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Landkreis Landsberg

28.11.2017

Sie ist mehr als nur ein Weihnachtsbaum

Die Waldbesitzervereinigung Landsberg war auf Exkursion. Im Wald zwischen Stadl und Mundraching begaben sich die Teilnehmer auf die Suche nach der Weißtanne.
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Die Waldbesitzervereinigung Landsberg war auf Exkursion. Im Wald zwischen Stadl und Mundraching begaben sich die Teilnehmer auf die Suche nach der Weißtanne.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Waldbesitzervereinigung Landsberg macht sich für die Weißtanne stark. Sie soll als Alternative zur Fichte für eine wirtschaftliche Zukunft der Waldbauern sorgen.

Vier Wochen vor Heiligabend befassten sich Waldbauern aus dem Landkreis mit der Tanne. Allerdings nicht, um diese zu fällen und für das Fest der Feste vorzubereiten. Beim Waldtag der Waldbesitzervereinigung (WBV) Landsberg ging es viel mehr darum, die Weißtanne als Alternative zur weitverbreiteten Fichte ins Bewusstsein zu rücken.

24. November 2017, strahlend blauer Himmel und Temperaturen um die 15 Grad. Niemand mochte angesichts dieser Wetterlage an Weihnachten denken. Auch die zahlreich angereisten Waldbesitzer nicht, die den Informationstag in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) nutzten, um sich dem planmäßigen Waldumbau mit Weißtanne, Douglasie und Ulme zu einem gesunden Mischwald zu widmen. Sie wollten erfahren, wie eine Auslesedurchforstung perfekt organisiert wird und wie sich Tanne und Jagd durchaus in Einklang bringen lassen. Die Weißtanne, Baum des Jahres 2004, soll in unserer Region verstärkt angesiedelt werden. Denn sie ist – anders als die Fichte – klimastabiler, vor allem im Hinblick auf Trockenheit oder Stürme, erfuhren die Waldbesitzer.

Rehe naschen gerne an den jungen Weißtannen

Im Waldgebiet der Gemeinde Vilgertshofen zeigte Simon Springer, Forstreferendar im Staatlichen Forstdienst, beispielhaft, wie eine Aufforstung mit Douglasien und Weißtannen erfolgen kann. Rund 175 Weißtannen wachsen derzeit nahe Mundraching in einem eingezäunten Bereich. Gleich nebenan wachsen Douglasien, geschützt vor möglichem Verbiss mit einem Maschenwerk aus Kunststoff heran. Schutz sei wichtig, um den Jungpflanzen den Start ins Leben zu ermöglichen. Denn, so erfuhren die Teilnehmer von Revierleiter Erwin Schmid: „Das geht nicht immer ohne Zaun, weil zum Beispiel Rehe sehr naschhaft sind und besonders gerne das fressen, was im Wald selten zu finden ist“, erläuterte Revierleiter Erwin Schmid den Waldbesitzern. Trotzdem konnte Schmid am Beispiel einer Fläche im Staatsforst zeigen, dass mit einem geregelten Abschussplan das Gleichgewicht zwischen Wild und Wald aufrecht erhalten werden kann.

„Die eine hat hängende Zapfen, die andere stehende“, erklärt Johann Schlemmer, Bauingenieur im Holzbau, den leicht erkennbaren Unterschied zwischen Fichten und Tannen. Vorteil der Tanne sei unter anderem ihre Harzfreiheit, was sie für den Möbel- und Innenausbau besonders attraktiv mache. Und, so kurz vor Weihnachten für jedermann interessant: Die Tanne nadelt wesentlich weniger als die Fichte. Sie eignet sich also bestens als Christbaum. Die Weißtanne gelte als „Charakterbaum des Schwarzwaldes“ berichtete der Fachmann weiter. Schwarzwaldhäuser seien fast durchweg aus dem Holz der Weißtanne gebaut, die auf optimalen Standorten bis zu 60 Meter hoch werden könne.

Die Durchschnittstemperatur steigt

Welche „tragende Kraft“ das Holz der Weißtanne mitbringe, zeigten Bauwerke wie die Freilichtbühne in Altusried oder das Freiburger Münster und die „Schirme“ der Expo 2000 in Hannover, ergänzte Schmid seine Ausführungen. „Vor 20 Jahren hätten wir uns nicht vorstellen können, dass die Jahres-Durchschnittstemperatur bei uns einmal bei neun Grad liegen könnte“, sagte Günter Biermayer, der Leiter des AELF in Fürstenfeldbruck, mit Blick auf den Klimawandel. Noch in den 1960er-bis 1990er-Jahren hätte die Durchschnittstemperatur bei 7,4 Grad Celsius gelegen. Diese Entwicklung und immer häufiger auftretende, schwere Stürme führten dazu, dass der Bestand an Fichten in den vergangenen Jahren stark geschrumpft sei.

Mit dem Aufforsten der „doch recht klimastabilen Weißtanne“ habe man eine gute Option, die wirtschaftliche Zukunft des Waldes zu sichern. Als einen Vorteil der Weißtanne stellte Biermayer heraus, dass eine junge Weißtanne sehr gut im Schatten der vorhandenen Fichten aufwachsen könne. „Wir haben also mit der Pflanzung der Weißtanne schon eine gewisse Absicherung gegen Stürme oder andere Schadensereignisse der Zukunft.“

Wie eine Auslese-Durchforstung dem Wald seine Stabilität und damit seine Wirtschaftlichkeit bringen kann, erfuhren die Zuhörer von Martin Mall, dem Geschäftsführer der WBV Landsberg. Beratungsförster Frederik Birkmeier informierte anhand einer Erstaufforstungsfläche, wie schon heute für eine ertragreiche Holzernte in 60 oder 70 Jahren gesorgt werden kann.

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