen, so Michael Vivell. Nicht vergessen dürfe man, dass den Leuten durch Kurzarbeit und eine aufkommende Rezession womöglich die Mittel fehlten, den Urlaub an Traumstränden bezahlen zu können.

Dass der innerdeutsche Tourismus einen Aufschwung erleben wird, daran glaubt auch er. „Wenn alle in Deutschland Urlaub machen, muss man eben auch trotz Abstandsregelung ein bisschen zusammenrutschen“, sagt der Reise-Experte. Vivell hofft auch, dass Auslandsreisen bald wieder möglich seien: „Denn das Reisen ist für den interkulturellen Zusammenhalt auf der Welt lebensnotwendig.“

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