17.01.2010

Schubert mit Gitarre

Landsberg Auf ungewohntes Terrain haben sich die Landsberger Sopranistin Hermine Eicke und der Gitarrist Wolfgang Renner gewagt: Schubert-Lieder mit Gitarrenbegleitung. Das Kunstlied scheint in Landsberg jedoch über eine beachtliche Fangemeinde zu verfügen, denn der kleine Saal im Stadtmuseum platzte angesichts der Besucherzahl schier aus allen Nähten.

Auf dem Programm stand eine bunte Liedermischung, unter anderem aus "Die schöne Müllerin", "Schwanengesang" und "Winterreise".

200 Jahre altes Biedermeier-Instrument

Schubert-Lieder kennt der Konzertbesucher mit Klavierbegleitung und entsprechend sattem Klang. Wolfgang Renners Gitarre war hier eine Überraschung.

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Das 200 Jahre alte Biedermeier-Instrument bestach nicht nur durch seine hübsch verzierte, kleine Gestalt, es bot auch einen weichen, warmen und leicht heiseren Klang, der seinen ganz eigenen Charme hatte und die Zuhörer in die Zeit des Komponisten zurückversetzte. Das Instrument verlieh den Liedern damit einen jugendlichen, lebendigen Charakter. Souverän und temporeich gestaltete Renner die schwierige, komplexe Liedbegleitung und präsentierte sogar eindrucksvoll ein Solo-Instrumentalstück von Johann Kaspar Mertz.

Harmonisch passend zum schlanken Klang

Harmonisch passend zu diesem schlanken Klang präsentierte Sopranistin Hermine Eicke die pastorellenartigen Lieder frisch, frei und ungekünstelt und meisterte die zahlreichen anspruchsvollen Sprünge in der Tonhöhe - wie etwa in "Fischermädchen" - mit Leichtigkeit und präziser Intonation. Ausdrucksstark vermittelte die Sängerin dabei auch die Inhalte der hoch romantischen Texte sowie deren melodiös umgesetzte Stimmung. Schwieriger für die lyrische Sopranstimme gestalteten sich die eher schwermütigen, monotoneren Passagen in Liedern wie "Meeresstille" oder dem düsteren "Der Doppelgänger", die Tiefen im Pianissimo waren hier für Eickes Stimmlage nicht optimal.

Dennoch gelang es ihr gemeinsam mit dem Gitarristen, die Melancholie, beziehungsweise die Tragik und das Grauen der Stücke glaubhaft zu transportieren.

Die Schubert-Lieder mit Gitarrenbegleitung brachten einen Klang hervor, den man als "Kunstlied abgespeckt" bezeichnen könnte - das Schwere, emotional Überfrachtete, das man von mancher Darbietung kennt, hatte bei dieser Besetzung keine Chance.

Frisch und klar, leicht und jugendlich, wie sie vielleicht vom jungen Komponisten gedacht waren, vermittelten Hermine Eicke und Wolfgang Renner bekanntere ("Ständchen", "Der Wanderer") wie weniger bekannte Lieder.

Die Gitarre ließ an Kunstfertigkeit gegenüber dem Klavier als Begleitinstrument nichts zu wünschen übrig, was sicher auch teilweise an der feinfühligen Bearbeitung der Notensätze durch den Gitarristen lag.

Insgesamt eine äußerst gelungene, leichte und lebendige Interpretation der Gattung Kunstlied, die der Stimmung der Originaldarbietungen zu Schuberts Zeit sicher recht nahe kam.

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