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Landsberg

11.08.2018

Sepp Wörsching, der Ur-Landsberger

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In Landsberg kennt ihn fast jeder: Sepp Wörsching ist ein Tausendsassa.
Bild: Julian Leitenstorfer

Geboren ist der Tausendsassa zwar in Salzburg. Landsberg ist für ihn aber der „Garten Eden“ und die Bühne ist seine Passion. Ein Porträt über ein künstlerisches Multitalent.

„Sie wirken immer positiv, strahlen so viel Optimismus aus, und das mein’ ich ernst, das ist keine Lobhudelei.“ Der eines Tages beim Spaziergang durch die Stadt von einer fremden Dame so Gelobte ist ein Ur-Landsberger und allseits bekannt. Sepp Wörsching ist zwar irgendwie schon immer in der Stadt, geboren aber wurde er am 20. Januar 1939 in Salzburg.

„Mein Vater war dort im Baubüro der Reichsautobahn beschäftigt“, erzählt er. „Vier Wochen später war ich aber schon in Landsberg und bin seither nie mehr weg.“ Warum auch, Landsberg ist für den Sepp, der seit 24 Jahren hoch oben unter dem Dach der Städtischen Sing- und Musikschule wohnt, schließlich „der Garten Eden“. Warum? „Wir sind in 20 Minuten am Ammersee, in einer halben Stunde am Starnberger See, ebenso lang dauert die Fahrt nach Augsburg. München erreichen wir in einer Dreiviertelstunde und das Hochgebirge nach einer Stunde.“

Ein Bürgermeister erkannte sein Talent

Sepp Wörsching besuchte die Volksschule, „damals noch Knabenschule“, meint er schmunzelnd, anschließend die Handelsschule. Er machte eine Banklehre, wechselte in die freie Wirtschaft. Ältere Landsberger werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass der Sepp eine Weile lang ein Musikfachgeschäft im Hinteren Anger betrieb. Was finanziell nicht ganz einfach war – aber wie immer im Leben des Sepp – eine Lösung flatterte ihm scheinbar zufällig zu. Der damalige OB Hanns Hamberger habe ihn gefragt, ob er nicht ins Fremdenverkehrsamt wechseln möchte. Er könne doch so gut mit Menschen umgehen, habe Hamberger gemeint. „Außerdem konnte ich Englisch und auch etwas Französisch.“ Letzteres schwemmte Wörsching für zwei Wochen nach Saint Laurent du Var. „Ich hab‘ dort alles für die Städtepartnerschaft eingefädelt.“ Und nebenbei sein Französisch auf Vordermann gebracht.

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Eigentlich wollte Sepp Wörsching Musik studieren

Die Oberbürgermeister wechselten, Franz Xaver Rössle hatte neue Pläne mit Sepp Wörsching. Fürs Forstamt suche er jemanden mit Kenntnissen im Kaufmännischen“, habe Rössle gesagt und ihm dort eine Stelle angeboten. „Diese zehn Jahre bis zu meiner Pensionierung waren die schönste Zeit meines Arbeitslebens“, erinnert er sich. „In dem Amt waren wir wie eine große Familie, von den Forstarbeitern und Förstern bis zum Chef Dr. Gerhard Gaudlitz.“ Sepp Wörsching hat seine Bekanntheit aber nicht mit seinen beruflichen Ambitionen erlangt. Er war – und ist – Zeit seines Lebens Sänger, Sprecher, Schauspieler, zuweilen alles in einem. „Ein Musikstudium wäre mein Ding gewesen“, sagt der 79-Jährige, „für meinen Vater war das aber kein Beruf.“ Der Großvater aber, der wäre sicher angetan gewesen, meint er. Als Sechsjähriger saß er schon auf der Orgelbank in der Kauferinger Kirche und hat den Opa bewundert, wie er dirigierte und gleichzeitig Tenor sang.

Mit neun Jahnren begann Wörschings musikalische Laufbahn in der Singschule. „Die Traudl (Leiterin Gertraud Moratschek) hat mich sofort für den Kirchenchor engagiert, als Knabensopran.“ Wörsching leitete den Landsberger Männerchor. In dem habe die „Landsberger Elite“ gesungen und ihn jungen Pimpf anfangs nicht so ganz akzeptiert. Derzeit dirigiert er „mit großem Spaß“ den Uttinger Männerchor – selber singt er nicht mehr. Das Akkordeon – autodidaktisch und mit viel Unterstützung von Alfons Schmidt gelernt – ist sein Instrument. Wörsching hat das Akkordeonorchester Amper-Lech gegründet und jahrelang geleitet.

Das Akkordeon liebt er

Das Akkordeon begleitet ihn auch heute noch bei seinen monatlichen Besuchen im Heilig Geist Spital, wo er mit den Senioren singt. Zweite Leidenschaft ist das Theater. 1958 hat Sepp Wörsching erstmals beim Ruethenfestspiel mitgewirkt. 1963 dann, beim nächsten Ruethenfest, haben ein paar Theaterverrückte die Laienspielbühne gegründet. „Ich bin das einzige noch lebende Gründungsmitglied.“ 70 oder 80 Stücke habe er im Lauf der Zeit gespielt, „mit dem ‘Besuch der alten Dame’ war Schluss.“ Warum? „Weil unsere Maskenbildner nicht in der Lage sind, einen jugendlichen Liebhaber aus mir zu schminken“, meint der Sepp feixend.

Neben Profischauspielern zu agieren, sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen, sagt Wörsching über sein Engagement bei der „Hexe von Schongau“. Dabei seien intensive Freundschaften, beispielsweise mit Volker Prechtel oder Wolf Euba entstanden. Das Ruethenfest: Das Landsknechtslager am Sandauer Tor hat Wörsching mitbegründet, bei sechs Kinderfesten hat er die Fahnenschwinger fit gemacht. „Ich hab den Walzer abgeschafft, nach dem die Landsknechte ihre Fahnen schwingen sollten, und den Herzog von Braunschweig Marsch eingeführt.“ Das war ihm nicht genug, also hat er Stefanie Brandthaus (Pfeiferl) und Stefan Schmid (Trommeln) gebeten, etwas zu komponieren. Wenn im kommenden Jahr wieder Ruethenfest ist und die Fahnenschwinger ihre Kunst zeigen, dann erklingt diese Komposition.

Einige Dinge hat Wörsching vor

Sepp Wörsching hat Projekte mit der Fraunhofer Saitenmusik gemacht, und dann gibt es die immer noch bestehenden Kooperationen mit Hans-Günter Schwanzer. Wer hat nicht schon der „Heiligen Nacht“ von Ludwig Thoma oder dem frech aufgehübschten Märchen Hänsel und Gretel gelauscht, gelesen von Sepp Wörsching und musikalisch begleitet vom Blechbläserensemble unter Schwanzers Leitung. Die Vortragsqualitäten haben auch seine beiden Enkelinnen schon entdeckt. „Opa, lies bitte was vor“, heißt es da schon mal, wenn er seinen Sohn besucht. Ja, Familie hat er auch, „meine Frau und ich haben aber getrennte Wohnungen“.

Das Alter? „Das Alter macht mit keine Angst“, sagt Wörsching sehr überzeugend. „Ich habe nur Sorge, dass ich nicht mehr alles hören kann, was ich noch hören will, und dass ich nicht mehr die Zeit habe, alles zu lesen, was ich noch nicht kenne. Claude Debussy zum Beispiel, dessen Musik hab ich erst vor zehn Jahren so richtig für mich entdeckt.“ Natürlich möchte er weiterhin seine Theater- und Opernbesuche pflegen. Und wenn er mal älter ist und Zeit hat, „dann schreib ich Erlebnisse und Episoden aus meinem Leben auf“.

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