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Landsberg

22.11.2018

Schulbegleiter: Einigkeit im Beirat, Kritik an der Wortwahl des Landrats

Das Thema Schulbegleiter bewegt derzeit den Landkreis. Sie kümmern sich um Kinder und Jugendliche mit seelischen Behinderungen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Sondersitzung des Inklusionsbeirats: Was die Mitglieder zu den Aussagen von Landrat Thomas Eichinger sagen. Einer ist jedes Mal deprimiert, wenn er in den Jugendhilfeausschuss muss.

Als inakzeptabel bezeichneten Monika Groner (GAL) und Christoph Jell (Beauftragter für Menschen mit Behinderung) die Wortwahl von Landrat Thomas Eichinger ( CSU) in Sachen Schulbegleiter. Dazu hatte es am Donnerstagmittag eine Sondersitzung des Inklusionsbeirats im Landratsamt Landsberg gegeben.

In der Sache gab Monika Groner dem Landrat allerdings recht. „Ich sehe das Problem und kann auch nicht alles nachvollziehen, aber wir müssen akzeptieren, dass die Eltern vom Gesetz her das Recht haben, einen solchen Schulbegleiter zu fordern.“ 46 dieser Integrationshelfer wird es im nächsten Jahr im Landkreis geben. Und sie werden rund 550.000 Euro mehr als 2018 – also 1,1 Millionen Euro – kosten. In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses hatte Eichinger den Anstieg der Helfer als „epidemieartig“ bezeichnet, und der Leiter des Jugendamtes Peter Rasch das Jugendamt als ein „Opfer der Inklusion“.

Der Landrat verteidigt seine Wortwahl

Thomas Eichinger verteidigte seine Wortwahl am Donnerstag. „Es ging nicht um eine Erkrankung und ich habe niemanden diskriminiert, es geht um das überproportionale Wachstum an Schulbegleitern. Deshalb habe ich das Wort bewusst so gewählt.“ Die fundamentale Ausdehnung in diesem Bereich müsse noch politisch durchdacht werden. Er könne sich nicht vorstellen, dass diese Art von Förderung besser sei als ein Förderzentrum, in dem die Kinder in angemessener Form von Fachleuten betreut werden. „Ich rede mit vielen Eltern, deren Kinder ins Förderzentrum gehen. Alle sind dankbar und froh und die Kinder zufrieden.“ Sonderpädagogische Klassen seien ebenfalls eine gute Alternative und hätten einen guten Zuspruch. „Aber damit können wir nicht alles bewältigen.“

Lesen Sie dazu auch: Schulbegleiter: Die deutlichen Worte des Landrats und ihre Folgen

Eine nicht mehr nachvollziehbare Entwicklung

Der Fuchstaler Bürgermeister Erwin Karg sagte, die Zahlen bewegen sich in eine Richtung, die ihm Angst macht. „Ich bin jedes Mal deprimiert, wenn ich vom Jugendhilfeausschuss ins Fuchstal fahre. Es geht in eine Richtung, die nicht mehr nachvollziehbar ist.“ Christoph Jell betonte, dass Schulbegleiter auch in den Förderzentren eingesetzt werden, nicht nur in den Regelschulen. „Jeder hat das Recht auf eine Schulbildung.“

Hans-Peter Bichler, Beirat für Menschen mit Behinderung, forderte, dass nicht das Jugendamt, sondern das Kultuswesen die Ausstattung für Schulen herbeischaffen müsse und damit auch die Kosten trage. Das sei momentan nicht der Fall. Er sah auch die Förderzentren als die richtige Alternative an. „Hier sind die Fachleute. Man kann nur den Kopf schütteln, wenn man glaubt, die Schulbegleiter könnten dem gerecht werden.“ Sie seien eine Hilfskonstruktion, aber keine Hilfe bei der Inklusion, sagte Bichler.

Die Schulbegleiter werden eingeladen

Einige der Teilnehmer im Beirat bestätigten, dass die Kinder nicht integriert werden, wenn sie einen erwachsenen Begleiter in der Klasse mit dabeihaben. Das mache sie noch mehr zum Außenseiter. Deshalb sei es auch grotesk, dass manche Eltern Angst haben, ihre Kinder in Förderzentren zu schicken, denn gerade dort seien sie nicht isoliert. „Aber mit diesem Vorschlag braucht man vielen nicht zu kommen“, meinte Hans-Peter Bichler.

Axel Flörke (Landsberger Mitte) bestätigte die Sicht, dass sich Kinder oft noch mehr als Außenseiter fühlen, wenn sie begleitet werden. Er schlug vor, die derzeit 25 Schulbegleiter einzuladen und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen. „Dann können wir uns alle ein Bild machen.“ Ein Vorschlag, der allen Beiratsmitgliedern gefiel. Landrat Thomas Eichinger versprach, das Thema auch mit in den Landkreistag zu nehmen. „Wir müssen hier politisch etwas bewegen. Denn dieses Thema ist die Folge einer UN-Resolution und wir können uns das auf Dauer nicht leisten.“

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