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Wirtschaft

12.11.2019

Silicon Valley am Penzinger Feld

Als kreative Ideenschmiede sieht sich das Industrial Maker Space am Penzinger Feld in Landsberg. Dort können industrielle Projekte vorangetrieben werden.
Foto: Julian Leitenstorfer

Im Osten von Landsberg sind Mietflächen für Start-ups und Tüftler entstanden. Was man von Google lernen kann, erleben die Teilnehmer eines Infoabends

Seit fast einem Jahr steht am Penzinger Feld das Industrial Maker Space. Inhaber Thomas Dittler sieht ihn als Raum der Möglichkeiten, „um Dinge zu denken, zu machen und zu demonstrieren“. Die Idee des Industrial Maker Space sei inspiriert durch das Silicon Valley, wo er seit 1993 Projekte durchführe, sagte Dittler vor rund 70 Besuchern. Sie informierten sich über die Idee des weiterentwickelten Co-Working-Space, bekamen aber auch bei einem Vortrag von Aprajita Jain Einblicke in den Internetriesen Google. Eingeladen hatte die IHK München und Oberbayern.

Industrielle Projekte sollen im Industrial Maker Space Raum finden. „Hier werden sie fit gemacht für die Serienproduktion“, sagte Dittler. Die Infrastruktur für modernes Arbeiten sei vorhanden, nur das eigene Equipment müsse mitgebracht werden. Genutzt werden die Räume, sprich 1400 Quadratmeter Industriehalle und 800 Quadratmeter Büros, beispielsweise von Hirschvogel und Elektra Solar. Auch E-Carsharing wird angeboten. Dittler plant bereits weiter: Ein zweites Gebäude soll nebenan entstehen, außerdem Prototypenlabor und Werkstätten, und zukünftig sollen auch Seminare abgehalten werden.

Was macht den Erfolg von Google aus? Aprajita Jain, seit 16 Jahren bei Google in USA im Bereich Werbung, zählte als Antwort darauf die sieben Prinzipien des Unternehmens auf, die von den Mitarbeitern täglich gelebt werden. „Innovation kommt von überall“ bedeute flache Hierarchien, jeder dürfe und solle Ideen einbringen.

Anhand vieler Beispiele zeigte Jain, die indische Wurzeln hat und in Deutschland aufgewachsen ist, dass aus kleinen Ideen Großes entstehen kann. „Launchen und iterieren“ heiße bei Google, dass neue Produkte schnell, aber nicht perfekt ausgereift auf den Markt kommen. Über Anregungen der Nutzer werde das Produkt kontinuierlich verbessert.

„Scheitern ist erlaubt“ laute eine weitere Devise, und Google gehe sogar noch weiter und belohne Scheitern durch den „Mutigen Pinguin Preis“. Das solle Mut machen, neue Ideen auszuprobieren und aus Fehlern könne viel für neue Projekte gelernt werden. „Bei Google gibt es kein Nein, aber...“, sagte Jain. „Vielmehr ein Ja, und...“ 20 Prozent ihrer Zeit sollen Angestellte so nutzen, wie sie wollen. Der Grund: Viele Ideen, die in große Projekte wie „Maps“ oder „Street View“ mündeten, seien in der Freizeit entstanden. „10x Denken“ rege dazu an, groß zu denken, nicht Bestehendes zu verbessern, sondern radikale Lösungen und Durchbruchtechnologien zu entwickeln.

So sei die neue Windenergietechnik „Makani“ entstanden, die auf Ideen von Kite-Surfern aus Kalifornien zurückgehe. Durch das Motto „Auf technische Einblicke vertrauen“ sei es Google beispielsweise gelungen, das autonome Fahren zu entwickeln. Was bei dem Internet-riesen, der jährlich um 23 Prozent wächst und 2018 einen Umsatz von 137 Milliarden Dollar erzielte, weiterhin zähle, sei die Mission, und zwar die des Unternehmens, aber auch die jedes einzelnen Mitarbeiters. „Bring your whole person to work, so heißt es bei Google“, sagte Jain. Dass sie selbst danach handelt, Aprajita Jain wurde nach ihrem BWL-Studium in Deutschland von Google angeworben, daran ließ ihr engagierter Vortrag keinen Zweifel.

Wenn die Vorteile der Deutschen, nämlich klare Denkweise, Disziplin und Perfektion, mit der Art des freien und großen Denkens im Silicon Valley zusammenkämen, dann könne Großes entstehen, machte Jain Mut, die eigene Denkweise zu hinterfragen.

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