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Gebietsbetreuer

04.09.2014

Sag’ mir, wo die blaue Blume ist

Karl-Heinz Hoffmann vom Landschaftspflegeverband (links) und Gebietsbetreuer Christian Niederbichler suchen im Ampermoos nach Lungenenzian-Samen. 

Christian Niederbichler war der Erste in Bayern und beobachtet seit 1997 wie sich die Natur am Ammersee entwickelt. Umweltminister will das Projekt auf Dauer sichern

„Die Samen sind noch nicht reif.“ Gebietsbetreuer Christian Niederbichler steht mit Karl-Heinz Hoffmann vom Landschaftspflegeverband Fürstenfeldbruck in einer Streuwiese bei Kottgeisering. Blumen in einem unverwechselbaren Blau spitzen zwischen Seggen und Schilf hervor. Lungenenzian wächst hier und Hoffmann hat es auf den Samen abgesehen. Für die Pflegeverbände Fürstenfeldbruck, Dachau und Freising will er die Samen von bedrohten Pflanzen sammeln, die dann in einem speziellen Betrieb vermehrt werden, um später auf Naturschutzflächen ausgebracht zu werden. Freilich geschieht der Einsatz der kostbaren Samen gezielt, wie die Naturschützer erläutern. „Das Projekt muss auch von der Regierung von Oberbayern genehmigt werden“, so Hoffmann. Denn es sei verboten, den Samen geschützter Pflanzen einfach mitzunehmen. Dazu braucht es einer speziellen Erlaubnis.

Niederbichler ist selbst nicht involviert in das Projekt, er zeigt nur, wo der Enzian wächst. Denn der studierte Geograf, Fachrichtung Geobotanik, kennt das Ampermoos und die Fläche rund um den See seit fast 20 Jahren. 1997 wurde er zum Ramsarbeauftragten benannt. Eine Bezeichnung, die sich auf die Definition des Ammersees als Schutzgebiet nach dem Ramsarabkommen, orientierte. Die Arbeit von Niederbichler war das Pilotprojekt, später wurden weitere derartige Stellen in Bayern geschaffen.

Wie das System künftig finanziert werden soll, ist jedoch noch unklar. Bisher wurde der Etat für die 36 Stellen, der 1,3 Milliarden Euro umfasst, über EU-Gelder kofinanziert, die Förderung durch den Europäischen Sozialfonds läuft jedoch 2015 aus. Es soll aber weiter Gebietsbetreuer in Bayern geben: Umweltminister Marcel Huber hat Ende Juli in einer Pressemitteilung zugesichert, dass das System „auf gleichem Niveau“ weitergeführt werden soll.

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Die Wiesenbrüter haben wieder mehr Platz im Moos

Denn die Gebietsbetreuer kennen ihre schützenswerten Flächen, beraten, wie diese zu bearbeiten sind und vermitteln beispielsweise durch Führungen das Besondere des jeweiligen Gebietes. Und sie verfolgen die Entwicklung, um so auch den Erfolg von Pflegemaßnahmen überprüfen zu können. Niederbichler zeigt eine Brutvogelkartierung des Ampermooses, die seit 1999 alle drei Jahre durchgeführt wird. Von den Randbereichen ziehen beispielsweise die Braun- und Schwarzkelchen immer weiter ins Moor hinein. Niederbichler führt dies auf die Pflegemaßnahmen zurück. Statt einer Schilf- und Seggenlandschaft gebe es jetzt mehr blühende Pflanzen und somit auch mehr Insekten, sprich Nahrung für Vögel.

Und das Ampermoos ist auch ein Pool für gefährdete Arten, wie zum Beispiel dem Lungenenzian und der extrem seltenen Sumpfblatterbse, wie Niederbichler erzählt. Hiervon seien auch Samen an die Bayern-Arche-Genbank an der Uni Regensburg geschickt worden. Für die Pflegemaßnahmen selbst ist Niederbichler nicht zuständig, die Verträge mit Landwirten organisiert die Untere Naturschutzbehörde. Aber Niederbichler vermisst beispielsweise die bearbeiteten Flächen, ist tagelang zu Fuß mit dem GPS-Gerät unterwegs. Für ihn ist das eine wichtige Arbeit. „So bin ich selbst draußen auf den Flächen und sehe die jahresmäßige Veränderung.“ Die Natur zu schützen, aber auch dem Menschen nahezubringen, darum geht es auch hier bei Kottgeisering, wo ein Beobachtungsturm entstehen soll. Hoffmann ist auch für das Projekt Weißstorchansiedlung zuständig, Horste wurden schon gebaut, doch der Vogel tauchte noch nicht auf. Abgeflachte Bereiche am Äußeren Mutterbaches sollen Störchen einen Zugang zu Wasser zu erlauben, um dort nach Nahrung zu suchen. Die Störche sind noch nicht da, aber das neue Ufer gefiel offensichtlich: Niederbichler entdeckt Pick- und Fußspuren: „Das könnte eine Bekassine gewesen sein.“ Übrigens auch eine Erfolgsgeschichte: Von zehn Brutpaaren 1999 ist die Population mittlerweile auf fast 40 in den letzten Jahren angestiegen.

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