Malen und Zeichnen

22.04.2016

Sehr besondere Engel

In der Galerie im Fritz-Winter-Atelier präsentiert der Augsburger Maler und Zeichner Georg Bernhard derzeit seine geflügelten Wesen auf speziellem Büttenpapier.
Bild: Maren Martell

Die geflügelten Wesen von Georg Bernhard sind in Dießen zu sehen

„Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen und gesetzt selbst, es nähme mich einer plötzlich ans Herz: Ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des schrecklichen Anfang ... Ein jeder Engel ist schrecklich.“ Für Rainer Maria Rilke waren die Engel furchterregend-schrecklich und faszinierend-schön zugleich. So ist es seinen Duineser Elegien zu entnehmen. Und was sind sie für den Augsburger Georg Bernhard? Statuarisch, dynamische, scharf konturierte und ekstatisch verwirbelte Wesen, fleischlich und skelettiert, mit Flügeln versehen, verbunden durch strenge Schraffur und Linien. Der Dießener Galerist Michael Gausling präsentiert bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren die Arbeiten des „begnadeten Malers und Zeichners“, wie es in der Einladung zur Vernissage zu lesen ist. Diesmal sind Engel und Mythen der Antike das Thema. In der Galerie im Fritz-Winter-Atelier werden Arbeiten mit unterschiedlichen Techniken gezeigt.

Zu sehen ist diese einmalige Ausstellung noch bis 29. Mai. Für Bernhard-Fans ein absolutes Muss.

Den Tanz der Engel hat Bernhard auf speziellem Büttenpapier mit Rohrfeder und Tusche festgehalten. Eine beeindruckende Technik. Die Farben Sepia und Schwarz dominieren hier. Wie Roboter, wie Maschinen- oder Drahtwesen erscheinen die Engel. Parallelisierte Linien sind es, die Bernhard mit großer Akribie dort aufgetragen hat, in fast ewig sich wiederholender Reproduktion. Fast erscheint es, als habe sich der Künstler einer Schablone bedient. „Zeichnen ist für mich wie Meditieren. Da geht man in sich. Das macht unheimlich Spaß und ich habe eine unendliche Geduld“, bekennt der 87-Jährige. Dabei strebt er überhaupt nicht nach Eleganz, auch wenn seine Feder regelrecht übers Blatt zu tanzen scheint. Für ihn steht die Qualität absolut im Vordergrund. „Nicht das Was ist entscheidend, sondern das Wie.“ Bei ihm komme alles vom Herzen, von der Seele heraus.

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Beim Zeichnen fühle er sich völlig frei, sagt er im Gespräch mit Wolfgang Zäh. Und so ist auch das Büttenpapier ein ganz besonderes Material, das sich Bernhard in Italien sucht, unter alten Folianten oder Geschäftsbüchern. „Das ist so stark, dass es von alleine steht. Und beim Zeichnen springt die Feder. Das gibt dem Ganzen einen ganz besonderen Ausdruck.“

Seit mehr als 40 Jahren hat sich Bernhard dem Zeichnen verschrieben. Für sein Werk ist er mehrfach mit nationalen und internationalen Kunstpreisen sowie Stipendien bedacht worden. Auch ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Als er 1948 in die Akademie der Bildenden Künste in München eintrat, war er der jüngste – „und wohl auch frechste“ – Student und Meisterschüler von Professor Hermann Kaspar. Heute bekennt er sich immer gerne als „malender Zeichner und zeichnender Maler“. So auch in Dießen, wo er nicht nur seine Engel präsentiert, sondern auch die Antike heraufbeschwört. „Das sind Themen, die auch heute noch Gültigkeit haben. Die sind für mich wertvoller als all die Zufälligkeitsszenen, wie zum Beispiel ein Autounfall“, betont der Augsburger Künstler.

Galerie im Fritz-Winter-Atelier, Forstanger 15 a, Dießen, Donnerstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Im Internet

www.fritz-winter-atelier.de

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