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12.12.2007

Schreckgestalt und Lichterkönigin

Jedes Jahr wird am 13. Dezember in Schweden der Lucientag gefeiert. In Schulen, verschiedenen Gemeinschaften, Betrieben und Hotels tritt dort eine Luzienbraut mit brennender Kerzenkrone auf dem Haupt und mit langem weißen Kleid auf. Doch auch im Lechraingebiet ist die Heilige Lucia auf die eine oder andere Weise bekannt.

Ihr Name Lucia wird mit dem lateinischen lux "Licht" in Verbindung gebracht. So wurde sie in jüngerer Zeit zur Lichterbraut, zur "Lussibrud". Die Lucienhochzeit wird traditionsgemäß mit reichlich Genuss von Bier, Fleisch und Brot gefeiert werden. In früherer Zeit galt Lucia in Mitteleuropa als Schreckgestalt. In Altbayern wurde den Kindern gar mit ihr gedroht. Auch Nikolaus und Knecht Ruprecht waren Schreckgestalten. Von den Kindern wurden sie gefürchtet, aber kaum war der 6. Dezember glücklich überstanden, wurden die Kleinen schon wieder mutiger und frecher.

Solche Kinder fürchteten dann, dass ihnen die Lutzelfrau den Bauch aufschlitzt und Stroh und Kieselsteine hineinfüllt. Die reale Existenz der frühchristlichen Martyrin ist mit legendären Berichten durchwoben. Es wird erzählt, dass sie ihre Augen ausgerissen hat, weil sie die Liebe eines heidnischen Freiers geweckt habe, und ihm diese auf einer Schale überbringen ließ. Der verschmähte Liebhaber verriet sie daraufhin an den Präfekten der diokletianischen Christenverfolgung.

Nach mannigfachen, "wundersam" überstandenen Foltern, wurde Lucia mit dem Schwert getötet. Ihre Attribute "Schale mit Augen", "Halswunde", "Lampe" und "Palme" erinnern an ihr Martyrium in der Zeit um 300 n. Chr. in Syrakus. Dort bezeugt die Lucien-Katakombe die Existenz und Verehrung der frühchristlichen Heiligen. Im Mittelalter, bevor Gregor der VIII. den neuen Kalender einführte, galt der Luzientag als der kürzeste im Jahr. Es hieß: "St. Lutzen macht den Tag stutzen." Wie zu Neujahr wurden in der Luziennacht Zeichen gedeutet. Nach 23 Uhr erwarten junge Burschen, meist auf dem Heuboden, den "Luzienschein" - ein Licht, das nicht jedem sichtbar, langsam und zitternd, die Gestalt wechselnd, sich über den Dächern nähert.

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Es kann Glücks- und Todeszeichen sein. Laut Legende sah ein Bauernsohn, wie es über dem Haus seiner Braut erschien und erst die Form eines Kranzes, dann die eines Totenkopfes annahm. Er heiratete das Mädchen, die Schwiegermutter aber starb. Das Unternehmen ist nicht ungefährlich. Die Luzia rächt sich mit Krankheit und Unglück, wenn ein Bursche beim Warten auf den Schein einschläft.

In der Luziennacht wurde mancherorts - so auch am Lechrain - mit dem Zeichen des Luzienkreuzes ein Orakel begonnen, das am Neujahrstag endete. Mädchen schnitten nach Mitternacht die Rinde einer Weide am Bachufer auf, ritzten mit dem Messer auf die innere Seite der Rinne ein Luzienkreuz, befeuchteten die Stelle mit Bachwasser und drückten die Rinde fest.

Vor l Uhr musste man im Schutz des Hauses sein, sonst drohte der Tod. Am Neujahrstag wurde aus der Veränderung der eingeritzten Zeichen die Zukunft gedeutet. Diese Beispiele wie das übrige Brauchtum des Luzientages stehen im deutlichen Kontrast zwischen Verehrung einer Heiligen und Furcht vor einer Dämonin. Im Bayerischen und Böhmerwald, in Niederösterreich und im Burgenland herrscht die Schreckgestalt vor. Hier werden Ähnlichkeiten mit anderen wilden Frauengestalten wie der Bercht, Frau Holle und der Habergeiß sichtbar. In der Gegend von Neuhaus in Böhmen erscheint am Vorabend des 13. Dezembers die "Lucka". Junge Männer verkleiden sich als alte Frauen und tragen eine Vogelmaske. Auch die Habergeiß erscheint als vogelähnliches Ungetüm wie auch die Bercht mit eisernem Schnabel dargestellt wird.

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