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Landsberg

26.02.2018

Sie haben die fünfte Lehrerin in sechs Monaten

Die Buben und Mädchen der Klasse 2c an der Landsberger Platanenschule bekommen schon wieder eine neue Lehrerin - es ist die fünfte innerhalb eines halben Jahres. Das ärgert die Eltern.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Personalsituation an vielen Grundschulen im Landkreis ist angespannt. Das spüren momentan vor allem die Schüler und Eltern der Klasse 2c an der Landsberger Platanenstraße.

Als die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2c der Grundschule an der Platanenstraße in Landsberg am Montag ins zweite Halbjahr gestartet sind, taten sie das mit ihrer inzwischen fünften Klassenleiterin in diesem Schuljahr. Das sorgt bei den Eltern für Unmut. Sie fürchten, dass der wiederholte Wechsel der Bezugspersonen ihre Kinder um den Lernerfolg bringt.

Die Personalsituation an den Grundschulen ist angespannt. Zum Schuljahr 2017/18 konnte das Schulamt im Landkreis Landsberg zwar alle Klassenleiterstellen – manchmal auch mit Tandem-Lösungen mit zwei teilzeitbeschäftigten Lehrerinnen – besetzen. Doch die „Mobilen Reserven“, also Pädagogen die bei Krankheitsfällen aushelfen, waren zum Schuljahresbeginn für langfristige Erkrankungen praktisch schon aufgebraucht. Bei der 2c wurde dann noch die Klassenleiterin schwanger und ab 27. November krankgeschrieben. Eine Grund- und Hauptschullehrerin, die Ende Januar in Ruhestand trat, half als Mobile Reserve aus, bis sie selbst krank wurde. Seit Weihnachten teilte sich ein Tandem aus zwei Teilzeit-Lehrerinnen aus der Mobilen Reserve die Klassenleitung. Jetzt wurde Eltern und Kindern der nächste Wechsel mitgeteilt: Das Tandem werde abgezogen, es komme eine neue Lehrerin.

Für die Kleinen ist die Lehrerin eine Bezugsperson

Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Zweitqualifikantin“. Solche Zweitqualifikantinnen sind Real- und Gymnasiallehrerinnen, die auf Grundschullehramt umsatteln, erklärt Schulamtsleiterin Monika Zintel. Sie sollen innerhalb von zwei Jahren nachqualifiziert werden, um die Personallage an den Grund- und Mittelschulen zu entspannen. Deshalb sei zwingend vorgesehen, dass solche Quereinsteiger eine Klasse leiten müssen.

Bei den Eltern der Schüler aus der 2c hält sich die Begeisterung darüber jedoch in Grenzen: Klassenelternsprecherin Juliane Sobotta fürchtet um den Lernerfolg der Kinder. So habe sie gesehen, dass bei ihrem Sohn die Leistungskurve bei einem Lehrerinnenwechsel abfalle, weil die vertraute Bezugsperson nicht mehr da sei. Denn, so sagt Sobotta: Die Lernmotivation gerade für Erst- und Zweitklässler liege auch darin, etwas für die Lehrerin zu machen. Außerdem befürchtet Sobotta, dass eine Gymnasiallehrerin nicht alle didaktischen und inhaltlichen Kenntnisse habe, um Zweitklässler zu unterrichten, die gerade die richtige Handhabung des Füllers und die Schreibschrift lernen.

Die neuen Lehrer sollen nicht in der 1. oder 4. Klasse unterrichten

Eine weitere Mutter, Alexia Scherer, blickt auch darauf, dass die Zweitklässler erstmals Noten bekommen. Die zum Halbjahr abgehaltenen Lernentwicklungsgespräche seien von den Tandem-Lehrerinnen gehalten worden, die Umsetzung der darin festgehaltenen Ziele sei nun Sache der neuen Lehrerin. Gab es da im Landkreis keine andere Stelle für die neue Lehrerin, fragen sich Scherer und Sobotta.

Laut Schulamtsleiterin Monika Zintel Nein: Pädagogen, die von Realschule oder Gymnasium an eine Grundschule wechseln, sollen weder eine erste Klasse (hier gehe es ja erst einmal darum, Schreiben, Lesen und Rechnen zu erlernen) noch eine vierte Klasse (Übertritt) leiten. Außerdem sollte die neue Lehrerin an eine größere Schule gehen, wo sie auch die Unterstützung von Kolleginnen aus den Parallelklassen bekommen kann.

Schwangerschaften sind auch ein „Problem“

Dass der Lehrerwechsel so kurzfristig kam, erklärt Zintel so: Die neue Kraft sei nach bestandenem Examen in den Faschingsferien von der Regierung von Oberbayern zugewiesen worden. Fünf Tage vor dem geplanten Lehrerwechsel wurden die Eltern von Schulleiterin Ruth Wiedemann darüber informiert. Sie bat die Eltern, ihren eventuellen Unmut nicht die neue Lehrerin spüren zu lassen. Diese werde sicherlich ihr Bestes geben.

An der neuen Lehrkraft werde man den Ärger nicht auslassen, versichern die beiden Mütter. Sie kritisieren vor allem die amtliche Informationspolitik und dass erst einmal niemand im Schulamt für sie zu sprechen gewesen sei. Da sieht auch Erich Bachmaier, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Handlungsbedarf: Er glaubt, dass solche Lehrerwechsel eher akzeptiert würden, wenn dies die Regierung besser erklären würde. Generell sei das Zweitqualifikanten-Programm aber besser als keine zusätzlichen Lehrkräfte für die Grund- und Mittelschulen zu bekommen.

Die angespannte personelle Lage an den Grund- und Mittelschulen habe auch damit zu tun, dass der „Lehrkörper“ älter geworden sei: „Wenn jemand über 50 ist, werden Operationen und Langzeiterkrankungen immer mehr“, erklärt Bachmaier. Und bei den ganz jungen Lehrerinnen seien Schwangerschaften oft eine Herausforderung für die Personalplanung.

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