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Landsberg

15.06.2020

Rudolf und Klara Gilks Leben für das bewegte Bild

Rudolf Gilk und seine Frau Klara (Mitte) betreiben seit 1987 das Olympia Filmtheater in Landsberg. Ihr Kino gehörte im vergangenen Jahr zu den 60 für ihr Programm ausgezeichneten Filmtheatern. Unser Bild zeigt beide beim Dreh des Stadtfilms mit Tochter Sabine Maier. 

Plus Klara und Rudolf Gilk übernahmen 1987 das Olympia Filmtheater in Landsberg. Welcher Film ihr erster war und wie es weitergeht, nachdem die Kinos wieder öffnen.

Die Kinos dürfen nach dem Corona-Lockdown ab heute unter Einhaltung von strengen Hygienevorschriften wieder öffnen. Im Landsberger Olympia Filmtheater soll es am 25. Juni so weit sein. Das LT hat sich mit dem Filmer und Filmliebhaber Rudolf Gilk und seiner Frau Klara, die mit ihm das Landsberger Kino betreibt, unterhalten.

Rudolf Gilk liebt Kino, wer mit ihm spricht, merkt, dass er Liebhaber der bewegten Bilder ist. Diese Liebe wurde bei dem heute 73-Jährigen schon früh geweckt. „Ich war sieben oder acht Jahre alt, da haben wir mit der Schule einen Film im Olympia angeschaut“, erzählt er. Bis dahin kannte der Bub nur Fotografien. Dass Bilder auch bewegt sein können, faszinierte ihn so, dass der Berufswunsch „Fotograf und Filmer“ geboren war. Obwohl das erste Kinoerlebnis kein so ganz bequemes war, wie Gilk schmunzelnd erzählt. „Ich habe nicht gewusst, dass die Sitze im Saal umgeklappt werden können und bin die ganze Zeit auf dem Stangerl unter der hochgeklappten Sitzfläche gesessen.“

Start in die lange Karriere als Dokumentierer von Ereignissen war der Besitz eines Fotoapparats. „Damit habe ich viel für das Landsberger Tagblatt gearbeitet.“ Doch das Fernsehen lockte – mit der Möglichkeit zu filmen und auch mit höherem Verdienst. Schweren Herzens habe ihn der damalige LT-Chef Rudolf Neumeyer ziehen lassen, erinnert sich der Olympia-Betreiber. Ab 1970 fuhr Rudi Gilk für den Bayerischen Rundfunk mit seiner ersten, einer Rolex Federwerkkamera, quer durch Bayern. Für die letztlich gesendeten „30 Sekunden Nachrichtenfilmchen“ hat er alles gemacht, „von der Materialsichtung über Schneiden bis zum Ton“.

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Vor 50 Jahren entstand der erste Stadtfilm

Dass er nach wie vor aktiv ist, kann Fernsehzuschauern auffallen, wenn ihnen die ruhige, sonore Stimme Gilks geläufig ist. Ebenfalls 1970 entstand der erste Landsberger Stadtfilm, heuer kann also 50. Jubiläum gefeiert werden. Nebenbei war Gilk zunächst Vorführer im Zederbräu-Kino, das von Alois Brummer betrieben wurde. Brummer wurde bekannt vor allem durch seine in den 1970er-Jahren entstandenen Sexkomödien. Selbst mit Kino angefangen hat Gilk im Stadttheater – „Mitte der 1970er-Jahre, so genau weiß ich das gar nicht mehr.“ Im Stadttheater konnte Gilk unter anderem Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht, die beiden Titelhelden aus dem Doris-Dörrie-Film „Männer“ begrüßen und sich über den Deutschlandstart von „Top Gun“ freuen.

Das von dem Dillinger Oskar Unsöld erbaute und 1937 eröffnete „Olympia Kino“ wurde 1987 übernommen. „Start war mit dem Dschungelbuch, unsere damals 500 Plätze in einem Saal waren wochenlang ausgebucht.“ Schon ein Jahr später folgten die Gilks dem allgemeinen Trend und machten aus dem einen großen Saal zwei Spielorte. „Zur Wiedereröffnung lief Croco-dile Dundee, mit großem Erfolg natürlich.“ Vor bald zehn Jahren war die Zeit der Filmrollen mit 35 Millimeter Streifen vorbei. „2012 gehörten wir Landsberger zu den Ersten, die in die neue Digitaltechnik investierten.“ Die Betreiberfamilie gab dafür mehr als 100000 Euro pro Saal aus. Beim Ton seien zwar mittlerweile eine Unmenge weiterer Spuren dazugekommen, so Gilk. „Wir glauben aber, dass der 6-Kanal-Ton ausreichend ist.“

In all den Jahren als Kino-Mitarbeiter und Kinobetreiber hat Rudolf Gilk viele Höhen erlebt und Täler durchschritten. Mal war Kino gefragt, mal waren kaum Menschen für Illusion und fantastische Geschichten zu begeistern. „Die Flauten kamen fast pandemiemäßig“, meint der Cineast schmunzelnd. „Dieses ständige Auf und Ab hat auch die Erweiterung des Olympia verhindert.“ Vor Jahren hatte es Pläne gegeben, das Kino um einige Säle zu vergrößern. „Und heute haben wir eh 18 weitere Kinosäle im Landkreis als Konkurrenz.“

Opern- und Ballettübertragungen sind gefragt

Das Olympia aber hat seinen Platz behauptet. So kommen beispielsweise Arthouse-Filme gut an. Werden Reisefilme gezeigt, dann sind oft auch die Filmer anwesend und erzählen dem Publikum live von den Abenteuern. „Wenn der neue Stadtfilm läuft“, berichtet Gilk, „dann erleben wir einen Andrang wie beim Deutschlandstart eines Hollywood-Blockbusters.“ Erstmals ist Gilk auch im Landkreis unterwegs und sammelt Material für einen Landkreis-Film. Gefragt sind bei Cineasten auch Opern- und Ballettübertragungen oder Disneyfilme für die ganze Familie.

Derzeit bereiten sich Rudolf und Klara Gilk auf die Kinoeröffnung am 25. Juni vor. Das Café Filmbühne hat schon geöffnet. Die Kinokarten sollen online geordert werden, im Kino ist möglichst kontaktlos zu bezahlen. 50 Personen sind in den beiden Sälen die Höchstgrenze, die Platznutzung wird gerade ausgearbeitet. Mundschutz sei auch im Kinosaal Pflicht, so die neuesten Informationen, die der Kinobetreiber bekommen hat, wie er dem LT erzählt. Er sei gespannt, sagt Rudolf Gilk, wie das Ganze anlaufe: „Es sind keine neuen Filme da. Alle hängen in der Luft.“ Schließlich seien nicht nur die Kinos geschlossen gewesen, so Gilk. Auch Dreharbeiten konnten monatelang nicht stattfinden. „Arthouse geht vielleicht“, meint er, „oder Reisefilme“.

Noch offen ist, ob das Kino-open-Air stattfinden wird – und das im 20. Jahr der Veranstaltungsreihe. Nur ein einziges Mal pausierte das Event auf dem Rossmarkt wegen des Ruethenfests, wie Gilk erzählt. Die Eberhofer-Krimis seien ein Garant für ein gelungenes Kino-open-Air. Das Problem: Der Kinostart des neuen Eberhoferkrimis, „Kaiserschmarrndrama“, wurde verschoben und soll laut Constantin-Film nicht wie geplant im August stattfinden. Gilk muss kalkulieren, was finanziell machbar ist. Das Landsberger Kino-open-Air startet traditionell Ende Juli, Rudolf Gilk kann sich heuer aber auch einen späteren Termin vorstellen. Er bleibt optimistisch und wartet ab, was sich in Sachen Filmstarts noch tut.

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