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Dießen

28.06.2017

Schätze aus der Heimaterde

Wolfgang Lösche im Keramikmuseum.
4 Bilder
Wolfgang Lösche im Keramikmuseum.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Werkstatt und das Museum Lösche bewahren Dießener Keramiktradition. Und manchmal raucht und stinkt es am Kirchsteig auch.

Zu dem, was in Dießen Heimat ausmacht, gehört die Keramik, und zwar nicht nur, wenn der Töpfermarkt abgehalten wird. Die Herstellung von Tonwaren ist vielmehr seit vielen Jahrhunderten ein typisches Dießener Gewerbe.

Da lag es für Wolfgang Lösche nahe, das von seinem Vater und ihm aufgebaute Keramikmuseum als kulturgeschichtlichen Beitrag in die am Samstag eröffneten Kreiskulturtage mit dem Motto „Schnittstelle Heimat“ einzureihen. Bis zum 9. Juli ist täglich von 10 bis 18 Uhr Gelegenheit, sich von Wolfgang und Eva Lösche durch Museum und Werkstatt führen zu lassen.

Einzigartige Freiluftausstellung

Wer das Grundstück der Lösches in St. Georgen betritt, findet sich in einem einzigartigen Freiluft-Ausstellungsraum für Keramik wieder, in dem Tonwaren und Pflanzen einträchtig Zwiesprache halten. Es ist ein wildes Miteinander, das zwischen dem fast 400 Jahre alten Wohnhaus und der Werkstatt wächst und blüht: Neben den reifenden Johannisbeeren ranken sich Gurken hoch und wachsen Tomaten, daneben blühen Strauchrosen und rosa Mohn und haben Farne ihre ausladenden Blätter entrollt. Ziemlich in der Mitte des Gartens findet sich eine in unseren Breiten exotisch anmutende Pflanze: Einer von drei Granatapfel-Bäumen, die Symbolpflanze der historischen Dießener Keramik.

Ein Baum war es auch, der Wolfgang Lösches Vater Ernst (1923- 2010) den Weg zur Erforschung der alten Dießener Keramik ebnete. Als er 1979 einen Apfelbaum pflanzen wollte, stieß er auf Scherben der Dießener Fayencen aus der Barockzeit, das „plab-weiße“ Geschirr. Im 17. und 18. Jahrhundert durfte es in keiner Beschreibung des Marktortes fehlen, später geriet es aber weitgehend in Vergessenheit.

Der Fund war ein Schlüsselerlebnis für Vater und Sohn Lösche: Auf dem Gelände der 1945 gegründeten Lösche-Werkstatt hatte es schon um 1700 eine Hafnerei gegeben. Ausgerechnet der Ausschuss, die misslungen Stücke, hatten dort überdauert, diese hatten die Hafner Wilhelm Rauch und Andreas Erntl einfach irgendwo auf ihrem Grundstück entsorgt.

Viele Bruchstücke

Viele solche Bruchstücke – auch von anderen früheren Töpfern – sind heute im Werkstattmuseum ausgestellt. Aus all dem Scherbenmaterial, das sich wie ein großes Keramikpuzzle darstellt, bildete sich wieder eine Vorstellung von den historischen Dießener Hafnerwaren. Als in den 1980er-Jahren in der Baugrube für den Neubau des Kirchturms in verschiedenen Farben glasierte Dachziegel gefunden wurden, war dies für die Lösches ein Beleg dafür, dass in Dießen bereits im 15. Jahrhundert handwerkliche Fayencen hergestellt wurden, denn der gotische Turm der Klosterkirche mit seiner bunten Dacheindeckung war 1469 errichtet worden.

Die Fayencetechnik wurde dann auch für Geschirr angewandt. Während des Dreißigjährigen Krieges war es als Handelsware bereits überregional bekannt, wie aus einer Quelle von 1631 hervorgeht, als drei Dießener Hafner die Gründung einer weiteren Hafnerwerkstatt am Ort verhindern wollten.

Die blauen Dekore waren das Charakteristikum der Dießener Produkte und der Granatapfel ein typisches Motiv: Das antike orientalische Fruchtbarkeitssymbol wurde im christlichen Kontext zum Sinnbild für die Fruchtbarkeit des Geistes und für Jesus Christus umgedeutet. Ein im Dießener Rathaus als Leihgabe ausgestellter Krug von 1667 macht dies anschaulich: Schon das Gefäß an sich lehnt sich an die Form eines Granatapfels an, und auf den sechs Bildplatten ist zu sehen, wie sich ein Granatapfel vom Öffnen der Blüte bis hin zur reifen Frucht entwickelt. Eingereiht in diese Bildsequenz ist das Christusmonogramm IHS.

Ernst Lösche baute auf diesen historischen Vorbildern eine neue Produktlinie seiner Werkstatt auf. Granatäpfel, Tulpen und Spiralen schmücken Teller, Krüge, Schalen, Schüsseln, Tassen und Gartenkugeln. Durch den Vergleich mit den im Museum ausgestellten Funden war es auch mehrfach möglich, Krüge aus dem 17. Jahrhundert als Dießener Produkte zu identifizieren, sodass die Marktgemeinde seither zwei solcher Gefäße im Kunsthandel erworben hat, die sie im Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert.

Besonderes Interesse entwickelten die Lösches auch für die historische Technik des Schwarzbrands: Einen solchen Schwarzbrand werden sie am Samstag, 1. Juli, auch bei den Kreiskulturtagen zeigen: Frühmorgens wird der Brennofen angeheizt. Am Nachmittag, so zwischen 15 und 16 Uhr, wenn es im Ofen rund 1000 Grad heiß ist, wird dieser luftdicht verschlossen und durch die dann eintretende Reduktion färbt sich die Keramik schwarz. „Dann raucht, stinkt und kracht es“, verspricht Wolfgang Lösche den Besuchern ein ganz außergewöhnliches Erlebnis.

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