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Kirche

12.06.2014

Schwestern haben Kloster Wessobrunn verkauft

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Die Eingangstür des Klosters Wessobrunn. Vor zwei Jahren sind die Missions-Benediktinerinnen hier ausgezogen. Die Suche nach einem Käufer für das stattliche Anwesen hat sich schwierig gestaltet.
Bild: Thorsten Jordan

Nach langer Suche hat das Anwesen den Besitzer gewechselt. Die neue Eigentümerin ist eine Unternehmerin.

Über 1300 Jahre reicht die Geschichte des Klosters Wessobrunn zurück. Benediktinermönche haben hier lange gewohnt, die Ungarn haben es einmal niedergebrannt, bis 2012 lebten schließlich die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen auf dem Anwesen südlich des Ammersees. Seit ihrem Auszug vor zwei Jahren stand der Gebäudekomplex allerdings leer, ein Käufer wurde verzweifelt gesucht.

Nun beginnt ein neues Kapitel in der Klostergeschichte: Die Naturkosmetik-Herstellerin Martina Gebhardt hat das Anwesen gekauft, im Laufe des Jahres wird sie nach und nach mit ihrem Unternehmen vom sechs Kilometer entfernten Pessenhausen nach Wessobrunn ziehen. Gestern Nachmittag hat Schwester Hildegard Jansing ihr im Kloster offiziell den Schlüssel überreicht. Über den Kaufpreis wollten Gebhardt und die Schwestern keine Auskunft geben.

Für die Benediktinerinnen sei es kein leichter Schritt gewesen, allerdings ein notwendiger, wie Jansing sagt. „Alles hat seine Stunde“, zitierte sie aus dem Alten Testament. Für alles gebe es „eine Zeit fürs Pflanzen“ und auch „eine Zeit, um das Gepflanzte wieder auszureißen“. Von 1955 bis 2001 haben die Schwestern in Wessobrunn ein Jugendkurheim geführt. Diesen „wichtigsten Aufgabenbereich“ mussten sie aber aufgeben, sagt Jansing, auch Nachwuchs sei nicht mehr nachgekommen. 2012 waren die elf verbliebenen Benediktinerinnen schließlich aus dem Kloster ausgezogen, exakt 99 Jahre nach dem Einzug ihrer Glaubensschwestern. Ein Käufer für das Anwesen hatte sich lange nicht gefunden, auch Gespräche mit der bayerischen Staatsregierung waren immer wieder gescheitert. Geld, erzählt Jansing, sei dabei nicht das Problem gewesen. Vermögende Bieter hätte es einige gegeben, aber den Schwestern sei es wichtig gewesen, das Kloster an einen Käufer zu geben, der es in ihrem Sinne weiterführt. Denn, sagt Jansing, „dieses Kloster ist unser kostbarstes Gut“.

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Dass Martina Gebhardt nun die Käuferin ist, sei deshalb für die Schwestern eine „zukunftsweisende Nachricht“. Sie sei überzeugt, dass die Unternehmerin die harmonische Einheit des Gebäudes wahren und die „spirituelle Kraft des Ortes nutzen wird“, sagt Jansing.

Gebhardt entwickelt seit mehr als 30 Jahren Naturkosmetik. Ihre nach ihr benannte Firma vertreibt 140 Produkte weltweit, 30 bis 35 Angestellte arbeiten am jetzigen Standort in Pessenhausen. Die einzelnen Abteilungen sollen in den kommenden Monaten umziehen.

Dass sie nun die neue Besitzerin des Klosters ist, kann Martina Gebhardt noch immer nicht ganz glauben. Als sie zum ersten Mal gehört habe, dass es zum Kauf steht, habe sie es fast nicht fassen können. „Das ist doch so etwas unglaublich Beständiges“, sagt sie. Nun werde sie daran arbeiten, das Anwesen wieder zu beleben. Das Kloster soll kein reiner Produktionsort werden, sagt sie. Seminare sollen hier stattfinden, auch ein Museum über die Geschichte der Benediktiner könne sie sich gut vorstellen. Eines sei ihr bei der Gestaltung besonders wichtig: Diesen „Kraftort“ mit möglichst vielen Menschen zu teilen.

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