Newsticker
RKI meldet 24.000 Neuinfektionen, Inzidenz steigt auf 120
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Riederau: Wie sieht die Zukunft des Segelschiffs „Sir Shackleton“ aus?

Dießen

07.04.2021

Riederau: Wie sieht die Zukunft des Segelschiffs „Sir Shackleton“ aus?

Klaus Gattinger will sein Segelschiff „Sir Shackleton“ retten, das im August vergangenen Jahres im Ammersee unterging. Jeder kann sich finanziell beteiligen, damit der Zweimaster bald wieder Wasser unterm Kiel hat.
Foto: Gattinger

Plus Schiffseigner Klaus Gattinger gibt die Hoffnung nicht auf, ab 2022 mit der "Sir Shackleton" wieder auf dem Ammersee unterwegs sein zu können. Wie er die finanziellen Mittel auftreiben will, um das Schiff zu reparieren.

„Ich will diesen Dampfer wieder schwimmen sehen!“ Lange ging Klaus Gattinger aus Riederau mit der Idee schwanger, den Traditionssegler „Sir Shackleton“ nach dessen unerwartetem Sinken vor St. Alban im August vergangenen Jahres (LT berichtete) zu restaurieren. Doch nun hat er eine Entscheidung getroffen und will den stattlichen Zweimast-Segler, der wegen eines Leitungsdefekts gesunken war, so schnell wie möglich wieder flott machen. Das teilte er jetzt bei einer Online-Pressekonferenz mit. Liebhaber der „Sir“ und des Segelsports sollen sich vor allem finanziell engagieren und später davon profitieren, so die Idee.

Durch Crowdfunding, eine Art Gruppenfinanzierung, sollen die Kosten generiert werden. Spender können nach dem Neustart beim Segeln davon profitieren und Rabatte erhalten. Das wird „vorsichtig optimistisch“ gerechnet im Sommer 2022 sein. Dann soll das Elf-Meter-Schiff wieder in den Ammersee gesetzt werden.

Schleifen und streichen, um Kosten zu sparen

Klaus Gattinger ist sich sicher, dass bei der Überarbeitung „auf eine gute und gesunde Basis“ aufgesetzt wird. Er selbst wolle unter anderem „schleifen und streichen, um Kosten zu sparen“. Viele haben die Bilder vom 18. August 2020 von der gesunkenen „Sir“ und deren Bergung noch im Kopf. Nur noch die oberen Enden der zwei Masten ragten im Bojenfeld vor St. Alban aus dem Wasser, als ein Schraubstutzen am Kühlwasserfilter gebrochen und das Schiff mit Wasser vollgelaufen war. Fünf Tage später rückten erfahrene Einsatzkräfte bis aus Österreich an und hoben das Schiff mit Unterstützung heimischer Hilfskräfte an, pumpten es aus und schleppten es zur Werft in Utting. „Das war ein unfassbarer Anblick“, erinnert sich Gattinger. Seit September ist das Schiff nun dort im Winterlager und trocknet aus.

Im Sommer war die "Sir Shackleton" vor St. Alban gesunken und musste aufwendig geborgen werden.
Foto: Thorsten Jordan

„Hey Paps, du denkst doch nicht ernsthaft darüber nach, die ,Sir’ zu verschrotten.“ Das sei die Reaktion seiner Tochter gewesen, als sich Gattinger mit dem Gedanken trug, Ersatz für die „Sir“ zu beschaffen. „Du warst immer so glücklich, wenn du sie gesegelt bist (...) und jetzt, wo sie deine Hilfe bräuchte, willst du sie verschrotten?“ Die Aussage wirkte beim Vater nach. Zudem bestätigte ihm Christoph Hagenmeyer von der Steinlechner Werft, dass das Schiff zum Verschrotten „viel zu schade“ sei. Gattinger rief sich zudem die „vielen unvergesslichen Momente“ in Erinnerung, „die man Menschen auf der ,Sir’ schenken konnte“ und entschied, sich auf das Abenteuer Instandsetzung einzulassen. Rational gesehen sei das zwar „völliger Quatsch“. Doch nach langen Überlegungen sei am Ende nur noch die Frage im Raum gestanden: „Wie kann es gelingen, das Schiff wieder in Fahrt zu bekommen?“

Das Comeback wird schon geplant

Mittlerweile steckt Gattinger mitten in der Planung des Comebacks des Segelschiffs, das ein Stück weit auch seine berufliche Zukunft ist. Denn der leidenschaftliche Segler ist Berater und Coach für Management und Führungskräfte und bietet auch auf der Sir Shackleton Team- und Führungstrainings, Mitsegel-Törns und Charterfahrten an.

Sie kann – mit Skipper – auch für Betriebsausflüge und Familienfeiern gemietet werden. Beim geplanten Neustart im (Früh-)Sommer nächsten Jahres wird Gattingers Compagnon Christian Seelos nicht mehr an Bord sein – wegen persönlicher Gründe, wie Gattinger sagt. Deshalb sei die GbR Ende 2020 aufgelöst worden. Der Skipper hinterlasse „eine Lücke“. „Aber wir sind freundschaftlich verbunden und werden sicher wieder miteinander segeln.“

Der gesunkene Zweimaster wird vor St. Alban geborgen. Mit dabei die Wasserrettung Nußdorf (AUT), die Feuerwehr Dießen und die Wasserwacht des Landkreises Landsberg.
Foto: Thorsten Jordan

Die Grundlage für die anstehende Überarbeitung bietet die gezahlte Versicherungssumme. Dabei handele es sich um einen Betrag, der etwas über dem Kaufpreis von 36.000 Euro liege, weil das Schiff gut versichert sei. Mit 50.000 bis 60.000 Euro Restaurierungskosten rechnet Gattinger. Aktuell sei der Rumpf leer und seien die beiden Holzmasten beschädigt. Einrichtung und Elektrik seien entsorgt worden. Die Sanierung solle in Teilschritten erfolgen. Dafür werde das Schiff Anfang Mai in die Werft verlegt.

Maschine mit Elektro-Antrieb

Zuerst sollen die Schäden im hinteren Teil des Schiffs (Achterschiff) behoben werden. Dann soll eine neue Maschine samt Elektrik – vielleicht mit E-Antrieb – eingebaut werden. Es folgt die Elektrik für Innenbeleuchtung, Positionslampen und Instrumente. Die Raumaufteilung unter Deck soll neu geplant werden, alles soll offener werden, „um den Raum optisch zu vergrößern und den Schiffscharakter auch unter Deck erlebbar zu machen“. Neue Möbel sollen folgen. Die Schiffsschale (Rumpf) hat laut Gattinger den Untergang „erstaunlich gut überstanden“. Selbst der äußere Lack sei intakt.

An den Kosten sollen sich „Sir Shackleton Navigatoren“, „Sir Shackleton Offiziere“ und „Sir Shackleton Commander“ beteiligen. So nennt der Eigner die Spender, die 500, 1000 oder 2500 Euro investieren wollen und im Nachhinein hauptsächlich als Dankeschön durch Rabattierungen bei der Nutzung des Schiffs profitieren sollen. Wer am Sir-Shackleton-Comeback mitwirkt, sei es durch Arbeitsleistung oder finanziellen Einsatz, „wird auf einer Liste verewigt“, verspricht er und will die Sanierung mit Berichten und Fotos begleiten. Um zu helfen, könnten auch Event-Gutscheine erworben und Vorträge gebucht werden.

Beteiligung gegen Event-Gutscheine

Wer mehr über die Rettungsaktion der „Sir“ wissen oder sich beteiligen möchte, kann sich online unter www.segeln-ammersee.de informieren. Dort ist auch zu erfahren, dass das 9,5-Tonnen- Schiff, das seit 2011 auf dem Ammersee segelt, „aus der Nordsee stammt“, so Gattinger, und laut aktueller Recherche vermutlich 1909 von dem bedeutenden Jachtkonstrukteur Max Oeretz in Hamburg als Sturmlotsenkutter namens „Gertrud“ für die Stadt Travemünde gebaut worden ist. Auch die Segeljacht Albatros im Ammersee stammt von diesem Konstrukteur. Mit der Instandsetzung der „Sir“ gelte es demnach „ein Stück maritimer Geschichte zu retten“, so Gattinger.

Lesen Sie dazu auch:


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren