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Landkreis Landsberg

06.01.2019

Sie haben königliche Namen

Gibt es heutzutage noch Menschen, die den Namen der Heiligen Drei Könige tragen? Ja!Kaspar Sanktjohanser und Sohn Kaspar aus Dießen zum Beispiel.
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Gibt es heutzutage noch Menschen, die den Namen der Heiligen Drei Könige tragen? Ja!Kaspar Sanktjohanser und Sohn Kaspar aus Dießen zum Beispiel.
Bild: Thorsten Jordan

Gibt es heutzutage noch Menschen, die den Namen der Heiligen Drei Könige tragen? Das Landsberger Tagblatt hat nach Kaspar, Melchior und Balthasar gesucht

Die Namen der Heiligen Drei Könige - Caspar, Melchior und Balthasar - hört man im Alltag fast nie. Doch zum Jahresbeginn, besonders am 6. Januar, dem Dreikönigstag, dafür umso häufiger. Der Überlieferung nach sollen die Heiligen Drei Könige vor 2019 Jahren mithilfe eines Sterns das Jesuskind in der Krippe gesucht haben. Als Gaben hatten sie Weihrauch, Myrrhe und Gold dabei. Heutzutage laufen bis zum 6. Januar Sternsinger, von Tür zu Tür, um den Segen in die Häuser zu bringen und um Spenden zu sammeln. Doch wer trägt eigentlich heutzutage noch den Namen Caspar, Melchior oder Balthasar? Das Landsberger Tagblatt hat nach Namensträgern gesucht.

Der Name Kaspar hat in der Familie Tradition

Zumindest bei der Familie Sanktjohanser aus Dießen ist der Name Kaspar nicht gerade selten. „Bei uns in der Familie ist es Tradition, den Namen Kaspar von Generation zu Generation weiterzugeben. Ich habe ihn auch an meinen Sohn weitergegeben, er ist jetzt schon der vierte Kaspar in unserer Familie“, sagt der 62-jährige Kaspar Sanktjohanser, Chef der Dießener Landmaschinenfirma Sanktjohanser. „In meiner Kindheit wurde ich schon oft auf meinen Namen angesprochen, aber heute eigentlich nicht mehr.“ Das würde, seiner Meinung nach, wahrscheinlich daran liegen, dass sein Name in Oberbayern nicht so selten sei. „Meinen Namen finde ich schon in Ordnung. Ich hab' ihn mir ja nicht aussuchen können, aber es passt schon“, erzählt Sanktjohanser.

Auch einen Melchior konnte das Landsberger Tagblatt ausfindig machen. Der 74-jährige Melchior Keller aus Petzenhausen kommt durch seine Vorfahren zu seinem Namen. Schon der Bruder seines Großvaters habe den Namen Melchior getragen, berichtet er. „Drei Brüder meines Vaters hießen sogar Kaspar, Melchior und Balthasar“, erzählt Keller. „Inzwischen gefällt mir mein Name gut, aber als kleiner Junge war ich nicht immer zufrieden damit.“ Angesprochen werden würde er schon häufig. „Wahrscheinlich, weil der Name einfach nicht so oft vorkommt.“ Bei Familie Keller wird am 6. Januar auch der Namenstag von Melchior Keller gefeiert. „Meinem Namenstag verbringe ich mit meinen Kindern und Enkelkindern. Wir trinken Kaffee und essen Kuchen“, erzählt Keller. Unter seinen Kindern und Enkeln gibt es jedoch keinen Caspar, Melchior oder Balthasar.

Wie die Heiligen Drei Könige beschrieben werden

Einen Balthasar fanden wir schließlich noch in Igling: „Ich habe meinen Namen dem Baumeister und Architekten Balthasar Neumann zu verdanken“, erzählt der Versicherungsfachwirt Balthasar Langrock aus Igling. Seine Mutter habe Neumanns Bauwerke, beispielsweise die Residenz in Würzburg, so schön gefunden. „Den Namen selbst fand sie natürlich auch schön.“ Er werde oft auf seinen Namen angesprochen, erzählt der 37-Jährige. Dabei seien die Meinungen seiner Mitmenschen allerdings gespalten. „Viele sagen, dass sie den Namen schön finden, manche finden ihn aber auch schrecklich.“ Er selbst möge aber seinen Namen. Als Kind erzählt Langrock, war er einmal auch als Sternsinger unterwegs.

Die Namen der Heiligen Drei Könige sind übrigens erst Jahrhunderte nach Christi Geburt erstmals genannt worden. Der Evangelist Matthäus gibt keine Auskunft darüber, wie sie hießen. In seinem Evangelium wird weder von Königen noch von drei Männern gesprochen. Der Evangelist erwähnt nur „Weise aus dem Morgenland“.

Später erst schloss man aus der Anzahl der Gaben, dass die Männer zu dritt waren. Laut dem ökumenischen Heiligenlexikon tragen sie erst seit dem 8. Jahrhundert die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Melchior soll das Gold, Balthasar den Weihrauch und Kaspar die Myrrhe überbracht haben. Außerdem soll Balthasar ein Greis, Melchior ein Mann mittleren Alters und Kaspar ein Jüngling gewesen sein.

Die Namen sind echt selten geworden

Und welche Bedeutung haben die Namen der Heiligen Drei Könige eigentlich? Laut dem Heiligenlexikon ist der Name Kaspar persisch und bedeutet „Schatzmeister“. Melchior kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „König des Lichts“. Der Name Balthasar hat eine babylonisch-hebräische Herkunft und bedeutet „Gott schütze sein Leben“.

Doch wie verbreitet sind die Namen der Heiligen Drei Könige eigentlich? Von 1000 Neugeborenen erhielten in den vergangenen Jahren deutschlandweit ungefähr zwei den Namen Caspar. Nicht einmal ein Promille aller in Deutschland Neugeborener werden Balthasar genannt, denn diesen Namen tragen von 10.000 nur rund drei Buben. Der Name Melchior ist noch seltener, denn nur circa einer von 10.000 Neugeborenen in Deutschland trägt diesen Namen, so die Smart Genius Vornamensstatistik. Also es dürfte noch einige Caspars, Melchiors und Balthasars mehr im Landkreis geben als die Sanktjohansers, Melchior Keller und Balthasar Langrock.

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