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Kaufering

25.09.2015

Respekt haben vor dem Mut, sich auf den Weg zu machen

Das Wichtigste bei der Ausbildungsmesse, die heute Mittag in Kaufering zuende gegangen ist, sind die direkten Gespräche zwischen den potenziellen Arbeitgebern und den künftigen Auszubildenden.
Bild: Foto: Julian Leitenstorfer

Comedian Florian „Erkan“ Simbeck appelliert bei der Landsberger Ausbildungsmesse zur Akzeptanz gegenüber Migranten 

Interessierte Aussteller wurden über Beschäftigungsmöglichkeiten, diese Personengruppe betreffend, unterrichtet und auch darüber, dass im Rahmen der Einstiegsqualifizierung und beim Arbeitsentgelt durchaus mit finanzieller Unterstützung gerechnet werden kann. Asylbewerbern aus dem Landkreis Landsberg wurde vor dem offiziellen Messebeginn die Möglichkeit geboten, sich umzuschauen und möglicherweise bereits Kontakte zu Betrieben zu knüpfen.

Und sie kamen: Schätzungsweise mehr als 100 Migranten, teilweise angereist per Fahrrad, begleitet und hergebracht von Ehrenamtlichen oder in einem kostenlos zur Verfügung gestellten Bus der Firma Eisele gefahren, drängten sie sich zunächst im Eingangsbereich der Sporthalle und waren schnell in kleinen Grüppchen mit ihren jeweiligen ehrenamtlichen Betreuern unterwegs. Es bestand reges Interesse an den unterschiedlichen Angeboten. Einige der vornehmlich aus Afrika stammenden Flüchtlinge konnten auch bereits Qualifizierungen vorweisen. Ein Beispiel dafür ist Biruk: Der Eritreer war in seinem Heimatland Buchhalter und praktiziert dies nun auch in seinem neuen Heimatort Windach, wo er seit vier Monaten lebt und eifrig Deutsch lernt. Biruk sei sehr ordentlich, hefte alles genau ab, erzählt die Begleiterin Gisela Freytag-Russell. Die ehrenamtlich Engagierte gibt gemeinsam mit anderen Deutschkurse für die derzeit mehr als 20 Bootsflüchtlinge in Windach. „Vier Mal pro Woche wird vormittags geübt, nachmittags bieten wir zudem Intensivierungsstunden an.“

Das kommt nicht nur Biruk zugute, sondern auch Negussi, einem weiteren Eritreer, der Schneider ist und das auch wieder machen möchte. Dass das Erlernen der Sprache sehr wichtig ist, hat in Windach auch die Kommune erkannt und in den Haushalt Mittel eingestellt, wie Bürgermeister Richard Michl berichtet, der sich ebenfalls gemeinsam mit Flüchtlingen auf der Messe umschaut.

Aus Somalia haben sich Mohamud und Guled auf den jahrelangen Weg Richtung Deutschland gemacht. Der 21-jährige Guled hat in seiner Heimat als Fensterbauer gearbeitet und möchte etwas in dieser Richtung lernen. „Krankenpfleger“ ist der Berufswunsch des erst 19-jährigen Mohamud.

Wie eine Eingliederung ins Berufsleben gelingen kann und welche Schwierigkeiten dabei immer wieder auftreten, darüber konnte Warvan Bakhtiyr einiges erzählen. Warvan kam vor 16 Jahren als Vierjähriger mit Oma und weiteren Verwandten aus dem Nordirak nach Deutschland, Stationen waren Stuttgart und Chemnitz. Eine Lehrstelle nach dem Schulabschluss war zunächst Fehlanzeige. „Ich war nur geduldet, hatte keinen deutschen Pass und musste mich alle sechs Monate beim Ausländeramt melden.“ Er habe unbedingt arbeiten wollen, so Warvan, weil er nicht mehr vom Sozialamt abhängig sein wollte. Allerdings: „Kein Pass – keine Ausbildung, keine Lehrstelle – kein Pass.“ Ein Teufelskreis, den Markus Wasserle durchbrach; in dessen Firma war ein Verwandter von Warvan beschäftigt. Wasserle schloss einen Ausbildungsvertrag, wies diesen beim Amt vor und erwirkte damit eine befristete Aufenthaltserlaubnis Heute ist Warvan mit einem noch vorläufigen, aber mit berechtigter Aussicht auf einen dauerhaften Pass ausgestattet, ist gelernter Gebäudereiniger und bereitet sich derzeit auf die Meisterprüfung vor.

Offiziell eröffnet wurde die Ausbildungsmesse von Erwin Huber, dem ehemaligen Staatsminister und Vorsitzenden im Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags. Beim abschließenden Empfang erläuterte Florian Simbeck, SPD-Kreistagsmitglied in Pfaffenhofen an der Ilm und bekannt als Stefan aus dem Duo „Erkan und Stefan“ oder aktuell als festes Mitglied der BR-Comedyserie „Die Komiker“, in einem kurzen Impulsvortrag den Unterschied zwischen den Begriffen Respekt und Toleranz. „Respekt bedeutet, ich begegne meinem Gegenüber auf Augenhöhe, Toleranz meint, ich ertrage Jemanden.“

Migranten gegenüber sei Respekt richtig, betonte Simbeck, Respekt vor dem Mut sich auf den Weg zu machen, ein neues Leben aufzubauen. Respekt sei auch gegenüber sich selbst wichtig, nur dann gelinge der respektvolle Umgang mit Anderen.

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