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Landkreis Landsberg

22.05.2018

Rotes Kreuz: Rücktrittswelle erfasst auch die Wasserwacht

Beim Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes gibt es Wirbel. Einige ehrenamtliche Führungskräfte sind zurückgetreten. Sie erheben Vorwürfe gegen Geschäftsführer und Vorstand.
Bild: Julian Leitenstorfer

Nach den personellen Turbulenzen beim Roten Kreuz äußern sich der Geschäftsführer und der Kreisvorsitzende zu den Vorwürfen. Es brodelt schon seit längerer Zeit.

Beim Kreisverband Landsberg des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) hängt der Haussegen schief. Wie berichtet, sind einige Führungskräfte der Kreisbereitschaft zurückgetreten, insgesamt zehn Personen. In mehreren E-Mails, die unserer Redaktion vorliegen, kritisieren die Verantwortlichen den Umgang mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Helfern innerhalb der Organisation. Im Mittelpunkt der Kritik: Geschäftsführer Andreas Lehner.

„Der oberste Grundsatz der Menschlichkeit wird mit den Füßen einer Politik der Gleichgültigkeit und Kostenminimierung getreten, und dies alles unter Billigung der Vorstandschaft, die ihrer satzungsmäßigen Kontrollfunktion gegenüber der Kreisgeschäftsführung nicht nachkommt oder nicht nachkommen will.“ Mit dieser Formulierung leitet der zurückgetretene Kreisbereitschaftsleiter (KBL) Thomas Wagner seinen Brief ein.

Gegenseitige Beschimpfungen

Er spricht von einem sich zunehmend verschlechternden Betriebsklima, das sich in hohen personellen Fluktuationen in Haupt- und Ehrenamt niederschlage. Wagner befürchtet sogar ein Auseinanderbrechen des Verbands. „Ich bin nicht mehr länger bereit, als Vorstandsmitglied die Arbeit der Kreisgeschäftsführung und des Vorstands, die in meinen Augen nicht mehr im eigentlichen Sinne des BRK, nämlich dem Menschen nach dem Maße seiner Not zu helfen, ausgeführt wird, mitzutragen.“ Die Ereignisse der jüngsten Vorstandssitzung hätten zu seinem Rücktritt beigetragen.

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Wie unsere Redaktion aus BRK-Kreisen erfahren hat, waren Personalien im Pflegebereich Thema der Sitzung. Im Zuge der Diskussion sei Wagner vorgeworfen worden, ‚‚fehl am Platz“ zu sein. Er wertet dies nicht nur als persönliche Beleidigung, sondern auch gegen alle, die ihn zum KBL gewählt haben. „Herr Wagner hat das Gremium nicht sehr wertschätzend behandelt und es als Abnicker und Beklatscher bezeichnet“, sagt dazu Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner. Er äußert sich aus seinem Urlaub. „Bis heute wissen wir von den meisten Rücktritten offiziell nichts. Sie wurden uns von außerhalb zugespielt. Wir wissen bislang auch nichts davon, dass sich die Rettungshundestaffel aufgelöst hat.“ Generell sei es nicht der Stil des Vorstands, Diskussionen auf diese Art und Weise zu führen. „Wir sprechen lieber miteinander als übereinander.“ Die Rücktritte bezeichnet er als „schade“.

Der Geschäftsführer ist früher öfter angeeckt

Der Rücktritt von Thomas Wagner ist der dritte der Kreisbereitschaftsleitung innerhalb von drei Jahren. Seit einiger Zeit rumort es, was die Ausrichtung des Kreisverbandes anbelangt. Die Teilbereiche Hauptamt und Ehrenamt (Bereitschaften) stünden oft in Konkurrenz. Das betonen viele der Ehrenamtlichen. Kreisvorsitzender Alex Dorow konnte diese Gräben seit seiner ersten Wahl 2013 nicht zuschütten. „Es geht schon länger darum, wie das BRK geführt wird. Darüber gibt es verschiedene Vorstellungen“, so Dorow.

Auf der einen Seite stehe Geschäftsführer Lehner, der den Verband aus den roten Zahlen geführt habe, auf der anderen Interessensträger, denen die Mentalität wichtiger sei als das Wirtschaftliche. „Sicherlich gab es anfangs Probleme in der Tonart. Wir haben einen Mediator eingeschaltet und Herr Lehner hat stark an sich gearbeitet“, so der Kreisvorsitzende, der von mehrere Jahre andauernden Problemen mit der BRK-Bereitschaft spricht. Nichtsdestotrotz bedauert er die Rücktritte: „Das Gesprächsangebot steht jederzeit. Ob es Sinn macht, bezweifle ich aber.“ Generell leiste der Kreisverband 99 Prozent gute Arbeit und stehe gut da.

Ein Ortsvorsitzender zieht Konsequenzen

Eine langjährige Führungskraft sieht das anders und wirft dem aktuellen Vorstand Versagen vor, „in dem er wiederholt die Vorgänge, die zu Missstimmungen, Austritten und Kündigungen von hoch qualifizierten Mitarbeitern und von Verantwortungs- und Leistungsträgern innerhalb des Roten Kreuzes führten, nicht untersucht hat“. Der Zwist schlägt innerhalb des Kreisverbandes Wellen. Auch bei der Wasserwacht zieht man Konsequenzen. „An vielen Stellen ist die Stimmung nicht gut. Der Vorstand kommt seinen Aufgaben der Kontrollfunktion gegenüber der Geschäftsführung nicht nach“, sagt Johannes Heilmaier.

Er ist als Vorsitzender der Wasserwacht Kaufering zurückgetreten und nach rund drei Jahrzehnten aus dem Roten Kreuz ausgetreten. Er schreibt in einer Mail an diverse Funktionsträger: „Ich würde mir wünschen, dass wieder Zeiten kommen, in denen alle Mitarbeiter (haupt- und ehrenamtlich) im Kreisverband Landsberg wieder mit Freude und Engagement ihrer Arbeit im Sinne des Roten Kreuzes nachgehen können. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich das aber leider für utopisch.“

Andreas Lehner hält dagegen: „Beim BRK geht es um das Maß der Not. Und es ist kein rein ehrenamtlicher Verband mehr.“

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