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Schwabhausen

30.09.2020

Seit 60 Jahren spielt Josefine Welz in Schwabhausen die Orgel

Seit 60 Jahren spielt Josefine Welz in Schwabhausen die Orgel. Für ihren Dienst wurde sie jetzt bei einem Gottesdienst geehrt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Josefine Welz begleitet seit ihrer Jugend die Gottesdienste in Schwabhausen. Auch im Berufsleben spielte die Musik bei ihr eine große Rolle.

60 Jahre Organistendienst in der Pfarrkirche Schwabhausen – wie anders als mit besonders schöner Musik könnte ein solches Jubiläum gefeiert werden. Beim sonntäglichen Gottesdienst wurde Organistin Josefine Welz, die seit sechs Jahrzehnten auf der Orgelempore ihren „Arbeitsplatz“ hat, von Pfarrer Thomas Wagner mit Urkunde und Anstecknadel geehrt. Ein Chemiker stellte neben den Eltern der Organistin damals die Weichen.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gabriele Notz bedankte sich im Namen der kirchlichen Gemeinde mit lieben Worten und einem üppigen Blumenstrauß. Die Organistin machte sich zu ihrem Jubiläum selbst ein besonders schönes musikalisches Geschenk. Gemeinsam mit Franz Thoma (Trompete) gab sie dem Gottesdienst den passenden festlichen Rahmen.

Orgelunterricht für drei Mark pro Stunde

Josefine Welz ist gebürtige Schwabhausenerin. Dass sie einmal Orgel spielen würde, war nicht unbedingt vorgegeben. Im Religionsunterricht in der Volksschule sei sie vom damaligen Lehrer und Pfarrvikar Pater Zeno Bucher gefragt worden, ob sie nicht Orgel spielen lernen möchte. „Der Gedanke war für meine Eltern weit hergeholt“, erinnert sich die heute 76-Jährige. Mit zwölf Jahren bekam sie trotzdem ersten Orgelunterricht – „für drei Mark pro Stunde“.

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Sie hatte keine musikalische Vorbildung, „ich habe da erst die Notenwerte gelernt“. Ihr Lehrer war Dr. Hans Kössel, von Beruf Chemiker, in der Freizeit Organist in Schwabhausen. „Die ersten öffentlichen Versuche an der Orgel mit Volksgesang waren mehr schlecht als recht“, meint Josefine Welz rückblickend schmunzelnd. Hin und wieder sei ihr der Spott der Mitschüler am Tag darauf gewiss gewesen. „Mein Gedanke aber war ‚niemals den Mut verlieren’.“

Studium der Schulmusik

Später startete die junge Schwabhausenerin ins Berufsleben. Den für sie – eigenen Aussagen nach – selbst unentbehrlichen Organistendienst in Schwabhausen hatte sie mittlerweile von Hans Kössel übernommen. „Nach fünf Jahren im Büro stellte ich bei mir eine gewisse Unzufriedenheit fest.“ Mutig meldete sie sich am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg an und wurde genommen. Nach zwei Jahren Studium der Schulmusik mit Hauptfach Orgel und weiteren zwei Jahren für Zusatzfächer und pädagogischer Ausbildung begann der Schuldienst in Mering.

Zu Hause in Schwabhausen übernahm die Junglehrerin neben ihrer Tätigkeit an der Orgel auch den Kirchenchor. „Wir haben viele anspruchsvolle Messen und Chorwerke aufgeführt“, berichtet sie voller Stolz. Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, Messe in G-Dur von Franz Schubert, kleine Orgelsolo-Messe von Joseph Haydn – in Schwabhausen gab es offenbar keine Scheu vor großen Namen und deren Werken. Gemeinsam mit Aushilfen aus Ramsach und Geltendorf und einem treuen Streichquartett aus Mering meisterten die Sänger und Instrumentalisten des kleinen Orts jede Hürde.

Josefine Welz hatte mittlerweile Mann und drei Kinder. Das hinderte sie nicht an weiteren Aktivitäten – im Gegenteil. Gemeinsam mit dem musikalischen Nachwuchs der Gemeinde gestaltete sie Kindermetten, Schülergottesdienste, Erstkommunionen, Erntedankfeiern. „Ein Weihnachtsspiel aus dieser Zeit ist mir noch im Gedächtnis. Dank vieler fleißiger und einsatzfreudiger Mitwirkender standen bei der Aufführung Engel in allen Größen im Kirchenraum verteilt und verkündeten die Weihnachtsbotschaft.“ Das sei eine großartige Leistung vieler Helfer, inklusive Ehemann Franz, gewesen.

Musiklehrerin in der Familien- und Altenpflege

„Meine interessantesten Erlebnisse hatte ich während einer siebenjährigen Tätigkeit als Musiklehrerin in einer Fachschule für Familien- und Altenpflege.“ Diese hatte Josefine Welz nach ihrer Verabschiedung aus dem Schuldienst begonnen. Schüler im Alter zwischen 18 und 50 Jahren aus verschiedenen Ländern – das hatte sie neugierig gemacht.

Seit mehr als 30 Jahren umrahmt Josefine Welz auch Gottesdienste in Klosterlechfeld. Angefangen hat es mit den Messen am Sonntagabend, der Franziskanerpater Jakob habe sie seinerzeit darum gebeten. Die Patres sind mittlerweile weggezogen, Josefine Welz musiziert immer noch. Und das nicht wenig: „Ich spiele dort verschiedene Gottesdienste, begleite auch den Kirchenchor.“

Im Lauf der Jahre habe sie 45 Orgeln kennengelernt und durfte auf ihnen spielen. „Das erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.“ Das alles soll noch längst nicht zu Ende sein. „Gesundheitlich bin ich sehr zufrieden“, sagt die 76-Jährige. Die musikalische Arbeit mache nach wie vor sehr viel Freude. „Etliche Klavierschüler unterrichte ich ebenfalls noch.“ Was sie in dem Zusammenhang besonders freut, ist, „dass drei meiner Orgelschüler, die auch beim Fest zum 60. Jubiläum dabei waren, mittlerweile selbst eine Kirchenmusikstelle innehaben“. Die drei sind Franziska und Johannes Weißenbach sowie Hanni Gistl. Sie sind in umliegenden Pfarrgemeinden als Organisten tätig.

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