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Landsberg

25.03.2019

Ruethenfest in Landsberg: Die schwierige Suche nach dem richtigen Kostüm

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4 Bilder
Julia Stolle wird Bürgerin und von Karin Schuller (Mitte) und Christine Mayer eingekleidet.
Bild: Thorsten Jordan

Rund 1000 Buben und Mädchen beteiligen sich heuer an dem historischen Kinderfest in Landsberg. Das LT war bei der Kostümvergabe dabei.

Wer sich die Kostümvergabe zum Ruethenfest als großen Trubel wie einst die Sommer- oder Winterschlussverkäufe vorstellt, liegt falsch. Im Vorraum warten Eltern mit Kindern. Um Punkt 15 Uhr öffnet sich die Tür zum Kostümlager des Ruethenfestvereins und Geschäftsführerin Heike Neumeyer, bittet Kinder und Eltern herein. Immer nur ein paar, damit sich die Mitarbeiterinnen im Kostümlager auch um die Buben und Mädchen kümmern können.

Das ist heuer beim Ruethenfest geplant: Das Ruethenfest rückt näher

An diesem Tag wird das Gewand für die Mitfahrenden auf dem Bayertorwagen und die Fahnenschwinger der Landsknechte ausgegeben. Der zwölfjährige Rodrigo Schaffner freut sich, heuer bei den Fahnenschwingern mitmachen zu dürfen. Vor vier Jahren war er Ruethenbub und wäre natürlich viel lieber Pandur gewesen. Auf der Homepage des Ruethenfestvereins wird klar, warum: es gibt ein Lagerleben. „Die Kinder können heuer wieder vor dem Amtsgericht einen Teil der so spannenden Stadtgeschichte erleben. Umgeben von Zelten, Fahnen, Kutschen, Aussichtsposten, Tieren und Gleichgesinnten können die Kleinen regelrecht eintauchen in ein Leben, wie es vielleicht einmal gewesen sein könnte – nur vielleicht nicht ganz so roh und wild, wie es sicher war.“ Na wenn das nicht verlockend klingt. „Die Panduren nehmen nur untertags am Lagerleben teil, da die Kinder noch zu klein sind“, sagt Heike Neumeyer. Aber bei den Schweden, den Kaiserlichen und den Landsknechten, da wird auch übernachtet.

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Der Papa war Pandur, und der Sohn?

Irmgard Wallner hilft Rodrigo Schaffner bei der Auswahl des Kostüms. Er steckt schließlich in zweifarbigen graublau-bordeaux-farbenen Hosen, entsprechendem Wams und weißem Hemd. Der Bub ist mit seinem Vater Christian Schaffner gekommen, der als Kind selbst zwei Mal Pandur war – einmal sogar hoch zu Ross, weil ein anderes Kind sich nicht reiten traute. „Damals gab es nur ein Lager für die Landsknechte“, erinnert sich Schaffner. Rodrigo bekommt noch Hut und Sandalen, dann ist er bis auf die Fahne ausgestattet. Mit der wird er auch noch üben müssen. 16 Fahnenschwinger müssen eine Choreografie einüben und sie treten drei Mal auf, wie Schaffner erzählt.

Paulina Jimenez begleitet ihren Bruder Fynn, der ebenfalls Fahnenschwinger werden soll. Mutter Nicole hat vor einigen Jahren in Landsberg gelebt und damals das Ruethenfest gesehen. „Wenn ich mal Kinder habe und in Landsberg lebe, dann sollen die da mitmachen“, berichtet sie über ihre eigene Begeisterung für das historische Kinderfest. Und 2014 zog die Familie nach Landsberg. Paulina kann sich ihr Kostüm an diesem Tag noch nicht holen, sie will bei der Falkenjagdgruppe dabei sein. Dies ist laut Heike Neumeyer die bei Mädchen beliebteste Gruppe und es gebe 55 Anmeldungen für 24 Protagonisten. Denn die Edeldamen der Falkenjagd reiten zu Pferd. Oft würden auch Mädchen männliche Kostüme tragen, vor allem, wenn es um die Edelleute geht, erzählt Heike Neumeyer. Denn kurzes Samtwams und Strumpfhose, das zu tragen genieren sich viele Buben. Aber an diesem Tag ist das alles kein Thema, Fahnenschwinger und Soldaten der Stadt für den Bayertorwagen sind an diesem Tag die einzigen Kostüme für Buben. Aber Enttäuschungen gibt es trotzdem: Der neunjährige Luis Landes wäre gerne Pandur geworden, aber da er aus zeitlichen Gründen nicht zum Zeitpunkt der Ausgabe des Kostüms kommen kann, wird’s halt ein Soldat.

Wie sieht es ansonsten bei der Auswahl aus, wenn sich zu viele bewerben? Heike Neumeyer erklärt, dass man nach dem Alter gehe. Sprich, die jetzt Zwölfjährigen würden bevorzugt, denn in vier Jahren, beim nächsten Ruethenfest, sind sie 16 Jahre alt und für diese Altersstufe gibt es nur vereinzelt Rollen.

Kniestrümpfe und Samtsandalen

Ein Mädchen ist mit der Farbe ihres Gewandes nicht einverstanden. Solange es passende Kostüme gibt, wird auch nach einem anderen Modell gesucht, doch hier sagt die Mutter, sie solle sich zufriedengeben. Zufrieden mit ihrem tannengrünen langen Kleid ist Julia Stolle. Karin Schuller hilft ihr beim Ankleiden. Nebst weißer Kniestrümpfe gibt’s Samtsandalen zur Abrundung der Kostümierung. „Es sind Kleider dabei für Darsteller, die beim Bürgertanz mitmachen“, erzählt Christine Mayer. Auch die elfjährige Julia Strubl wird auf dem Bayertorwagen mit dabei sein, sie war das letzte Mal auf dem Blumenwagen.

Für die Kostüme müssen Leihgebühren bezahlt werden, die Kosten reichen laut Heike Neumeyer von 15 Euro für die einfachen Kostüme der Ruethenkinder über die 25 Euro für die Panduren, 35 Euro für die Landsknechte, Schweden und Kaiserlichen inklusive einem Wochenende Übernachtung und 50 Euro für das Gewand der Edelleute. Bei der Falkenjagdgesellschaft kommen noch 85 Euro für ein Pferd hinzu.

An die 1000 Kinder stellen beim Ruethenfest die Stadtgeschichte nach. Das Fest findet von 12. bis 21. Juli statt. Höhepunkt sind die Festzüge am zweiten Festwochenende.

LT-Redakteur Thomas Wunder freut sich aufs Ruethenfest: Die Vorfreude auf das Ruethenfest wächst

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