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Landsberg

11.04.2016

Ruethenfest künftig wieder ohne Festspiel

„Licca Line“, die Reise Landsberger Jugendlicher ins sagenhafte Damasia, ist nach 2011 und 2015 nicht mehr Teil des Ruethenfests. Wie es mit dem Projekt weitergeht, ist offen.
Foto: Julian Leitenstorfer

In einer Presseerklärung wird das Ende von „Licca Line“ bekannt gegeben. Die Gründe sind vielfältig

 „Das Festspiel steht zur Diskussion“ lautete Mitte September die Schlagzeile in unserer Zeitung. Jetzt haben Tobias Wohlfahrt für den Ruethenfestverein und Wolfgang Hauck für das Theater „Die Stelzer“ in einer gemeinsamen Presseerklärung das vorläufige Ende des Ruethenfestspiels bekannt gegeben. Ob und in welcher Form des Festspiel „Licca Line“ auch künftig umgesetzt werden kann, darüber wollen sich die Stelzer mit den mitwirkenden Jugendlichen, Eltern und dem Ensemble unterhalten.

Über den Erfolg, die Wirkung auch außerhalb Landsbergs und für das Ruethenfest sind sich laut Wohlfahrt und Hauck alle einig: einmalig, grandios, beispielhaft. Erstmals war das Festspiel vor vier Jahren aufgeführt worden. Die Wiederaufnahme des Stücks im vergangenen Jahr war gut besucht, auch die zweite Aufführung, die wegen eines Gewitters abgebrochen werden musste. Der Erfolg sei das Ergebnis vieler ehrenamtlicher Helfer, der Jugendlichen, der Regiearbeit und der Mitwirkung der Sing- und Musikschule. Das Festspiel sei nicht nur eine logistische Herausforderung gewesen, sondern auch ein Wagnis. „Wir haben praktisch immer nur eine Generalprobe zeigen können, da aufgrund des Umfangs vorherige Proben auf dem Hauptplatz mit allen nicht möglich waren“, sagt Hauck.

Für die Stelzer sei die große Beteiligung der Jugendlichen ein herausragendes Ergebnis. Für ihre Leistung hatten „Die Stelzer“ im Jahr 2012 den Ellinor Holland Kunstpreis unserer Zeitung erhalten. Um das Freilichttheater aber als Wiederaufnahme herzustellen, ergebe sich nun ein anderes Problem. Einerseits sei das Jugendprojekt der Motor und das große Ziel für einen langfristigen Stelzen-Workshop und Theaterschulung, aber durch den vierjährigen Rhythmus müssten jedes Mal fast zwei Drittel, also 30 Jugendliche, neu ausbildet und trainieret werden. „Das gleiche Problem ergibt sich für die Einbindung der Musikschule“, wird Regisseur Peter Pruchniewitz zitiert.

Dieser Aufwand wurde als Pilotprojekt für die Jugendarbeit bei historischen Kinderfesten durch entsprechende Förderprogramme und das Engagement der ersten Stunde getragen, schreiben Wohlfahrt und Hauck. In Zukunft müsse sich eine solch langfristige Jugendarbeit aber aus eigenen Kräften tragen und selbstständig fortsetzen. Dazu bedarf es neben Probenräumen, Kapazitäten für das Training auch eines gemeinsamen Ziels. Der Ausblick auf „nur“ zwei mögliche Aufführungen, die alle vier Jahre stattfinden und bei denen auch das Wetter mitspielen muss, sei angesichts des enormen Aufwands zu gewagt.

„Sinnvoll wäre es für uns, in einem zweijährigen Rhythmus das Festspiel zu etablieren“, sagt Wolfgang Hauck. Das würde die Anzahl der erforderlichen, neuen Stelzer reduzieren. Dann seien nur rund ein Drittel der Mitwirkenden neu und die älteren Jugendlichen können Trainings- und Leitungsaufgaben, wie Abendregie und Technik, übernehmen. Das wäre denkbar, erfordere aber eine intensive Mitwirkung der Eltern, aber auch der städtischen Musikschule, die ebenfalls mit vielen Terminen belegt ist und kaum Kapazitäten für solche zusätzlichen Großprojekte hat.

„Ein zweijähriger Rhythmus kann der Ruethenfestverein nicht leisten“, sagt Tobias Wohlfahrt. Deswegen müsste das Festspiel allein stehen und vom Ruethenfest unabhängig durchgeführt werden. „Wir brauchen den vierjährigen Rhythmus – für unsere Vorbereitungen und für uns ist dieser Rhythmus sinnvoll, um immer neue Kinder in das Ruethenfest einzubinden. Das ist natürlich für unsere Inszenierungen einfacher als für ein Festspiel“, sagt Tobias Wohlfahrt.

Der Ruethenfestverein hat dazu Wünsche, wieder mehr „zurück zu den Wurzeln“ als Kinderfest zu gehen. „Die Möglichkeiten für die teilnehmenden Kinder sind seit dem Fest 2007 vor allem auf den Umzug beschränkt.“ Die Panduren beispielsweise könnten keinen Überfall mehr auf dem Hauptplatz präsentieren, die Landsknechte den Igel nicht mehr zeigen. Aber auch andere historische Persönlichkeiten und Ereignisse seien „nur noch“ im Festumzug zu sehen. „Gemessen am ganzen Vorbereitungsaufwand soll mehr Raum und Zeit dafür zur Verfügung stehen“, so Wohlfahrt. Für dieses Rahmenprogramm gab es früher das erste Wochenende. Das wäre ohne das Festspiel wieder eine Option, um die bestehenden und vorhandenen Kostümgruppen aktiver im Fest einzubeziehen.

Laut Pressemeldung ist für beiden Seiten recht klar geworden, dass eine Fortsetzung des Festspiels im vierjährigen Rhythmus mit dem Ruethenfest nicht praktikabel und vor allem dauerhaft nicht machbar sein wird. Wie Tobias Wohlfahrt bereits Mitte September unserer Zeitung sagte, gab es innerhalb des Vereins und des Vorstands bereits Überlegungen, Wünsche und Ideen für alternative Veranstaltungen. Ganz oben auf der Liste stand eine Wiederauflage des historischen Ruethenfestabends, der zuletzt 2007 stattfand. Dort könnten jene Kinder auftreten, die Figuren darstellen, die bei den Umzügen lediglich auf den Wagen oder einem Pferd sitzen, ansonsten aber kaum in Erscheinung treten. Tobias Wohlfahrt kann sich vorstellen, die weiterführenden Schulen und deren Theatergruppen dabei miteinzubinden.

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