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Dießen

28.09.2020

Robert Lotter, der Santana aus Dießen, hat die Bühne für immer verlassen

Robert „Mandy“ bei seinem letzten Auftritt im Fasching 2020 im Unterbräu in Dießen.
Bild: Beate Bentele

Plus Zum Tod von Robert „Mandy“ Lotter: Er war Politiker und Ingenieur, vor allem aber ein Vollblutmusiker. Als solcher wurde er weit über Dießen hinaus bekannt. Ein Nachruf auf ein bewegtes Leben.

Rote Gitarre, schwarzer Hut ins Gesicht gezogen, schwarzer Oberlippenbart. Die ersten Töne von „Samba Pa Ti“ erklingen. Wer im Saal die Augen schließt, kann nicht unterscheiden, ob Carlos Santana auf der Bühne steht oder Robert - genannt Mandy - Lotter aus Dießen. Der Samba ist für ihn verklungen, den hat der bekannte Musiker mitgenommen, als er am Samstag völlig unerwartet „über den großen Regenbogen“ ging. Der 61-Jährige erlag einem Herzversagen.

„Mit ihm geht eine Ära zu Ende. Dießen hat sein Gesicht verloren“, sagen Musikerkollegen, die seit früher Jugend – über 40 Jahre lang – mit ihm die Tanzböden in der Heimat, auf Luxus-Linern und an vielen Orten der Welt rockten. „In unseren Herzen ist er unsterblich“, sind viele Fischereier sicher, die mit ihm groß geworden sind. Mit dem Entertainer, Musiker, Bauingenieur, Gemeinderat, Feuerwehrler, politischen Wegbegleiter, Golf-Kameraden und Freund in vielen Lebenslagen und Familienvater, der seinem Sohn, den Schlagzeuger Manu Lotter, von Anfang an an die Hand nahm in die internationale Musikwelt.

Bühne, Büro und Politik

Mandy Lotters Leben ist so, als stünden mehrere Leben dahinter. So wie er auf der Bühne 15 Stunden lang ohne Pause sein Publikum in Stimmung hielt, sah auch sein Alltag aus. Die Handschrift seines Büros für Baudesign und Planung ist im Fünf-Seen-Land unverkennbar, aber auch das Velodrom auf der Oidn Wiesn wurde von ihm geplant - ein Vergnügungszirkus mit Show, Musik und Erinnerung an die Zweirad-Vergnügen der Wiesn von 1901.

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Viele Jahre war Lotter auch in der Gemeindepolitik aktiv. Ab 1996 baute er die Freien Wähler als Vorsitzender neu auf, als sie ihre Sitze im Gemeinderat verdoppeln konnten. Selbst als er den Vorsitz und sein Gemeinderatsmandat 2014/2015 abgegeben hatte, wirkte er noch im Hintergrund: 2020 wurden die Freien Wähler zur stärksten Fraktion im Gemeinderat.

Entspannung gönnte er sich auf dem Golfplatz Hohenpähl. In jungen Jahren liebte er das Fliegen, Motorradfahren, Cabrio-Fahren – wo immer Energie drinsteckte.

Der Kommunalpolitiker Robert Lotter bei einer Veranstaltung der Freien Wähler 2008 in Dettenschwang.
Bild: Gerald Mödlinger/Archiv

Das wichtigste im Leben war für ihn die wohlklingende Harmonie. Und Disharmonie mit seinen Mitmenschen, das konnte er gar nicht leiden. Zurück zur Musik: Schon als kleines Kind, kaum dass er auf den Klavierhocker passte, spielte er wie besessen. Während andere noch die Schulbank drückten, fuhr er mit seinen Kumpels „zum Musikmachen“ auf die Faschingsbälle rund um Dießen. Anfangs wurden die Buben – die "Silbernen Vier" – noch von den Vätern gefahren.

Beim Schützenball in Entraching spielte Mandy Lotter 43 Jahre lang

Als Mandy dann seinen orangefarbenen VW hatte, stand dem Spruch „on the road again“ gar nichts mehr im Weg, nicht mal riesige Schneehaufen auf dem Weg nach Entraching, wo er 43 Jahre lang den Schützenball spielte, zuletzt im Januar dieses Jahres. Aus den "Silbernen Vier" wurden von 1977 bis 1981 die "Swinging Bavarians".

Die "Swinging Bavarians", aufgenommen im Jahr 1978 (von links) Franz Bauer, Udo Eichberg und Helmut Mayr, liegend Robert Lotter.
Bild: Archiv Lotter

Es folgte die Showband "Sandro Antonelli", allerdings war das Italienische nicht so beliebt, und so entstand die Band "Munich Skyline", mit der es hinaus ging in die Party-Welt.

„Zehn Jahre standen wir nebeneinander auf der Bühne, und unser Frontmann Mandy war ein begnadeter Musiker“, blickt Dr. Alfred Böswald zurück. Kein zweiter Musiker habe jemals so viel Energie auf die Bühne gebracht. „Mandy war der Entertainer Nummer eins, der das Publikum auf unnachahmliche Weise mitgezogen hat“, bestätigt auch Franz Bauer. Sie haben von Ivan Rebroff über Harald Juhnke bis Roberto Blanco unendlich viele Künstler begleitet und waren jahrelang die Begleitband der „Hornettes“, einer Münchner „Girl Group“ aus der Kaderschmiede von Ralph Siegel.

Am Tag gelernt, in der Nacht Musik gemacht

Obwohl sie alle noch in Ausbildung und Studium waren, gingen sie auf den Luxus-Liner MS Astor Bauer: „Wir haben tagsüber gelernt und abends standen wir auf der Bühne.“ Sie spielten mit Ambros Seelos, Udo Jürgens und Pepe Lienhard auf den großen Bällen zwischen dem Bayerischen Hof, dem Deutschen Theater und bei Bambi-Verleihungen.

Mit seiner "San Francisco"-Showband reiste Mandy Lotter um die Welt. Jahrelang spielte er in England und China, oft auch bairische Unterhaltungsmusik. Mit der Show- und Partyband stellte er bis zuletzt je nach Anforderung die Musiker individuell zusammen.

Eine Begegnung mit Heinz Rühmann 1984

Zitieren wir am Ende der Erinnerungen noch die Bambi-Verleihung 1984 im Deutschen Theater, wo Heinz Rühmann für sein Lebenswerk geehrt wurde. Alfred Böswald erinnert sich: „Wir – Franz Bauer, Mandy Lotter, Harald Tora, Klaus Märzluft und ich von "Munich Skyline" - spielten im Foyer nach der Preisverleihung den ganzen Abend vor all den Stars, die immer den Bambi begleiteten. Wir hatten Lampenfieber wie die Teufel, aber wir waren eine Band von Freunden. Deswegen haben wir es allen gezeigt und alle begeistert. Rühmann stand lange direkt neben Mandy und mir und sagte dann in seiner unnachahmlichen Art nach der Nummer Red Roses for a Blue Lady: ‚Meine Herren, sie spielen so schön leise. Das kann man nicht lernen, das hat man.’“

Das passte zu Mandy: Er hatte etwas, das man nicht lernen kann. Und genau das wird nun allen fehlen, die ihn wirklich gekannt und gemocht haben. So long. Mandy.

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