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Schondorf

29.12.2020

Schondorf: Wie die Rockmacherin der Corona-Krise trotzt

Mit Röcken fing es an: Inzwischen produziert "Rockmacherin" Caroline Herrmann-Lauenstein aus Schondorf ein größeres Sortiment an Bekleidung - auch für Männer.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Caroline Herrmann-Lauenstein aus Schondorf hat mit „Die Rockmacherin“ eine Marke für hochwertige Bekleidung etabliert. Auf Röcke allein beschränkt sich ihr Sortiment inzwischen nicht mehr.

Vor sechs Jahren begann Caroline Herrmann-Lauenstein aus Schondorf an ihrem Küchentisch damit, Röcke zu nähen. Unter dem Namen „Die Rockmacherin“ verkauft sie heute an zahlreiche Mode- und Trachtengeschäfte, die nächsten in unserer Region liegen in Garmisch (Grasegger), München und Bad Wörishofen. In der Corona-Zeit setzt sie mit einem neuen Projekt noch eins oben drauf.

Seit Kurzem gibt es Bekleidung aus Schondorf auch in einem Onlineshop – seit einigen Wochen können Liebhaber alltagstauglicher, handwerklich auf hohem Niveau gefertigter Mode mit Trachtencharakter sich ihre Lieblingsstücke aus der letzten Sommer- und der aktuellen Winterkollektion ganz bequem von zu Hause aus bestellen. Lange hat Lauenstein mit diesem Schritt, der die Läden wenig freut, gezögert. „Die Nachfrage danach bestand jedoch schon seit Jahren und nun, durch die coronabedingten Veränderungen, ist es einfach der Zeit geschuldet“, erklärt die 53-Jährige. Erste Bestellungen aus der treuen Fangemeinde seien schon eingetroffen, freut sie sich.

Vom Küchentisch aus erledigt sie ihre Geschäfte schon lange nicht mehr. Zusammen mit ihrer ersten Mitarbeiterin Claudia Weidner, zuständig für Kundenbetreuung, Buchhaltung und Versandsteuerung, zog sie nach zwei Jahren in Räume in der Landsberger Straße 3. Inzwischen besteht „Die Rockmacherin“ aus fünf Leuten, die Räumlichkeiten wurden auf 200 Quadratmeter vergrößert. Mit dabei ist auch Lauensteins Tochter Luise Herrmann, 24, die nach ihrer Schneiderlehre nun als Designassistentin die Bemusterung betreut. Caroline und Luise präsentieren ihre Mode auch gern selbst, so bei Fotoshootings für Magazine oder auf Messen.

Die Nachahmer ließen nicht lange auf sich warten

Durch Messen, so in Salzburg oder zusammen mit Grasegger in Farchant, konnte Lauenstein ihre Kollektionen auch in die zahlreichen Geschäfte bringen, denn dort entstanden die Kontakte zu den Ladenbesitzern. Dabei hat Lauenstein rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt – das Bewusstsein der Verbraucher für Qualität, handwerkliche Arbeit, Detailverliebtheit und Regionalität war gestiegen und damit auch die Bereitschaft, für diese Produkte einen angemessenen Preis zu bezahlen. „Schon bei der nächsten Messe gab es Nachmacher“, erinnert sich Lauenstein. Diese kopierten zwar ihren Stil, boten aber weit billiger an, und zwar sowohl preislich durch Fertigung im Ausland als auch die Qualität betreffend. Doch damit waren sie für Lauenstein keine ernst zu nehmende Konkurrenz. „Ich verkaufe keine Mode, sondern Bekleidung“, sagt die gebürtige Hamburgerin, die Maskenbildnerin gelernt und sich das Entwerfen und Nähen durch viel Ausprobieren selbst beigebracht hat. Genäht wird ausschließlich in Bayern aus Stoffen, die vorwiegend aus Deutschland und Österreich stammen.

Am Küchentisch fing Caroline Herrmann-Lauenstein mit dem Nähen von Röcken an. Daraus ist inzwischen eine bekannte Marke für hochwertige Bekleidung geworden.
Bild: Die rockmacherin/Lauenstein

Mode steht bei ihr für niedrige Preise und Schnelllebigkeit. Genau dieser will sie etwas entgegensetzen. Wer bei der Rockmacherin kauft, kauft sich ein Lieblingsstück, das nicht bis zu einem speziellen Anlass im Schrank verschwindet, sondern zu fast jeder Gelegenheit getragen werden kann – mal mit Trachtenjanker, mal mit Schlabberpulli oder mit einer Jeansjacke kombiniert, ergibt sich immer wieder ein neuer Style. Über die Jahre sind zu den Röcken auch Blusen, Shirts, Jacken und Strick dazugekommen sowie zwei weitere Linien, eine für Männer („Mannszeug“) und eine für jüngere Frauen („Frida by Rockmacherin“).

Nachhaltigkeit spielt für Caroline Herrmann-Lauenstein eine große Rolle

Nachhaltigkeit spielt im gesamten Geschäftsbetrieb eine wichtige Rolle. So wird plastikfrei versandt und Lauenstein ließ das Unternehmen als „Klimaneutrales Unternehmen“ zertifizieren. „Die Rockmacherin“ blickt zurück auf stetiges Wachstum – doch die Corona-Krise und das geänderte Einkaufsverhalten machen auch vor ihr nicht halt. Trotz Umsatzrückgang sei sie noch glimpflich davongekommen, räumt Herrmann-Lauenstein mit Blick auf die Trachtenbranche ein, die stark betroffen sei, da Trachten meist anlassbezogen gekauft werden. Die Kleidung aus Schondorf werde dagegen ganzjährig nachgefragt.

Caroline Herrmann-Lauenstein hat ihr Hobby erfolgreich zum Beruf gemacht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so in die Bekleidungsbranche einsteigen würde“, resümiert die Schondorferin lachend im Rückblick auf die Anfänge am Küchentisch.

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