1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Sie hat erforscht, wie Utting wieder zusammenwachsen kann

Utting

06.09.2018

Sie hat erforscht, wie Utting wieder zusammenwachsen kann

Michika Neugebauer aus Utting hat eine Masterarbeit über ihren Heimatort geschrieben.
Bild: Thorsten Jordan

Michika Neugebauer hat eine Masterarbeit über ihren Heimatort Utting geschrieben. Es geht vor allem um das Zusammenleben. Warum sie glaubt, dass sich die Leute mehr engagieren sollten.

Die 29-jährige Uttingerin Michita Neugebauer hat in ihrer Masterarbeit das Leben in ihrem Heimatort untersucht. Dabei ist sie zu dem Ergebnis gekommen, dass die Gemeinschaft dort in Zukunft nur funktionieren wird, wenn alle umdenken.

Michika Neugebauer hat Non-Profit-Management in Innsbruck und Reims studiert und zuletzt ihren Master an der Hochschule München in Community Development gemacht. Der Titel ihrer Arbeit: „Gemeinwesenentwicklung im ländlichen Raum“. Ihre Kommilitonin Julia Soriat-Castrillón hat die identischen Untersuchungen in ihrem Heimatdorf in Unterach am Attersee im Salzkammergut gemacht. Beide Dörfer sind nämlich vergleichbar: Ein See (Ammersee/Attersee) und Tourismus, Großstadtnähe (München/Salzburg) und „Speckgürtel“. Beide erforschten sie die Lebensqualität in ihren Gemeinden. Sie haben Empfehlungen erarbeitet, wie Dorfentwicklung nachhaltig gestaltet werden kann.

Viele Neubürger haben keinen richtigen Bezug zum Ort

Nach sieben Jahren Abwesenheit durchs Studium ist Michika Neugebauer inzwischen ganz in ihr geliebtes Utting zurückgekehrt. Powerfrau, die sie ist, hat sie mit Michael Neugebauer – sie kennen sich seit der Kindheit – bereits eine Familie gegründet: Sohn Lukas ist zehn Monate alt. Man lebt mit den Urgroßeltern in einem Haus.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für ihre Masterarbeit interviewte Michika Personen, die aktuell in Utting leben, stellte Fragen zu deren Zufriedenheit, zu Kritikpunkten und zu ihren Zukunftsvorstellungen. Sie sprach mit Menschen im Alter zwischen 25 und 90 Jahren.

Dabei stellte sie fest, dass sich die Dorfgemeinschaft heute in kleinere Gruppen aufteilt als früher und dass das Zusammengehörigkeitsgefühl sinkt. Sie sagt: „Das liegt vor allem daran, dass Utting so stark gewachsen ist – von rund 3000 Einwohnern am Ende des Jahrtausends auf bald 5000 heute.“ Das seien oft Neubürger, die beruflich nach München oder Augsburg pendeln und so kaum mehr einen Bezug zum Ort entwickeln. „Allenfalls über Kindergarten und Schule lernen sie sich kennen, bewegen sich dann aber bevorzugt in dieser Gemeinschaft. Die Alteingesessenen bleiben unter sich.“

Was allen Uttingern fehlt

Michika Neugebauer hat erfahren, dass sich auch unter den „Eingeborenen“ getrennte Gruppierungen bilden: Hier die Jungen, da die Alten. Viele Ältere sagten, dass heute in Utting nichts mehr los sei, keine Faschingsumzüge, keine Tanzveranstaltungen. „Das mag subjektiv sein, denn die Vereine, die Feuerwehr oder die Wasserwacht feiern ja durchaus auch heute ihre Feste. Aber es wird so empfunden.“

Flächendeckend und altersübergreifend kamen Klagen über fehlende kleine Läden und einer nicht vorhandenen Dorfmitte, von der mangelhaften Anbindung an öffentliche Verkehrsmitteln und dass es keinen großen Raum für Veranstaltungen gäbe.

„Ich habe die Arbeit aber nicht geschrieben, um nur Defizite aufzuzeigen.“ Vielmehr möchte Michika Neugebauer auf Basis der Befragungen neue Wege aufzeigen, die dringend eingeschlagen werden müssten, „wenn wir unsere Kommune lebenswert gestalten wollen“. Michika Neugebauer wendet sich also nicht nur an die Bewohner, sondern sie möchte auch den Gemeindegremien Entscheidungshilfe geben.

Es gibt aber auch viele positive Beispiele

Ihr Stichwort heißt „aktive Bürgerbeteiligung“. Michika: „Die Bürgerinnen und Bürger müssen ihre Komfortzone verlassen und in die Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen gehen.“ Die Politik müsse ihnen den Spielraum dafür lassen. Die Gemeinde solle von unten nach oben gestaltet werden und nicht nur von oben nach unten.

In Utting sieht sie aber bereits jetzt durchaus viele positive Ansätze wie etwa den Wochenmarkt, den Bürgertreff „17&Wir“ oder den Verein „Füreinander e.V.“, um nur einige Beispiele zu nennen. „Das sind Einrichtungen wie aus dem Lehrbuch. Dort treffen sich die Generationen.“ Aber das könne nur ein Anfang sein. Angesichts des demografischen Wandels müssten sich viel mehr Menschen engagieren, um die Gemeinde zu gestalten.

Info Am Montag, 17. September, um 19 Uhr werden Michika Neugebauer und Julia Soriat-Castrillón über ihre Forschungsergebnisse berichten und anschließend mit den Zuhörern diskutieren. Der Ort: Bürgertreff „17&Wir“, Bahnhofstraße 17 in Utting.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
_JOR4570.JPG
Dießen

Ammersee-Gymnasium: Millionensanierung steht an

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen