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Hurlach

09.11.2019

Schreinerhandwerk: Ein Hurlacher ist ein richtig junger Meister

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Schreiner Philipp Kruppa öffnet seine Werkstatt. Hier steht er an der Kreissäge.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am „Tag des Schreiners“ öffnet der Hurlacher Phillip Kruppa seine Werkstatt. Über eine Leidenschaft zwischen Holz und Feuerwehr.

Ein junger Handwerksmeister, der gerne Verantwortung übernimmt und mit Spaß bei der Sache ist? Einer, der einen eigenen Betrieb aufgebaut hat und dazu dem Nachwuchs gerne eine Chance gibt? Gibt es das überhaupt noch in Zeiten, in denen die meisten Jugendlichen an die Unis drängen? Gibt es, und zwar in Hurlach: Phillip Kruppa, 25, hat sich vor genau eineinhalb Jahren mit seiner Möbel- und Bauschreinerei selbstständig gemacht und beschäftigt mittlerweile sechs Angestellte. Zum „Tag des Schreiners“ öffnet er am Samstag und am Sonntag, wie viele andere bayerische Innungsschreiner, seine Werkstatt und zeigt sein Können.

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Das Holz fühlt sich einfach gut an

Phillip ist der jüngste Sohn der Bürofachkraft Susanne Kruppa und des Küchenmeisters Jürgen Kruppa. Seine älteren Brüder sind Kfz-Meister und Dachdeckermeister, seine Schwester ist Ergotherapeutin. Was liegt da näher als auch ein Handwerk zu erlernen? Nach Schnupperpraktika bei all seinen Geschwistern war dem jungen Mann klar: Das will ich alles nicht. Aber Holz, das fühlte sich gut an. „Das ist ein tolles Material“, sagt Kruppa, „und Schreiner ist ein vielseitiger Beruf, da kann man individuell konstruieren, planen, tüfteln, bauen, das hat mich schon früh sehr gereizt.“

Also ab nach der Mittelschule Kaufering in die Lehre zur Kauferinger Schreinerei Holzmann. Den Abschluss hat er gleich mit 1,8 hingelegt. Ein „möbellastiges“ Gesellenjahr folgte, ein weiteres in der Pürgener Zimmerei Glogger. Dann, so Kruppa, gab es „einen Ausrutscher“, eine Zeit, da habe er „ein wenig gespinnert.“ Andere würden wohl einfach von einer Orientierungsphase sprechen. Phillip Krupa zweifelte, ob er tatsächlich sein Leben lang einen körperlich anstrengenden Beruf ausüben wolle und liebäugelte mit dem angestellten Feuerwehrmannsdasein.

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Und auch die Feuerwehr hat es ihm angetan

Feuerwehr, das war voll meins“, sagt Kruppa. Bereits mit 15 Jahren stieg er bei der Freiwilligen Feuerwehr Kaufering ein, bis heute ist er bei der Truppe in Hurlach aktiv. Er wurde also festangestellter Werksfeuerwehrmann am Flughafen Oberpfaffenhofen. Doch irgendwie war ihm das zu wenig und er begann mit der Polizei zu liebäugeln („Ich wollte unbedingt zur Hundertschaft“). Da aber intervenierte Vater Jürgen und sprach von „vergeudetem Talent“.

Allerdings musste er den Sohn wohl nicht lange überzeugen. Bruder Dominik hatte sich in Hurlach gerade eine schöne große Dachdecker-Werkstatt gebaut, die Eltern würden ihn unterstützen, seine Frau (ebenfalls gelernte Schreinerin) ebenso. „Bei uns in der Familie macht jeder seinen Meister“, also besuchte auch Phillip Kruppa weitere zwei Jahre die Münchner Meisterschule für das Schreinerhandwerk, schloss im April 2018 mit der Note 2,0 ab und gründete bereits einen Monat später in den Räumen des Bruders seinen eigenen Betrieb.

Arbeit gibt es immer genug

Schnell war klar: Arbeit gibt es genug. Und so stellte Phillip Kruppa bald einen befreundeten Schreinergesellen sowie einen weiteren Meister ein. Große Maschinen mussten angeschafft, ein ganzer Fuhrpark finanziert werden. „Ohne meine Eltern hätte ich das nicht geschafft, welche Bank gibt denn schon einem jungen Existenzgründer einen großen Kredit?“ Bis heute arbeiten Mutter Susanne Kruppa sowie Tante Caroline Hausner im Büro, der Vater hilft abends als „Hausmeister“. „Mein Ziel ist ganz klar“, so Kruppa, „bis ich 30 bin, möchte ich mich vergrößern und rund 15 Leute im Betrieb haben.“

Den Spaß an der Sache weitergeben

Schon jetzt verbringt der Chef mehr Zeit im Büro mit Planung, Konstruktion und Angebotserstellung als mit der Arbeit vor Ort. Die Möbelschreinerei wird hauptsächlich von den Meistern übernommen, die Bauschreinerei (Treppen, Parkett, Fenster) vom Gesellen. Zudem hat sich Kruppa vorgenommen, jedes Jahr einen Lehrling einzustellen, angefangen hat er mit einer jungen Frau. Wenn es nicht gerade ums Schleppen schwerer Gegenstände gehe, sind die Schreinerinnen den Männern im Beruf ebenbürtig, in der Konstruktion manchmal sogar überlegen, gibt Kruppa zu. Auch Praktikanten sind ihm willkommen, denn es ist dem jungen Schreinermeister ein Anliegen, seine Leidenschaft für den Beruf und seinen Spaß an der Sache weiterzugeben.

Die Vergrößerung des Betriebes steht kurz bevor: In der Nachbarschaft baut Phillip Kruppa zurzeit eine eigene große Werkstatt, in die er Anfang nächsten Jahren umzu-ziehen plant. Die rare Freizeit teilt er mit der Familie, seinem Patenkind, dem Berner Sennenhund, der freiwilligen Feuerwehr sowie dem Schützenverein Hurlach. Ganz wichtig ist ihm: Alle Spenden von Besuchern, die am „Tag des Schreiners“ für Speisen und Getränke eingehen, wird er der Freiwilligen Feuerwehr Hurlach spenden.

Termin Tag des Schreiners am Samstag, und Sonntag, 9. und 10. November jeweils von 9 bis 16 Uhr. Teilnehmende Betriebe unter https://www.schreiner.de/events-und-presse/tag-des-schreiners-2019/

Ein weiterer Bericht aus Kaufering:Schreiner lassen die Späne fliegen!

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