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Landsberg

26.11.2017

Sie können richtig gut blättern

Hier muss man mitmachen: Kabarett mit Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub im Landsberger Stadttheater. In der Mitte „Nancy“.
Bild: Julian Leitenstorfer

Zuschauer müssen bei „Ohne Rolf“ mit auf die Bühne. Aber sie dürfen nicht sprechen.

Die eingeschworene Fangemeinde des Umblätterkabaretts sorgte für komplett volles Haus, einige bekamen keine Karten mehr für das neue Programm, mit dem Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg, alias „Ohne Rolf“ auf ihrer Schweiz-Deutschland-Belgien-Tournee die begeisterten Besucher des Stadttheaters zu einem stillschweigenden, klugen Sprachspektakel mitnahmen. Diesmal führten drei, statt der gewohnten zwei Trittleitern zum Kommunikationszentrum, einer Vorrichtung zum Einhängen von zirka tausend Plakaten, mit denen die Künstler sprachlos und wortgewandt gehobene Unterhaltung zelebrierten. In einem fantasievollen Auswahlverfahren wurde mittels in einen Graphomaten gesteckten Bewerbungskarten für Jonas Ersatz gesucht, der das Zeug zum Blättern hat und in die Mitte genommen wurde.

Eine Flug von Freiwilligen

Aus einer Flut von Aspiranten, wie Journalisten, Pädagogen, Dentalhygienikern, Urschreitherapeuten und anderen , wurden Zuschauer auf die Bühne geholt und so verblüffend in die stillen Dialoge integriert, dass es zunächst den Anschein hatte, sie seien vorher gebrieft worden, was jedoch nicht der Fall war.

Es entwickelten sich vergnügliche Sprachspiele voller Wortwitz, philosophisch, intelligent, zum Mitlesen auf Blättern, bei denen auch zwischen den Zeilen einiges zu entdecken war. Nacheinander bewarben sich der Spezialist fürs Kleingedruckte, der einsilbige Inder Rashid, der die ihm gestellten schwierigen Fragen nur mit ja oder nein beantwortete, ein Chirurg, der seinen Alltag minuziös aufdröselte, „Herz, Schnitt, Blut, Puls, Schwester küssen“, bis er in den Oberengadin zu einem Privatpatienten gerufen wurde. Nancy from Alabama, die ein guter Ersatz gewesen wäre, Deutschkenntnisse sind zum Blättern nicht erforderlich, oder den Hypnotiseur und Gedankenleser Erich Salamander, dem es mühelos gelang Jonas und Christof in Trance zu versetzen. Eine Journalistin klärte auf, das Allerwichtigste seien die „W-Fragen“. Vielbeschäftigt war auch die junge Dame mit launischem Charakter unterwegs, die als Tod dem „Seitenwechsel“ Sinn gab, aber zwischendurch zu einem Herzinfarkt ins Engadin musste. Die Plakate von Jonas waren gezählt. Wie traurig, das letzte Wort war „Hmpf“, doch am Ende des Tunnels gab es das gleißende Licht des Theaterscheinwerfers und frenetischen Applaus für alle Beteiligten an dem zweistündigen Programm voll bemerkenswerter Komik.

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