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Landsberg

16.01.2019

Sagt das Tierheim in Landsberg zu oft „Nein“?

Martin Jörg ist jetzt mit seiner Hündin Simona glücklich. Er bekam sie über die „Hundehoffnung Ukraine“ und kritisiert in einer Facebook-Gruppe, dass ihm das Landsberger Tierheim keinen Hund vermittelt habe.
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Martin Jörg ist jetzt mit seiner Hündin Simona glücklich. Er bekam sie über die „Hundehoffnung Ukraine“ und kritisiert in einer Facebook-Gruppe, dass ihm das Landsberger Tierheim keinen Hund vermittelt habe.
Bild: Thorsten Jordan

Einige Interessenten wollten Hund oder Katze zu sich nehmen, bekamen aber eine Absage. Das kritisieren sie im Internet. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins bezieht Stellung

Verhält sich das Landsberger Tierheim bei Tiervermittlungen besonders rigide? Diesen Eindruck haben einige Leute, wie sie in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Landsberg, wenn...“ schreiben. „Es scheint mir, als will man in LL alle Tier behalten“, formuliert ein Teilnehmer. Einer hat trotz eines Gartens keinen Hasen erhalten, ein anderer bekam eine Hündin nicht zugeteilt und ein Mitglied, das sich zu seiner behinderten Katze eine blinde Katze aus dem Tierheim holen wollte, erhielt ebenfalls eine Ablehnung, so die Kritik in den Posts.

Weitergehende Vorwürfe wurden gelöscht: Gruppenadmin Brigitte Hübner begründet dies damit, dass Beiträge gelöscht würden, wenn einzelne Personen persönlich angegriffen würden.

Die Vermittlung scheiterte am fehlenden Metallzaun

Einer der Kritiker, Martin Jörg, antwortete auf die LT-Anfrage und erläutert, was ihm passierte und warum er das Tierheim in der Gruppe kritisiert. Der 31-jährige stammt aus dem Allgäu und lebt seit mehreren Jahren im Landkreis. Er wohnt außerhalb von Penzing am Waldrand und er und seine Freundin wünschten sich 2017 einen Hund. Sie wandten sich ans Tierheim und gaben laut Jörg auch an, keine Hundeerfahrung zu besitzen.

„Wir haben eine Hündin, sie hieß Estina, mehrfach dort besucht und es hat alles gepasst“, sagt Jörg, erinnert sich aber auch daran, dass Estina ein sehr aktiver Hund gewesen sei. Als sie den Hund nehmen wollten, habe es jedoch geheißen, es könnte sein, dass das Tier anfangs abhaut und es sei ein Metallzaun am Haus nötig. Martin Jörg empfand diese Forderung als unverschämt, zumal der Vermieter auch nicht zustimmte. Über die Organisation Hundehoffnung Ukraine habe er dann einen Hund bekommen: „Sie heißt Simona und ist glücklich, dass sie bei uns wohnen darf“, berichtet er auch in dem Chat. Eine Mitarbeiterin der Organisation sei damals gekommen und habe alles angesehen und für gut befunden.

Das Tierheim hält sich an Kriterien des Tierschutzbundes

Was sagt nun das Tierheim zu diesen Vorwürfen? Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Landsberg Detlef Großkopf, verweist darauf, dass man sich in der Vermittlung an die Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes halte und habe auch eine entsprechende Plakette bekommen. „Von 500 Tierheimen haben 100 diese Plakette.“ Vermittlungsvoraussetzungen seien auch auf der Homepage des Tierheims vermerkt.

Zu den konkreten Fällen, die in der Gruppe genannt wurden, kann er nichts sagen: „Sobald ein Tier vermittelt ist, werden die Vermittlungsakten aus Gründen des Datenschutzes vernichtet.“ Allgemein könne er sich aber äußern und mögliche Gründe nennen, warum die Tiere in diesen Fällen nicht vermittelt wurden.

Junge Hunde oder Welpen würden beispielsweise nur vermittelt, wenn der Garten eines Hauses eingezäunt sei. Möglicherweise sei der Hundeinteressent auch zu sehr in die Berufsarbeit eingespannt: „Wenn der Hund länger als vier oder fünf Stunden alleine ist, ist das ebenfalls ein Ablehnungsgrund.“

Es gehe alleine um das Schicksal des Tieres, betont Großkopf. Wichtig sei auch, dass die künftigen Besitzer und das Tier sich kennenlernen. „Der Hund sucht uns aus, nicht umgekehrt.“ Das Abschlussgespräch führe eine Tiervermittlerin, die selbst eine Hundeschule habe.

Kaninchen werden nur in eine Zweierhaltung vermittelt

Bei der blinden Katze könnte ein Ausschlusskriterium gewesen sein, dass noch andere Katzen im Haushalt waren. „Wir sind außerdem ein ländliches Tierheim und haben hauptsächlich Freigänger-Katzen zu vermitteln.“ Kaninchen würden nur an eine Stelle vermittelt, an der sie mindestens zu zweit sind, manchmal würden Geschwister auch nur gemeinsam abgegeben. Bei Vögeln würde anhand von Fotos die Größe der Voliere, die eine Mindestgröße haben müsse, geprüft.

„Eine Ablehnung liegt nicht an der Person, sondern an den Umständen“, betont Großkopf und nennt die Statistik von 2016 als Hinweis, dass man sehr viele Tiere vermittle: 159 Hunde seien im Tierheim gewesen. „Es waren 71 Tiere, die abgegeben wurden und 68 Fundtiere sowie ein Überhang von 20 Tieren aus 2015.“ 76 Tiere seien vermittelt und 64 Fund-Hunde an ihre Besitzer zurückgegeben worden. 2016 seien außerdem 94 Katzen und 102 Kleintiere vermittelt worden.

Detlef Großkopf hat auch schon einmal rechtliche Schritte angedroht

Detlef Großkopf hat auch den Chat in der Facebook-Gruppe gelesen, äußert sich aber als Vorsitzender des Vereins bei derartigen Diskussionen aber nicht. Bei einer anderen Diskussion hatte ein User formuliert, dass das Tierheim Katzen abfange, um sie vermitteln zu können. Da habe Großkopf ihm geschrieben und rechtliche Schritte angedroht, sollte er diese Behauptung, die für Großkopf den Tatbestand der üblen Nachrede darstellt, nicht löschen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Hund und Katz’ soll es gut gehen

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