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Penzing

19.03.2019

Sind auch die Penzinger Glocken zu laut?

Die Kirchenglocken in St. Martin in Penzing sind aus Stahl. Sie wurden im Jahr 1922 ersetzt, nachdem im Ersten Weltkrieg die Bronzeglocken eingeschmolzen worden waren.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Ein Nachbar der Penzinger Pfarrkirche beklagt sich darüber, dass seine Nachtruhe durch die Kirchenglocken gestört wird. Wie Pfarrer Martin Rudolph auf die Kritik reagiert.

In welcher Lautstärke sollen Glocken die Zeit ansagen und zum Gebet rufen? Nicht nur in Dettenschwang (Anwohnerin wehrt sich gegen frühes Läuten der Kirchenglocken ) ist das ein Streitthema, auch in Penzing zieht ein Ehepaar gegen das Schlagen und Läuten der Glocken der Pfarrkirche St. Martin zu Felde. Zumindest leiser solle dies geschehen, fordert Peter Dittrich.

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Zusammen mit seiner Frau wohnt er nicht weit von der Kirche entfernt in knapp 100 Metern Luftlinie in einer Eigentumswohnanlage in der Schwabhauser Straße. Schon seit 2014 hätten es die Dittrichs gerne etwas leiser. Einen Teilerfolg haben Peter Dittrich und seine Frau bereits erreicht. Doch das genügt ihnen nicht.

Die Familie hat bereits ein leiseres Läuten erreicht

Nachdem sie sich 2015 ans Landratsamt gewandt hatten, ergab eine Lärmmessung, dass der nächtliche Glockenschlag um rund fünf Dezibel zu laut ist. Daraufhin wurden die Glocken so eingestellt, dass sie nur noch so laut sind, dass sie beim viertelstündlichen Glockenschlag den Lärmschutzbestimmungen entsprechen und der Spitzenpegel unter 65 Dezibel bleibt. Beim Angelus-Läuten in der Früh um 5.15 Uhr sei dadurch nur noch von einem Geräuschpegel von 50 Dezibel auszugehen.

Sind auch die Penzinger Glocken zu laut?

So ganz zufrieden waren die Dittrichs damit jedoch nicht. Sie bezweifeln, ob die Lärmschutzbestimmungen tatsächlich eingehalten werden. Deshalb wandten sie sich im vergangenen Jahr erneut an das Landratsamt. Dieses Mal ließ das Landratsamt jedoch kein weiteres Entgegenkommen mehr erkennen. In der dem LT vorliegenden Antwort der Behörde hieß es unter anderem, es sei „zu berücksichtigen, dass das liturgische Läuten als herkömmlicher und allgemein akzeptierter Ausdruck der Religionsausübung durch die in Deutschland mit einem verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht ausgestatteten Religionsgemeinschaften besonderen Schutz genießt“. Auch der Umstand, dass sich die Dittrichs „freiwillig in die später beanstandete Situation hineinbegeben haben“ begründe eine „erhöhte Zumutbarkeit“ des Glockenschlagens und -läutens. Im Übrigen ließen die Art und die Dauer das Gebetläutens (zweieinhalb Minuten) keine „schädlichen Umwelteinwirkungen“ erwarten.

Peter Dittrich sieht eine Ordnungswidrigkeit

Peter Dittrich sieht in dem Schlagen und Läuten jedoch eine Ordnungswidrigkeit und spricht von „nächtlicher Ruhestörung“. Und in ihrem kleinen Garten mit Terrasse sei es während des Läutens nicht möglich, ein Gespräch zu führen, „da man sein eigenes Wort nicht mehr versteht“. Er betont auch, dass es ihm und seiner Frau nicht darum gehe, die Glocken ganz zum Schweigen zu bringen. „Wir wollten lediglich, dass das Glockengeläut in einem Klang ertönt, der für das Menschenohr angenehm ist und nicht ein aufdringlicher und unerträglicher Schlag ins Gesicht.“

Noch etwas näher an der Kirche wohnt Pfarrer Martin Rudolph. Ist der Klang ihrer Glocken wirklich so schlimm wie es die Dittrichs empfinden? „Als ich hierhergekommen bin, habe ich mir ein paar Nächte auch gedacht, was ist denn hier los“, erinnert sich der Geistliche. Inzwischen freilich habe er sich daran gewöhnt und wenn er nachts mal nicht schlafen könne, habe das andere Gründe als das Schlagen und Läuten.

Darum klingen die Penzinger Glocken anders

Der Grund für den etwas härteren Klang der Glocken sei das Material. Wie Pfarrer Rudolph erklärt, musste auch die Pfarrei Penzing im Ersten Weltkrieg die Bronzeglocken für Rüstungszwecke abliefern. Lediglich ein 1763 gegossenes und entsprechend kunsthistorisch wertvolles Exemplar blieb erhalten. Als man 1922 ein neues Geläut beschaffte, hätte man sich nur Stahlglocken leisten können. Die verbliebene Bronzeglocke passte jedoch nicht zum Klang des neuen Geläuts. Sie läutet jetzt am Eingangspavillon des neuen Friedhofs. Der Klang der Stahlglocken sei nicht so weich wie der von Bronzeglocken, erklärt der Pfarrer. Aber für Bronzeglocken habe die Pfarrei nicht das nötige Geld.

Dem Beschwerdeführer macht Rudolph aber ein Angebot. Man könne durchaus prüfen lassen, ob und wie der Glockenklang in Penzing verbessert werden könnte. Rudolph verweist auf das Beispiel in Geretshausen. Auch dort ist ein Stahlgeläut vorhanden, das sehr auffallend laut gewesen sei. Man habe dann neue Glockenschwingel angebracht, nun sei der Klang wesentlich weicher. Möglich wäre auch, den Anschlagwinkel zu verändern, erklärt Rudolph weiter.

Außer zu den Gottesdienstzeiten wird in Penzing morgens um 5.15 Uhr, mittags um 12 und abends um 19 Uhr geläutet, außerdem an Freitagen um 11 Uhr, und am Samstag um 14 Uhr wird der Sonntag eingeläutet.

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