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Landsberg

19.01.2019

Seit 25 Jahren heißt es im Landratsamt: „Müller, Pressestelle“

Seit 25 Jahren ist Wolfgang Müller Pressesprecher im Landratsamt Landsberg. Thomas Eichinger ist sein dritter Chef als Landrat - nach Erwin Filser (rechts) und Walter Eichner (links).
Bild: Thorsten Jordan

Wolfgang Müller ist für die Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt zuständig. Jeder Arbeitstag ist für ihn spannend: von Vogelgrippe, über Pizza-Skandal bis hin zu verwahrlosten Tieren.

Er dürfte nach dem Landrat der Mitarbeiter im Landratsamt sein, der am häufigsten in den Medien erscheint: Wolfgang Müller, der Sprecher der Landsberger Kreisbehörde. Seit 25 Jahren und inzwischen unter dem dritten Landrat ist er bereits in dieser Position tätig. Und eine andere Stelle, macht der 59-Jährige klar, will er bis zu seinem Ruhestand auch gar nicht mehr einnehmen.

„Müller, Pressestelle“, ganz knapp meldet sich Wolfgang Müller am Telefon, das passt irgendwie zu seinem Amtsverständnis: „Aufgabe eines Pressesprechers ist, dass er sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern die Nachricht und das Haus.“ Und die liefert Müller meist kurz und knackig – und auch ganz schnell gesprochen. Mitschreiben kann eine echte Herausforderung sein.

Im Gespräch erzählt Müller denn auch mehr von seiner Arbeit als von sich selbst. Natürlich weiß er noch, was er in seiner allerersten Pressemitteilung aus dem Landratsamt kurz vor Weihnachten 1993 meldete. Ein Unternehmer aus Kaufering, der sich bald darauf infolge der CDU-Spendenaffäre in die Schweiz und nach Kanada absetzte, stiftete damals dem Sozialamt 5000 D-Mark, die bedürftigen Familien zugedacht werden sollten.

Pro Jahr werden rund 250 Pressemitteilungen verschickt

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit war damals im Landratsamt noch ganz neu: Zuvor war der wichtigste Auskunftsgeber für Presseanfragen der damalige Amtschef Jürgen Felbinger gewesen. Auch für Müller war die Öffentlichkeitsarbeit damals nur ein Zweitjob neben dem Controlling, in dem er schon ab 1990 tätig gewesen war.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Schlagzahl der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt erhöht. Auf 500 bis 700 schätzt er die jährlich im Landratsamt eingehenden Medienanfragen, und dazu kommen die eigenen Aussendungen: „Im vergangenen Jahr haben wir aktiv knapp 250 Pressemitteilungen rausgegeben, früher waren es nur 50“, blickt Müller zurück. Diese wurden 1994 noch mit Fax und Brief verschickt. Die E-Mail kam Ende der 1990er-Jahre, ein Quantensprung sei das damals gewesen – und es wird nicht der letzte für Müller sein. In einigen Monaten will sich das Landratsamt auch verstärkt in den Sozialen Medien bewegen, kündigt Müller an. Da ist bislang auf Facebook nur der Landrat selber unterwegs. Ein Social-Media-Manager soll die Pressestelle in den nächsten Monaten verstärken.

Wolfgang Müller leitet auch das Büro des Landrats

Müller ist kein gelernter Journalist, sondern Verwaltungsfachwirt und leitet das Büro des Landrats mit mehreren Mitarbeitern. Das sei für einen Behördensprecher ein Vorteil: Durch seine Ausbildung kenne er sich „in nahezu jedem Rechtsbereich in den Grundzügen aus“. Das Schöne an der Sprechertätigkeit sei für ihn wiederum, „dass ich nie so tief in Gesetzestexte eindringen und keine Bescheide schreiben muss“.

Als weiteren Vorteil für seine Tätigkeit sieht Müller an, dass er – auch wenn er der Liebe wegen seit 1985 in Buchloe lebt – ein gebürtiger Landsberger ist. Seit seiner Kindheit ist ihm der Landkreis vertraut. Lange Zeit spielte Müller beim TSV Landsberg und beim FC Buchloe Fußball. Heute trifft er sich mit Gleichgesinnten in den Herbst- und Wintermonaten jeden Samstag um 7.45 Uhr in der Buchloer Eishalle zum Eishockeyspielen.

Bald gibt es einen eigenen Social-Media-Manager

Als Sprecher bekommt Wolfgang Müller die ganze Vielfalt der Aufgaben eines Landratsamts mit. Fragt man ihn nach den thematischen Highlights der vergangenen 25 Jahre, nennt er als erstes die Pizza-Affäre 2008. Damals machte die Kreisbehörde bundesweit Schlagzeilen, als sie Bußgelder gegen Pizzabäcker verhängte, deren Teigfladen kleiner waren als angegeben. Auf den medialen Hohn und Spott reagierten der damalige Landrat Walter Eichner und Pressesprecher Müller mit Humor: indem sie selbst vor laufender Fernsehkamera Pizzen vermaßen. Und bald darauf hätten zwei private TV-Sender mit eigenen Pizza-Kontrollen gezeigt, dass tatsächlich auch andernorts Pizzen kleiner sind als angegeben, erinnert sich Müller.

Einen weiteren Höhepunkt hatte Müller 2006 mit der Vogelgrippe erlebt: Einer der ersten mit H5N1 (der Virustyp kommt Müller noch immer routiniert über die Lippen) infizierte Vögel wurde ausgerechnet im Landkreis Landsberg – an der Staumauer in Schwabstadl – gefunden. „Der Sitzungssaal im Landratsamt war voll mit Fernsehteams.“ Und dann war auch noch diese Facebook-Party, die 2012 in Kaufering für einen Ausnahmezustand sorgte.

Die Aufgaben sind vielfältig

„Das Schöne an dem Job ist, man weiß in der Früh nie, was passiert“, findet Müller. Da fällt ihm auch die Sache mit den verwahrlosten Kühen ein, die von einem Bauernhof geholt werden sollten. Weil Müller mit einem entsprechenden Medienauflauf rechnete, war er selbst in Gummistiefeln vor Ort. Auf Mikrofone und Kameras stieß er dort zwar nicht. Aber ein Teil der Tiere brach aus und so wurde auch der Pressesprecher zum Einfangen des Viehs eingespannt.

„Ein wirklich interessanter Beruf“, sagt Müller. Auch nach 25 Jahren gebe immer wieder neue Fragen, auf die er als Behördensprecher Antworten geben müsse. Wie viele Biber werden im Jahr im Landkreis „letal entnommen“, also von Jägern erlegt? Warum sind in einer Fischzucht in Dornstetten Störe verendet? Wie werden diese Fische überhaupt fachgerecht gehalten? Wie kommt im Fasching eine weihnachtliche Bandansage auf das Telefon des Landratsamts? Oder erst diese Woche: Warum stinkt es in der Zulassungsstelle so?

Am wichtigsten ist dem Pressesprecher die Behörde

„Aber manchmal braucht man auch Nerven“, erzählt Müller weiter. Ein robustes Nervenkostüm habe er sich aber zugelegt: „Irgendwann denkt man sich, ich lasse mich von nichts aus der Ruhe bringen.“ Und zum Schluss wiederholt Müller nochmals seine eiserne Regel: „Die Nachricht und das Amt müssen im Vordergrund stehen, sonst wird man in diesem Amt nicht alt.“ Und noch eins: Keinen Raum für Spekulationen bieten oder lassen.

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