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Landsberg

26.07.2020

SOS-Beratungsstelle bietet Hilfe in ausweglosen Situationen

Margit Erades-Peterhoff (vorne rechts) übergibt Maria Stock (vorne links) den Staffelstab. Mit dabei sind Einrichtungsleiter Andreas Brommont (links) sowie das gesamte Team der Landsberger SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle und der Fachstelle SeM.
Bild: Andrea Kusch

Plus Margit Erades-Peterhoff unterstützt bei der SOS-Beratungsstelle viele Familien im Landkreis Landsberg. Jetzt geht sie in den Ruhestand und blickt zurück. Eine Entscheidung ärgert sie heute noch.

Margit Erades-Peterhoff hat in ihrem Berufsalltag viel erlebt. Schreikinder, trotzige Kleinkinder, Kinder mit Ess- und Lernstörungen, Leistungsängsten und Schulverweigerung, Trennungs- und Scheidungsthemen, verschiedene Suchtproblematiken sowie Mobbing bis hin zu Gewalt in der Schule. Jetzt geht die langjährige Leiterin der Landsberger SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle und Beratungsstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in Ruhestand und blickt zurück.

Die ursprünglich aus München stammende Diplom-Psychologin lebte und arbeitete viele Jahre in Bonn, bevor sie mit ihrer Familie in ihre neue Wahlheimat Dießen zog, um bei SOS-Kinderdorf den psychologischen Fachdienst zu etablieren. Dabei sollte sie überprüfen, wie eine Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle in Landsberg, die ebenfalls 2004 mit SOS-Kinderdorf fusionierte, aussehen könne. Die vielfältige Arbeit mit den sehr unterschiedlichen Klienten gefiel ihr so gut, dass sie zwei Jahre später intern dorthin wechselte. „Das hat von Anfang an gut gepasst“, erinnert sich Erades-Peterhoff.

Die Motivation der Menschen interessiert sie

Neben ihrer Ausbildung als Psychologin und Psychotherapeutin hat sie sich in vielen Bereichen wie Heilpädagogik, Familien- und Verhaltenstherapie sowie Mediation fortgebildet. „Mich interessiert, wie Menschen sind, was sie bewegt und welche Motivation sie haben“, sagt Erades-Peterhoff. Ihre beruflichen Sternstunden erlebte sie, wenn sie Klienten und Familien in für sie scheinbar ausweglosen Situationen durch wenige Sitzungen und Hilfestellungen unterstützen konnte.

Sie ist stolz darauf, dass die Familien- und Erziehungsberatungsstelle im Landkreis „so gut eingesessen“ ist und sich nun schon die zweite und sogar dritte Familiengeneration dort beraten und helfen lässt. Im Jahr 2014 übernahm Erades-Peterhoff die Leitung. Dabei wurde die Netzwerkarbeit zu ihrem Steckenpferd. „Kurze Wege sind wichtig, um die Klienten in den unterschiedlichsten Lebenslagen zu unterstützen.“ Daher war sie in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv und arbeitete mit Lehrern, Kinderpsychologen, dem Jugendamt, Jugendsozialarbeitern, Rechtsanwälten und Gerichten eng zusammen.

Die Eltern sind manchmal überfordert

Im Vergleich zu den Anfängen habe die Unterstützung bei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung sehr stark zugenommen. „Die Eltern sind heute mit Doppel- und Dreifachbelastung oft sehr gefordert und manchmal so überfordert, dass sie für die Erziehung und Versorgung der Kinder nicht mehr ausreichend Energie und Zeit haben“, sagt Erades-Peterhoff.

Daher könne sie auch bis heute nicht nachvollziehen, warum vor einigen Jahren trotz dieser zunehmenden Problematik in einem Landkreis mit kontinuierlichem Familienzuzug Stellen in der Einrichtung durch Einsparungen gestrichen werden mussten. „Notwendig wäre eigentlich ein Mitwachsen gewesen“, sagt sie.

Zusätzliche Mitarbeiter seien auch in der Fachstelle SeM für Betroffene von sexualisierter Gewalt im Kindes-, Jugend- und jungem Erwachsenenalter dringend notwendig. Da eine solche Anlaufstelle im Landkreis fehlte, wurde diese Einrichtung 2016 bei SOS-Kinderdorf unter der Leitung von Erades-Peterhoff mit nur einer Fachkraft in Teilzeit etabliert. Die Kapazitäten seien jedoch viel zu gering.

Die Nachfolgerin hat viel Erfahrung

Doch dieser und vielen anderen Herausforderungen wird sich nun die Nachfolgerin von Margit Erades-Peterhoff widmen. Auf die Diplom-Sozialpädagogin Maria Stock warten große Aufgaben. Aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie war die Übergabe anders, als ursprünglich geplant. Doch Stock, die schon seit 20 Jahren für SOS-Kinderdorf tätig und seit eineinhalb Jahren Mitarbeiterin der Beratungsstelle ist, kennt die Einrichtung gut. Auch sie bringt einen großen Rucksack mit Erfahrungen, zum Beispiel in der Familien- und Traumatherapie, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Migranten sowie als Fachkraft für Kinderschutz und Qualitätskoordination mit.

Stock ist wichtig, dass die Angebote, sei es die Familien- und Erziehungsberatungsstelle oder die Fachstelle SeM, leicht zugängig bleiben. Menschen in schweren Lebensphasen sollen es nicht schwer haben, Hilfe zu bekommen. So sei eine zeitnahe und ressourcenorientierte Grundversorgung für Familien in prekären Situationen ein zeitgemäßes Angebot, das weiter ausgebaut und angepasst werden solle. (lt)

Die SOS-Familien- und Erziehungsberatungsstelle und die Fachstelle SeM in Landsberg sind montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr telefonisch unter 08191/911890 zu erreichen. Dort können Kinder, Jugendliche und Eltern mit Sorgen und Problemen einen Termin zu einem ersten Beratungsgespräch vereinbaren. Die Beratung ist kostenfrei.

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