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Landsberg

01.01.2019

Silvester: Warum es die Landsberger klassisch lieben

Für viele  aus Landsberg und Umgebung ist das Konzert in der Stadtpfarrkirche zur Tradition geworden: Seit 1987 verabschiedet Organist Johannes Skudlik das Jahr mit einem Konzert.
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Für viele  aus Landsberg und Umgebung ist das Konzert in der Stadtpfarrkirche zur Tradition geworden: Seit 1987 verabschiedet Organist Johannes Skudlik das Jahr mit einem Konzert.
Bild: Thorsten Jordan

Im Olympia Kino werden die Berliner Philharmoniker live übertragen und in der Stadtpfarrkirche lässt Johannes Skudlik die Orgel erklingen. Für viele ist ein Abend mit Musik ein gelungener Abschluss für das scheidende Jahr.

Bei den einen ist es das Fondue, beim nächsten das Silvesterkonzert oder „Dinner for one“ – viele haben ihre Rituale, wie sie das Jahr beenden, beziehungsweise das neue Jahr begrüßen. Das Landsberger Tagblatt hat sich beim Publikum im Olympiakino und beim Neujahrskonzert in der Stadtpfarrkirche umgehört.

Im Kino in Landsbergs Altstadt überträgt Rudolf Gilk zum ersten Mal ein Silvesterkonzert: Daniel Barenboim dirigiert die Berliner Philharmoniker, auf dem Programm stehen Mozarts Krönungskonzert und danach Ravels spanische Kompositionen mit dem Bolero als krönenden Abschluss. Mit Opernvorführungen hat der Kinobetreiber schon Erfahrung, „das Silvesterkonzert passt gut ins Programm“, sagt Gilk. Und weil es ein ganz besonderer Abend ist, gibt’s zur Begrüßung Sekt, O-Saft oder gemischt.

Mehr zu Rudolf Gilk und seinem Olympia Kino gibt es hier zu lesen: Das gemütliche Filmtheater 75 Jahre Kinogeschichte

Klaus Berghofer muss die Übertragung kontrollieren

Klaus Berghofer sitzt wie immer an der Kasse. Anders als Rudolf Gilk kann er sich den Film nicht auf der Großleinwand von zehn auf fünf Metern ansehen. „Ich schaue es mir hier auf dem Bildschirm im Foyer an, auch zur Kontrolle.“ Sabine Sander-Aigner und ihr Mann Friedrich Aigner sind bis auch Schongau gekommen. „Ich habe es durch Zufall im Internet gesehen“, erzählt Sabine Sander-Aigner.

Ein Konzert am Silvesterabend ist für das musikinteressierte Ehepaar nichts Außergewöhnliches. „Wir waren in den Jahren zuvor in der Wieskirche“, erzählt Aigner. Da sie aber vor Kurzem in Berlin waren und das Programm interessant sei, reize jetzt das Kinoerlebnis in Landsberg.

Die große Leinwand und der Sound locken ins Kino

Das Ehepaar Rosemarie und Peter Lingenhöl aus Pürgen gehen öfters in die Sonntagsmatinee ins Olympiakino. Kino sei anders als daheim, antworten sie auf die Frage, warum das Konzert nicht am heimischen Fernseher geschaut wird. Auch Arte überträgt aus der Berliner Philharmonie. „Der Sound ist besser, die neuen Fernseher taugen nichts mehr“, sagt Günther Federer.

Dr. Andreas Hartmann war sonst immer beim Konzert der Münchner Philharmoniker, hat sich jetzt aber für die heimische Kinovariante entschlossen. „Wir sparen uns den Weg.“ Dagmar Kauth hat schon ein Silvesterkonzert im Kino in Kaufering gesehen. „Dort ist heute ausverkauft, also haben wir es auf gut Glück hier in Landsberg probiert.“ Die Akustik sei eine ganz andere und auch das Bild auf der großen Leinwand. „Vielleicht ist es auch das Gemeinschaftsgefühl.“

„Zum Konzert gehör’n d’Leit dazu“, bekräftigt Walter Eichner, und entschwindet in den Kinosaal. Während draußen die ersten Kracher losgehen, lauschen die Kinogäste den Mozart-Klängen bei Sechs-Kanal-Sourround-Sound und lassen den Bolero von Ravel auf sich wirken.

In den Lokalen wird bei Kerzenschein gegessen

Wer durch die Straßen schlendert, sieht am späteren Abend durch die hell erleuchteten Fenster, dass viele Lokale stark frequentiert sind und Paare und Familien bei Kerzenschein an diesem Silvesterabend beisammensitzen und dinieren.

Gegen 21.30 Uhr füllt sich auch die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, in der seit 1987 das Silvesterkonzert mit Johannes Skudlik stattfindet, wie der Organist dem LT verrät. Das Ehepaar Kirschner aus Landsberg kommt traditionell seit Jahren mit Freunden zum Konzert. „Wir haben zuvor gemeinsam Raclette gegessen“, erzählt Michael Kirschner. Für seine Frau Brigitte ist es „ein wunderbarer Abschluss des Jahres“. Man könne der Musik lauschen und übers vergangene Jahr nachdenken. Sie glaubt, dass das Konzert auch für Menschen, die alleinstehend sind, oder auch Paare, die sonst nicht groß feiern, wichtig ist. „Man trifft hier immer Menschen aus der Pfarrei“, erzählt sie. Es kämen aber immer auch viele Musikinteressierte um Skudliks Darbietung zu lauschen.

Mehr über den Kirchenmusiker lesen Sie hier: Botschafter der Musik in ganz Europa Genialer Musiker, Organisator und Initiator

Ausgerüstet mit einer Decke

„Wir wollten nicht nur zu Hause feiern“, erzählt Eva-Maria Hübner, die mit ihrem Mann Dieter gekommen ist. Sie hat vor einiger Zeit für Freunde eine Führung in der Stadtpfarrkirche organisiert und dabei sei auch die Orgel vorgestellt worden. Und so reizte es sie, auch das Silvesterkonzert dort zu erleben. Nachher werde noch daheim und um Mitternacht draußen mit den Nachbarn gefeiert. Eva-Maria Hübner ist mit einer Decke ausgerüstet, „Open-Air-Erfahrung“, erzählt sie.

„Sie haben mir den Wunsch erfüllt“, erzählt Hans-Peter Erl aus Finning, dass seine Frau Daniela und die Kinder Antonia und Simon ihm zuliebe mitgekommen sind, da er sich dieses Silvesterkonzert als „besondere Erlebnis in dieser Kirche“ vorstellt. Sein zehnjähriger Sohn ist auf jeden Fall schon „ganz gespannt“, was ihn erwartet. Deutsche Barockmusik von Händel und Bach stehen auf dem Programm, aber auch Motive aus Bizets „Carmen“ oder Dvoráks „9. Sinfonie – Aus der neuen Welt“.

Auch bei Tanzmusik wird ins neue Jahr gefeiert

Und während sich die Konzertbesucher nach einstündigem Konzert nach Hause gehen oder noch in der Altstadt verweilen, um den Jahreswechsel zu begehen, starten in einigen Bars in Landsberg die Partys fürs feiernde Volk: In der Likka Lounge legt beispielsweise DJ NT (Kantine Augsburg/Lovepop Augsburg) 80er- und 90er-Sound sowie Funk & Soul auf, in der Sonderbar ist „Silvesterfeierei“ angesagt mit MrOggmann (Rebelz Sound/Puls) und auch im Moritz wird beim „New Year’s Eve“ ins neue Jahr hinein getanzt.


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