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30.03.2009

Singe, wem Gesang gegeben

Landsberg "Der Gesang ist ein Element des alltäglichen Lebens, eine Naturkraft. Leider merken es die Menschen nicht mehr." (Giora Feidman)

Singen wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen zu bringen und der Kritik des bekannten Klezmermusikers Giora Feidman entgegenzuwirken, war ein Aspekt des Großen Chortags der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg. Einen weitaus wichtigeren, positiven Gesichtspunkt hat Musikschulleiter Lothar Kirsch formuliert: "Singen ist leicht, tut gut und fördert, wie Experten versichern, sogar Gesundheit und Intelligenz." Und es macht Spaß und verbindet Menschen, wie am Chortag bei den unterschiedlichen Veranstaltungen zu beobachten war. Die Abendklasse (Leitung Ludmilla Wachs) eröffnete den bunten Reigen gesanglicher Darbietungen in der Aula der Freien Waldorfschule Landsberg mit Madrigalen, Liedbearbeitungen und einer witzigen "Kartoffelkantate". Klaus Hartung führte humorvoll durch das Programm. Mit der Leitung des "Offenen Singens" startete Matthias Utz in einen arbeitsreichen Tag. Der Leiter des Landsberger Vocalensembles übte mit vielen interessierten Sängern einige mehrstimmige Lieder ein, die auf einer Bühne am Hauptplatz präsentiert wurden. Und weil dort der Verkehr ungehindert und nicht ohne Lärm vorbeifloss, wanderte der Massenchor für ein weiteres Minikonzert kurzerhand in die Fußgängerzone.

Nach kurzer Erholung hieß es Nerven bewahren, denn die Bühne in der Aula der Waldorfschule verwandelte sich in "Schloss Eulenstein", wo sich nach tausend Jahren endlich wieder einmal die Geister zum fröhlichen Spuken trafen. Beeindruckend, was die wie Matthias Utz ebenfalls vielbeschäftigte Isabella Hahn (musikalische Leitung) und Franziska Dietrich (Regie) da mit 50 Kindern von Singklassen und Kinderchor auf die Bühne zauberten. Der riesige Chor sang in für diese Altersstufen beachtlicher Einheit, die Rollendarsteller imponierten mit kräftigen, glockenreinen Stimmen. Zu Recht stehende Ovationen für die Akteure. Beinahe nahtlos fügte sich ein Chorkonzert in einem der Musikzimmer der Freien Waldorfschule an. Am Beispiel Jugendchor und Jugendkammerchor (Leitung Isabella Hahn) konnte dabei sehr gut beobachtet werden, wie sich junge Sänger bei richtiger Führung weiterentwickeln. Beibehalten von Tonhöhe und Geschwindigkeit gehören dazu, ebenso Dynamik und Rhythmus. Das "Red, red Rose" (Burns/Kalmer), das der Jugendkammerchor vorstellte, war ein besonders gelungenes Beispiel dafür. Was dann folgte, war ein Naturereignis.

Charismatischer "Zugführer"

Singe, wem Gesang gegeben

Die "Blue Notes" aus Kaufbeuren starteten ihren "New Gospel Train", beziehungsweise sie folgten ihrem charismatischen "Zugführer" Traugott Mayr in atemberaubender Geschwindigkeit, singend durch die Gospelwelt. Zur Aufführung kamen meist weniger bekannte Chorsätze bekannter Gospels, mit schrägen Harmonien und überraschenden Effekten. Traugott Mayr agierte dabei wie eine Naturgewalt. Technisch und rhythmisch brillant, zeigte er am Dirigentenpult wie am Klavier, dass er zu unterwerfen imstande ist, seine Klasse. Schade nur, dass Landsbergs Sänger zu der Zeit bereits letzte Proben für das abendliche Chorereignis absolvierten. Der musikalische Abschluss des Chortages lockte viele Zuhörer in die Heilig-Kreuz-Kirche, wo Chöre der Sing- und Musikschule, Solisten und Orchester "Con Anima" unter der Leitung von Matthias Utz Joseph Haydns "Stabat Mater dolorosa" aufführten. Die vier jungen Solisten lieferten bemerkenswerte Leistungen, nicht ganz glücklich war der Standort unterhalb des Altarraums gewählt.

Die Soloparts verschwammen dadurch zum Teil. Ein mit einer Reihe von Musiklehrern, Preisträgern und Instrumentenbauern geradezu luxuriös besetztes Orchester schiffte scheinbar mühelos durch die teilweise anspruchsvollen Orchestersätze. Und der Große Chor, in dem Viertklässler neben nicht mehr ganz jungen Herrschaften sangen, untermauerte ein letztes Mal an diesem Chortag die These, dass Singen verbindet.

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